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Aiko Hattermann untersucht, ob Einfamilienhäuser bald neue Leerstands-Sorgenkinder werden

Was wird aus unseren Immobilien?

BENSTORF. Eine der Zuhörerinnen im Dorfgemeinschaftshaus ist 76 und ihr Problem typisch für eine besorgniserregende Entwicklung im ländlichen Raum: die Kinder sind aus dem Haus, die aus den 60er und 70er Jahren stammende Immobilien, zumeist ein Einfamilienhäuschen, wird gefühlt immer größer. Was tun? Verkaufen? In eine kleine Mietwohnung ziehen? Fragen, die sich viele ältere Bewohner von in die Jahre gekommenen Baugebieten stellen. Und eine Frage, mit der sich Aiko Alexander Hattermann, frischgebackener Master im Studiengang Geodäsie und Geoinformatik an der Uni Hannover, beschäftigt hat.

veröffentlicht am 19.11.2018 um 17:33 Uhr
aktualisiert am 21.11.2018 um 10:17 Uhr

„ Leerstände schaden nicht nur dem Ortsbild, sondern bedeuten auch den Wertverlust der Immobilie. Aiko Alexander Hattermann Master im Studiengang Geodäsie und Geoinformatik
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Ernst August Wolf Reporter
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„Generationsübergangs-Monitoring in Ein- und Zweifamilienhaus-Baugebieten“, so lautet das Thema seiner Masterarbeit, die der 26-Jährige jetzt im Dorfgemeinschaftshaus Benstorf vorstellte. „Baugebiete im ländlichen Raum sind starkem Wandel ausgesetzt“, so Hattermann.

Gerade die Einfamilienhäuser aus den 60er und 70er Jahren seien dabei, neue „Leerstands-Sorgenkinder“ zu werden. Eine Entwicklung, die auch der Bürgermeister des Fleckens Salzhemmendorf, Clemens Pommerening, und die Stellvertreterin des Coppenbrügger Bürgermeisters, Andrea Wegener, gut kennen. „Ein deutschlandweites Problem“, so Pommerening, der sich von der Zusammenarbeit mit dem betreffenden Fachbereichen der Leibniz Universität Hannover Anregungen und Lösungsvorschläge erwartet.

Anhand eines Baugebietes in Benstorf hat Hattermann die Problematik detailliert untersucht, Gesamt- und Restnutzungsdauer von Immobilien analysiert, Infra- und Versorgungsstruktur ebenso kartiert wie die Bevölkerungsstruktur. Wie sieht die Zukunft ihrer Immobilie aus? Wie zufrieden sind sie mit ihrem Wohnort? So lauten Fragen aus Hattermanns empirischer Untersuchung. Sich frühzeitig um die Zukunft des eigenen Häuschens kümmern, rät Hattermann den Besitzern. Und zugleich nach altersgerechten, alternativen Wohnformen Ausschau halten. „Vielleicht kann ich mein Haus zusammen mit anderen zu einer Senioren-WG umbauen“, so eine Teilnehmerin der Befragung. Die meisten Bewohner haben zudem eine große emotionale Bindung an ihr Eigentum. Realistische Alternativen aber sind Mangelware. „Betreutes Wohnen im Alter“ ebenso wie Mehrgenerationenhäuser oder Senioren-WGs.

Der Kommune rät Hattermann die Melderegisterdaten umfassender als bisher zur Planung heranzuziehen. Das Ziel: „Privates und kommunales Interesse müssen frühzeitig Leerstande verhindern. Die schaden nicht nur dem Ortsbild, sondern bedeuten auch den Wertverlust der Immobilie“, stellt Hattermann fest. Junge Familien freilich, auch das ergab seine Untersuchung, bauen lieber neue Einfamilienhäuser als sich in alten Bestand einzukaufen. Hier gelte es umzudenken.

Die Verhinderung einer „Abwärtsspirale“ sei eine zentrale Aufgabe der gesamten Region, interkommunale Zusammenarbeit und Förderprogramme daher vonnöten. Zumal die Betreffenden selbst oft kaum in der Lage seien, energetische oder andere Sanierungen zu finanzieren.

Hattermanns Vortrag machte deutlich, dass in Sachen Generationsübergang von Ein- und Zweifamilien-Immobilien in Baugebieten nicht nur in Benstorf die Uhr tickt.



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