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Leser bezweifelt Ertrag an den Kastanien Süd / Landwind: „Der Park läuft wirtschaftlich“

Weht genug Wind in Coppenbrügge?

COPPENBRÜGGE. Lohnt sich eigentlich ein Windpark für die Betreiber? Diese Frage mag sich manch ein Coppenbrügger stellen, der täglich auf eine oder mehrere der bis zu 141 Meter (Nabenhöhe) hohen Windenergieanlagen schaut. Vor gut einem Jahr, am 10. März 2016, wurde das letzte Windrad an den Kastanien Süd in Betrieb genommen.

veröffentlicht am 20.04.2017 um 18:46 Uhr
aktualisiert am 20.04.2017 um 21:55 Uhr

Der Windpark an den Kastanien Süd in Coppenbrügge soll laut Landwind 52 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr produzieren. Ein Leser bezweifelt das und geht nach eigenen Berechnungen von einem Ertrag von 22 bis 33 Millionen Kilowattstunden aus. Fo
Maike Lina Schaper

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Maike Lina Schaper Reporterin zur Autorenseite
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Der dortige Windpark des Betreibers Landwind umfasst acht Anlagen. Laut Prognose von Landwind sollen hier insgesamt 52 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr erzeugt werden. Ein technisch interessierter Leser unserer Zeitung, der namentlich nicht genannt werden möchte, bezweifelt das allerdings. Er geht von einer Leistung von etwa 22 bis von ihm optimistisch berechneten 33 Millionen Kilowattstunden aus.

Wie es um die tatsächlichen Werte bestellt ist, dazu will Landwind keine Auskunft geben. Pressesprecherin Stefanie Mertz erklärt aber: „Der Windpark läuft wirtschaftlich.“ Die Leistung sei genauso, wie es prognostiziert worden ist. „Wir gehen davon aus, dass wir die 52 Millionen Kilowattstunden auch erreichen werden“, so Mertz.

Dass Werte einmal schwanken, sei normal – „der Wind weht nicht jedes Jahr gleich“. Die Prognosen seien aber gut. „Wir wissen sehr wohl, dass wir hier nicht die Windverhältnisse haben, die wir im Norden haben“, sagt Mertz. Doch „wir haben guten Wind in Coppenbrügge. Der ist für uns absolut ausreichend, um 52 Millionen Kilowattstunden zu erreichen“.

Die von Landwind zwischen der B 1 und der L 423 (Richtung Herkensen/Hohnsen) gebauten Anlagen vom Typ Nordex N117/2400 sind speziell auf schwächere Windverhältnisse ausgelegt. „Ab 11 Metern pro Sekunde ist die optimale Leistung bei diesen Nordex-Anlagen erreicht“, erklärt Mertz. Bei 3 m/s würden die Anlagen anfangen zu drehen und sich bei zu viel Wind – das sind Stärken ab 20 m/s – abstellen.

Trotzdem zweifelt unser Leser an der Wirtschaftlichkeit des Windparks in Coppenbrügge. Nach seinen Berechnungen müsste Landwind für den Windpark Kastanien Süd mit einer Windgeschwindigkeit von 6,3 m/s rechnen, um auf die 52 Millionen Kilowattstunden Leistung zu kommen. Laut Daten des Deutschen Wetterdienstes wird in dieser Gegend (80 Meter über Grund) allerdings nur eine Windgeschwindigkeit von etwa 5,5 m/s im Jahresmittel erreicht. Zu wenig also für unseren Leser, um auf die anvisierten 52 Millionen Kilowattstunden zu kommen.

So einfach ist es aber laut Landwind nicht. Neben der mittleren Windgeschwindigkeit müsse auch der mittlere Energiegehalt des Windes berücksichtigt werden. Je nach Häufigkeitsverteilung des Windes sei die mittlere Geschwindigkeit, bezogen auf den Energiegehalt des Windes beziehungsweise den Energieertrag einer Windkraftanlage, eine variable Größe. So könnte der Energiegehalt des Windes und damit der Energieertrag einer Windkraftanlage bei der gleichen Windgeschwindigkeit und unterschiedlichen Häufigkeitsverteilungen der einzelnen Windgeschwindigkeiten um bis zu 15 Prozent schwanken. Beispielsweise könne, so Landwind, eine mittlere Jahreswindgeschwindigkeit von 6 m/s sowohl bedeuten, dass der Wind das ganze Jahr konstant mit 6 m/s weht oder aber es tritt ein halbes Jahr eine Windgeschwindigkeit von 12 m/s auf und ein halbes Jahr Windstille. Im zweiten Fall wäre der Energieertrag einer Windenergieanlage um ein vierfaches höher – bei der gleichen mittleren Windgeschwindigkeit.

Sicherlich wird es das Beispiel in der Realität so nicht geben, weshalb es unser Leser als „schöngerechnet“ kritisiert. Doch Landwind bleibt generell dabei: „Akkreditierte Gutachter errechnen uns den Ertrag. Die Prognosen werden eingehalten.“ Für das Unternehmen seien die Gutachten und eben der Windertrag elementar wichtig. Wenn Landwind von den angenommenen Ertragswerten des Lesers ausgegangen wäre, wäre der „Windpark nicht gebaut“ worden, sagt Mertz.

Neben den acht Anlagen an den Kastanien Süd in Coppenbrügge betreibt Landwind auch fünf Anlagen in Salzhemmendorf und hat bereits erklärt, gern neue dazustellen zu wollen. Darüber hinaus ist das Unternehmen ganz in der Nähe von Coppenbrügge mit dem Bau weiterer Anlagen beschäftigt. So soll eine Windkraftanlage bei Afferde entstehen sowie sechs weitere bei Groß Hilligsfeld.

„Wir würden keine weiteren Anlagen in diesem Bereich planen, wenn es nicht wirtschaftlich wäre“, bemerkt Mertz abschließend.

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