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Krankenhaus Lindenbrunn beteiligt sich an Studie über Lungenkrankheit / 3000 Patienten nehmen teil

Wenn einem die Luft immer knapper wird

Coppenbrügge (ist). „Ein, aus, ein, aus und halten!“ Heinz Wittkopp sitzt mit Nasenklemme in der gläsernen Kabine des Ganzkörperple-thysmographen zur Messung seiner Lungenfunktion und pustet mit aller Kraft – dennoch ist der Kurvenausschlag auf dem Monitor von dem eines gesunden Menschen weit entfernt. Genau vor sechs Jahren, erinnert sich der 72-jährige Hamelner, war er zum Lungenfacharzt gegangen – weil die Luft auch bei alltäglicher Bewegung zunehmend knapp, der Husten immer heftiger wurde. Diagnose: COPD, chronisch-obstruktive Lungenerkrankung. Heißt, die Bronchien sind auf Dauer eng gestellt. Weil die Krankheit immer häufiger auftritt, beteiligt sich das Krankenhaus Lindenbrunn an einer Studie über die Lungenkrankheit.

veröffentlicht am 06.12.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 23:21 Uhr

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Beim Treppensteigen fällt das Atmen schwer. Schleichend verschlechtert sich der Zustand. Das Gefühl, nicht genug Luft zu bekommen, verstärkt sich. Atemnot, Husten, Auswurf – das sind die Hauptsymptome der weltweit verbreiteten Krankheit. Seit sechs Jahren ist Wittkopp neben täglicher Tabletteneinnahme nie ohne Notfallspray in der Tasche unterwegs. COPD droht inzwischen jedem vierten Menschen im Laufe seines Lebens. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation ist COPD die vierthäufigste Todesursache weltweit. In Deutschland, so das Statistische Jahrbuch Gesundheit, steht sie unter den „Top 10 Mortalitäten“ bei den Männern auf Platz fünf, bei den Frauen auf zehn.

„Noch“, wie der Chefarzt der Geriatrie im Coppenbrügger Krankenhaus Lindenbrunn, Dr. Manfred Gogol, ausdrücklich betont. Denn die Erkrankungszahlen steigen an. COPD, so Gogol, wird spätestens in zehn bis zwanzig Jahren auch in Deutschland die vierthäufigste Todesursache sein. Trotz gewachsenem gesellschaftlichen Bewusstseins über die Gefahr des Rauchens. Denn allein mit der umgangssprachlichen „Raucherlunge“ sei COPD unzureichend bezeichnet, weiß der Chefarzt. Tabakkonsum gelte zwar als größter Risikofaktor, doch auch Passivrauchen oder die durch Staubpartikel belastete Umwelt können die Lungenkrankheit fördern – nachweislich ein Viertel der COPD-Erkrankten in westlichen Ländern hat nie geraucht.

Heinz Wittkopp schon: „So zwanzig bis dreißig Zigaretten täglich“, schätzt er. „Bis vor sechs Jahren.“ Dazu sei über zwölf Jahre die Belastung durch den Fein- und Asbeststaub bei Abbrucharbeiten als Baggerführer gekommen. In das Krankenhaus Lindenbrunn ist er jetzt jedoch nicht als Patient, sondern als Teilnehmer an der bundesweiten, vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit fünf Millionen Euro geförderte Studie „Cosynet“ des „Kompetenznetzes Asthma und COPD“, gekommen. An 23 Lungenfachzentren und Universitätskliniken werden wie am Krankenhaus Lindenbrunn 3000 COPD-Patienten untersucht, um erstmals eine umfangreiche Datenbasis der Wechselwirkungen und Einflüsse der Lungenkrankheit auf das Organsystem als Hilfe für weitere Behandlungsansätze zu erarbeiten.

„Lindenbrunn ist das einzige Studienzentrum, das sich auf ältere Patienten 70plus konzentriert“, sagt Dr. Gogol als Betreuer der Studie vor Ort. „Denn es ist zu erwarten, dass sich COPD bei Hochaltrigen hinsichtlich Verlauf, Funktionsfähigkeit im Alltag und weiteren Faktoren von jüngeren Patienten unterscheidet.“

Nach fünf Stunden mit über 20 Untersuchungen und Fragebögen geht Heinz Wittkopp an diesem Tag mit einem umfangreichen Komplettzeugnis seines Gesundheitszustandes, das es nicht bei jedem Hausarzt gibt, nach Hause. In einem halben, dann einem weiteren Jahr kommt er zur nächsten Visite. „Gern“, sagt er, „eine gute Sache, diese Studie, auch wenn sie mir selbst vielleicht nicht mehr hilft.“

Studienteilnehmer Heinz Wittkopp lässt seine Lungenfunktion am Ganzkörperplethysmographen im Krankenhaus Lindenbrunn untersuchen. Die medizinische Fachangestellte Erika Wiebe steht ihm dabei zur Seite.

Foto: ist



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