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Grimme-Preisträgerin Annette Hess stellt ihren ersten Roman „Deutsches Haus“ vor

„Weissensee“-Autorin schreibt ersten Roman

COPPENBRÜGGE. Annette Hess ist eine der gefragtesten Drehbuchautorinnen Deutschlands. Zu ihren bekanntesten Werken zählen „Weissensee“, die Familiensaga aus der späten DDR, die ZDF-Reihe „Ku’damm 56/59“ über eine Berliner Tanzschule und „Die Frau vom Checkpoint Charlie“. Nun hat die im Raum Coppenbrügge lebende Grimme-Preisträgerin ihren ersten Roman geschrieben. Ihr Buch „Deutsches Haus“ ist komplexer als der Titel vermuten lässt.

veröffentlicht am 18.09.2018 um 14:02 Uhr
aktualisiert am 24.09.2018 um 11:56 Uhr

Annette Hess stellt ihren Roman im Coppenbrügger Buchladen Stender vor. Foto: Silvia Medina
Stolte Christiane

Autor

Christiane Stolte Reporterin
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Zwar geht es tatsächlich um ein Gasthaus, aber ebenso um Lebenslügen einer deutschen Familie der 1960er Jahre. Als die Tochter Eva von ihren Eltern etwas über deren Vergangenheit im Nationalsozialmus erfahren möchte, errichten sie eine Mauer der Abwehr.

Noch ist das Buch im Handel nicht erhältlich. Es erscheint erst am Freitag, 21. September, im Ullstein-Verlag. Die Lesepremiere mit der Autorin findet am selben Tag in Berlin, Prenzlauer Berg, in der Buchhandlug „Uslar & Rai“ statt. Bemerkenswert: Geplant ist eine Vorpremiere. Zwei Tage vorher nämlich, am Mittwoch, 19. September, stellt Annette Hess ihren Roman im Coppenbrügger Buchladen Stender vor.

Warum? „Ich freue mich, wenn ich so eine engagierte, regionale Buchhandlung unterstützen kann“, betont Annette Hess. Sie habe einfach im Laden von Heiner und Barbara Stender angefragt, ob sie dort lesen könne und sofort eine Zusage erhalten. Die Veranstaltung wird in einem eher kleinen Rahmen erfolgen, denn der Platz im Buchladen ist begrenzt.

Vielleicht ist die Wahl der gebürtigen Hannoveranerin ja auch eine kleine Hommage an ihre Wahlheimat Coppenbrügge? Schon einmal hat sie die Region in den Fokus gerückt, und zwar mit dem ZDF-Thriller „Die Toten von Hameln“, für den sie gemeinsam mit ihrer Schwester Christiane Hess das Drehbuch geschrieben hatte.

Was hat Annette Hess zum Schreiben des Romans motiviert, in dem der Holocaust thematisiert wird? – „Das Thema spielte bisher in meinen Filmdrehbüchern nur am Rande eine Rolle. Dann wurden vor fünf Jahren die Tonbanddokumente des Auschwitzprozesses im Internet veröffentlicht. Ich habe mir die Aussagen der Zeugen und Angeklagten angehört und gedacht, das, was da geschehen ist, muss immer wieder erzählt werden“, betont die 51-Jährige.

Zunächst hatte sie die Idee, eine Fernsehserie aus dem Stoff zu entwickeln, sie habe aber gemerkt, dass sie mehr Erzählraum brauche, um diesem großen Thema gerecht zu werden. Deshalb habe sie sich für einen Roman entschieden. Auf diese Weise trage sie die alleinige künstlerische Verantwortung und die Kontrolle. „Ich finde es schwierig, alles, was mit dem Holocaust zu tun, hat, zu bebildern, zu inszenieren. Das geht oft geschmacklich daneben“, so die Autorin. In einem Roman erzeuge man die Geschichte nur über die Sprache im Kopf des Lesers. „Da bleibt mehr offen“, bekräftigt Annette Hess.

Welcher Quellen hat sich die Autorin für ihre Recherche bedient?“ – Das Fritz-Bauer-Institut hat 2013 die Tonbandaufnahmen des Auschwitz-Prozesses zur Verfügung gestellt. Diese 400 Stunden Material, Aussagen der Zeugen, Anwälte, Täter, waren meine Grundlage“, so die Autorin. Über Auschwitz selbst gebe es ja unzählige Schriften, Filme und Romane. Da habe sie aus der Fülle an Material auswählen müssen. „Besonders haben mich die Berichte der Kinder von Tätern interessiert“, betont Annette Hess. Wie leben sie wohl mit der Schuld ihrer Väter?

Zum Inhalt des Romans: Eva Bruhns, gelernte Dolmetscherin und jüngste Tochter der Wirtsleute Bruhns, steht kurz vor ihrer Verlobung. Unvorhergesehen wird sie gebeten, bei einem Prozess die Zeugenaussagen zu übersetzen. Ihre Eltern sind, wie ihr zukünftiger Verlobter, dagegen: Es ist der erste Auschwitz-Prozess, der in der Stadt gerade vorbereitet wird. Eva, die noch nie etwas von diesem Ort gehört hat, folgt ihrem Gefühl und widersetzt sich ihrer Familie. Sie nimmt die Herausforderung an, ohne zu ahnen, dass dieser Jahrhundertprozess nicht nur das Land, sondern auch ihr eigenes Leben unwiderruflich verändern wird. Während des Prozesses wird Eva immer wieder von verstörenden Ahnungen geplagt. Wieso kommt ihr die Ehefrau des Angeklagten bekannt vor? Wieso denkt sie bei ihrem Anblick an eine Ohrfeige, die sie als Kind bekam?


Termin: Die spannende Lesung im Buchladen Stender, Osterstraße 13, am Mittwoch, 19. September, beginnt um 19.30 Uhr. Wegen der begrenzten Sitzplätze wird um telefonische Anmeldung unter 05156/243 gebeten.



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