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Verkostung mit virtueller Schottland-Reise

Warum Whisky das „Wasser des Lebens“ ist

Weenzen/Thüste. Voll, malzig, würzig oder doch eher gehaltvoll trocken – und im Abgang mit Torf und Heide oder gewaltig als echter Nachbrenner. Wenn es um Whisky geht, sind alle Geschmacksnerven gefordert und auch der Geruchssinn spielt eine wichtige Rolle. Die Erwartungen der Besucher im WTW-Vereinsheim in Thüste sind groß, schließlich gibt es selten die Gelegenheit, fernab von Großstädten an einer Whisky-Verkostung teilzunehmen – oder wie es korrekter heißt an einem Whisky-Tasting.

veröffentlicht am 12.11.2014 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 02:21 Uhr

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Autor:

Christian Göke
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Die Skat-Warriors aus Wallensen haben zu diesem besonderen Event eingeladen, das Hauptaugenmerk jedoch mehr auf die Whisky-Kultur als auf das Trinken gelegt. Referent ist Niklas Zimmermann aus Lügde, ein erklärter Whisky-Genießer und Schottland-Liebhaber. Bis die ersten Gläser gefüllt sind, bis zum „slàinte mhath“ (schottisch-gälisch für Prost) müssen sich die Verkoster aber noch gedulden – denn zunächst wird Hintergrundwissen zum Hochprozentigen aus dem schottischen Hochland vermittelt.

Zimmermann erläutert, wo sich die 100 schottischen Brennereien befinden. Schwerpunkt sei die Region Speyside, die ein eigenes Gebiet in der Region Highlands darstelle, da am dortigen Fluss Spey rund die Hälfte aller aktiven Brennereien von Schottland ansässig sei. Die Region Cambletown dagegen beinhalte nur noch drei Brennereien, obwohl Mitte des 19. Jahrhunderts dort das Zentrum der Whisky-Herstellung von Schottland mit mehr als 30 Brennereien in einer Stadt lag.

Der Trend habe sich seitdem von rauchigen Whiskys zu immer milderen entwickelt. Den Rauch bekomme der Whisky durch die Trocknung mit Torf, da dieser quasi der einzige noch vorhandene Brennstoff in Schottland sei, erklärt Zimmermann. Mittlerweile werde das Malz aber nur noch in sieben Destillerien mit Torf getrocknet. Die Farbe des Whiskys entstehe während der Lagerung im Fass. Grundsätzlich würden dabei gebrauchte US-amerikanische Bourbon-Fässer oder ehemalige Sherry-Fässer verwendet. „Das Cherry-Fass kostet dabei rund das Zehnfache, da einfach nicht mehr so viel Cherry getrunken wird“, doziert der Lügder. Und er erläutert, wie Whisky gebrannt wird. Leicht schlanke Hälse der Brennblasen sorgten etwa für einen milderen Whisky, wobei die meisten Whiskys nur zweimal gebrannt würden und dann bei der Abfüllung zwischen 40 und 46 Prozent Alkoholgehalt hätten. Um sich Whisky nennen zu dürfen, müssten die Brände dann mindestens drei Jahre in Eichen-Fässern gelagert worden sein und 40 Prozent Alkoholgehalt haben.

Niklas Zimmermann (re.) doziert über Whisky aus Schottland – und hat für fast jeden Geschmack etwas Hochprozentiges dabei. gök (2)

Nach der Theorie folgt der Genuss. Zimmermann reicht im „nosing glass“ (ein bauchiges Glas mit breiter Öffnung) für das Tasting insgesamt fünf verschiedene Sorten. Die Whiskys werden natürlich ohne Eis oder Cola serviert, damit sich das Aroma auch im Mund wiederfindet.

Die Geschmäcker reichen vom malzig-süßen Whisky Bladnoch aus den Lowlands über den zwölf Jahre alten Glenfarclas aus Speyside, den Ben Riach aus Speyside, den zehn Jahre alten mittelrauchigen Springbank aus Campbeltown bis hin zum stark rauchigen Kilchoman Machir Bay aus Islay. Dieser erinnert einige Teilnehmer vom Geruch her an ein altes Ofenrohr. „Entweder man liebt den Rauchgeschmack oder man hasst ihn. Ich gehöre eher zu den Letzteren“, bekennt Zimmermann. Den sechsten Whisky können sich die Tester sich dann aus dem breiten Sortiment aussuchen.

Am bauchigen Rand des Glases kann man laut Zimmermann schnell erkennen, ob es sich eher um einen öligen oder um einen leicht fließenden Whisky handelt. Die Teilnehmer lernen, mithilfe eines „Nosing Wheel“, eines Aromadiagramms, die Aromen auseinanderzuhalten.

Zum Whisky selber reicht Zimmermann Schokolade, Brot und Käse, was zur Überraschung vieler oft sehr gut harmoniert. Interessant finden viele Verkoster auch, wie sich der Geschmack des Whiskys durch die Hinzugabe von Wasser verändert. Zimmermann bevorzugt hier französische Wasserarten, da sie dem schottischen Wasser schon sehr nahe kämen. „Ich habe sogar beim Tasting in Schottland schon französisches Wasser getrunken, da es dort auch geschätzt wird“, berichtet Zimmermann.

Nach rund zweieinhalb Stunden ist der offizielle Teil der virtuellen Reise durch Schottland mit seiner Whisky-Geschichte vorbei, doch die Teilnehmer genießen noch einige Zeit die besondere Atmosphäre des Abends und philosophieren über das Wasser des Lebens, was Whisky umgangssprachlich übersetzt bedeutet.



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