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Historisches Kugelwahlsystem beim MGV Brünnighausen / 130 Jahre – und die Sänger haben wieder „Hoffnung“

Weiße und schwarze Bohnen landen in der Wahlurne

Brünnighausen (ist). „Jedes Jahr eins drauf auf das Durchschnittsalter, jedes Jahr Verluste in der Mitgliederbilanz“: Es sei fast schon zur traurigen Gewohnheit geworden, hatte Rudolf Quast, erster Vorsitzender des Männergesangsvereins (MGV) „Hoffnung“ Brünnighausen von 1881, noch 2010 Bilanz gezogen. Das Durchschnittsalter der aktiven Sänger hatte sukzessive das Rentenalter (65) erreicht, die Gesamtmitgliederzahl die selbst gewählte Sorgenschallgrenze von 80 unterschritten. Demografischer Wandel und veränderter Musikgeschmack lassen die Luft knapp werden bei den traditionellen Gesangvereinen auf dem Lande; Nachwuchs- und Zuwachsprobleme machen mehr Sorgen als „Hoffnung“, die von alters her gern im Chornamen bemüht wird. Da machten auch die Brünnighäuser Sangesbrüder keine Ausnahme – allerdings nur bis zum letzten Jahresende. Denn wenn der MGV in diesem Jahr sein 130-jähriges Bestehen feiert, sind die Sänger am Nesselberg mit ihrer Hoffnung noch längst nicht am Ende: Den 18 Aktiven bescheinigte Chorleiter Jürgen Engelin „einen intonationssicheren Chorklang vom Piano bis zum Forte“, an dem der Zuhörer durchaus seine Freude haben könne – und das nicht zuletzt durch die in den vergangenen drei Monaten zahlenmäßige Verstärkung des Chores durch jüngere Stimmen.

veröffentlicht am 24.01.2011 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 18:21 Uhr

Auszählung der abgegebenen schwarzen und weißen Bohnen durch die 1. und 2. Vorsitzenden Rudolf Quast und Rolf Schweinebart sowie
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Nach langer Zeit wurden nun wieder einmal die schwarzen und weißen Bohnen bemüht. Nicht etwa zur Abstimmung über Leben und Tod wie seinerzeit die Richter im Griechenland der Antike, aber durchaus so wie die athenischen Volksversammlungen, beschließen auch die Brünnighäuser Sänger traditionell im Kugelwahlsystem per Bohne (weiß/ja, schwarz/nein) über Neuaufnahmen – und befinden sich damit in weiterer historisch illustrer Gesellschaft: Mittels weißer und schwarzer Bohnen in der Wahlurne stimmte auch die gesetzgebende Versammlung des römischen Ghettos im Mittelalter seit Mitte des 16. Jahrhunderts geheim über Annahme und Ablehnung von Anträgen ab. Selbst die venezianischen Dogen wurden durch „Kugelung“ gewählt, wobei allerdings Kugeln edleren Materials statt Gemüsesamen aus der Hülse Verwendung fanden. Bei der Abstimmung in Brünnighausen ging es jetzt um fünf Mitgliedsanträge auf der Tagesordnung des MGV: vier aus der Altersklasse 18 bis 24 Jahre, davon wiederum zwei mit aktiven Sängerambitionen. Das bedeutet einerseits Wiederannäherung an die magische „80“ der Gesamtmitgliederbilanz, andererseits den langersehnten verjüngten Klangkörper – nahezu einstimmige Zustimmung durch fast ausnahmslos weiße Bohnen im Topf war schon im Voraus sicher. „Eigentlich war es anfangs nur eine Idee in Bierlaune“, sagen die beiden Jungsänger Marten Schweinebart (24) und Johannes Manz (18) bei der nächsten Probe. Beide sind als gebürtige Brünnighäuser Söhne mit MGV-Vätern schon seit Geburt als passive Mitglieder eingetragen. „Einmal mitsingen – war nur so als Gag und Überraschung gedacht…“, sagen die beiden. Aber dann habe es irgendwie richtig Spaß gemacht.



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