weather-image

Die Benstorfer wundern sich …

Warum ist die Rastiland-Erweiterung auf ungünstiger Fläche geplant?

BENSTORF. Die Benstorfer Ratsmitglieder sowie Bürger sind sauer. Stinksauer sogar. Als Rastiland-Erweiterungsgelände ist das Flurstück B53/3 vorgesehen. Der Ortsrat hält Flurstück 5 für sinnvoller. Es ging um die Zuwegung des Rastilandes an der Quanthofer Straße, eine Gemeindestraße, die Benstorf und den Ortsteil Quanthof verbindet.

veröffentlicht am 28.11.2018 um 18:45 Uhr
aktualisiert am 28.11.2018 um 19:20 Uhr

Ortsrat und Bürger beim Ortstermin: Direkt an der Bahnunterführung zum Rastiland soll jenseits der Quanthofer Straße die Ferienpark-Erweiterung entstehen. Foto: joa
Joachim Zieseniß

Autor

Joachim Zieseniß Reporter Coppenbrügge-Salzhemmendorf zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Die Benstorfer Ratsmitglieder sowie Bürger sind sauer. Stinksauer sogar. Und daraus machten sie in der jüngsten Sitzung des Bensorfer Rates bei den Tagesordnungspunkten zur Erweiterung des Rastilandes keinen Hehl.

Es ging um die Zuwegung des Rastilandes an der Quanthofer Straße, eine Gemeindestraße, die Benstorf und den Ortsteil Quanthof verbindet. Im Bauausschuss des Fleckens war die Änderung des Flächennutzungsplanes und der Aufstellung eines Bebauungsplanes für das etwa acht Hektar große Erweiterungsgelände bereits durchgewinkt worden. Von der großen wirtschaftlichen Bedeutung des Salzhemmendorfer Freizeitparks für den Flecken war damals von allen Parteiseiten die Rede.

Ein Umstand, der so durchaus auch von Teilen des Benstorfs Rates und von der Quanthofer Bevölkerung geteilt wird. „Wir sehen durchaus die Bedeutung des Freizeitparks für den Tourismus und haben nichts gegen eine Erweiterung des Rastilandes“, meint Ortsbürgermeister Günther Rathing: „Unser Problem ist nicht das Rastiland, sondern die ungelöste Zuwegungsproblematik, und dass wir als Ortsrat im Vorfeld keinerlei Information über eine Erweiterung bekommen haben. Wir haben das erst aus der Dewezet erfahren, und nicht von der Verwaltung oder dem Rastiland-Betreiber.“

Unser Problem ist nicht das Rastiland, sondern die Zuwegung.

Günther Rathing, Ortsbürgermeister

Da dem 1973 in einer alten Kiesgrube eröffneten Freizeitpark eine Zufahrt von der B1 behördlicherseits untersagt wird, ist das Rastiland mit seinen rund 400 000 Besuchern jährlich über die Quanthofer straße erschlossen. Der Park ist durchschnittlich acht Monate im Jahr geöffnet. In der Zeit fahren rund ein Drittel der Besucher den Rastiland-Parkplatz, der nur durch einen einspurigen Durchlass im Bahndamm zu erreichen ist, von Benstorf her an, zwei Drittel kommen von der B1 über Quanthof.

Ein Zustand, an den sich Benstorfer und Quanthofer grollend gewöhnt haben, auch wenn sich die Autoschlagen _ vor allem an Feiertagen – bis auf die B1 zurückstauen und die Parkschlangen bis zum Benstorfer Friedhofs-Parkplatz reichen. Ratsmitglied Thorsten Köhler: „Selbst der Rettungsweg ist dann dicht.“ Und auch für Traktoren mit ihren breiten Geräten ist dann kein Durchkommen mehr. Landwirt Otto Brockmann: „Wir müssen dann bis spätesten um neun Uhr auf dem Feld sein. Sonst geht gar nichts mehr.

Bei dem hohen Verkehrsaufkommen auf der Gemeindestraße kommt es während der Saison des Freizeitparks immer wieder zu Unfällen an der Bahntunnel-Zufahrt zum Rastiland-Parkplatz. Erst Anfang des Jahres hatte der Ortsrat deshalb eine durchgezogene Linie und ein Stopschild an der Rastiland-Zufahrt und eine 50-Km/h Geschindigkeitsbegrenzung beantragt. Es gab einen Ortstermin mit der Gemeinde. Doch nichts wurde umgesetzt.

Bereits in der Vergangenheit hatten Benstorfer zusammen mit der Parkbetreiber-Familie Ratzke über Flächen für eine verkehrsgünstige Erweiterung nachgedacht. Dabei hatte Ortsbürgermeister Rathing eine 8-Hektar Ackerfläche (Flurstück 5) direkt neben dem Rastiland-Gelände zwischen B1 und Bahnstrecke favorisiert. Auch wäre hier eine Zuwegung vor der Bahnschranke in Quanthof direkt auf das Rastiland-Gelände und zu Erweiterungsparkflächen möglich geworden. Die Quanthofer Straße bliebe dann touristenmassenfrei.

„Die Besitzerfamilie Wächter ist im Zusammenhang mit den Rastiland-Erweiterungsplänen aber nie auf einen Verkauf angesprochen worden“, wundert sich Rathing.

Womit das große Wundern bei Benstorfs Rat und Bürgern aber eigentlich erst losgeht. Benstorfs stellvertretender Bürgermeister ist Friedrich- Wilhelm Knust. Und das ist eben der Landwirt, dessen 8 Hektar Land im Flurstück 53/3 neben der Quanthofer Straße nun als Erweiterungsgelände auserkoren wurde und künftig vom Ackerland zum Bauland werden soll. Und das, obwohl das Areal neben der Saale vom Flecken erst aus dem Landschaftsschutz herausgenommen werden musste.

Übrigens: Knust ist Mitglied im Rat des Fleckens Salzhemmendorf und dort Fraktionsvorsitzender der CDU. Zu der von Benstorfs Ortsrat geforderten Analyse des Verkehrsaufkommens auf der Quanthofer Straße ist aus dem Kreishaus zu hören, dass die Straßenverkehrsbehörde am Dienstag, dem 12. Juni dieses Jahres, in der Quanthofer Straße in Höhe Busparkplatz „Rasti-Land“ gemessen habe. In vier Stunden seien dort vormittags in beide Fahrtrichtungen 88 Fahrzeuge gefahren. Bei einer erlaubten Geschwindigkeit von 100 km/h sei es jedoch zu keiner einzigen Geschwindigkeitsüberschreitung gekommen.

Übrigens: Knust ist Kreistagsabgeordneter der CDU und Vorsitzender des Ausschusses für Finanzen und Wirtschaft.

Benstorfs Ortsrat hat indes in jüngster Sitzung die Rastiland-Erweiterungspläne lediglich zur Kenntnis nehmen und seinen Unmut darüber äußern dürfen. Heute wird der Verwaltungsausschuss des des Fleckens Salzhemmendorf über einen Aufstellungsbeschluss für die Rastiland-Erweiterung abstimmen.

Übrigens: Knust ist Beigeordneterin Salzhemmendorfs Verwaltungsausschuss.

Als Bürger von Quanthof steht für Otto Brockmann und Manfred Pfand aber schon jetzt fest: „Nach einer Erweiterung wird es auf der Quanthofer Straße noch chaotischer“ und „Die Grenze des Ertäglichen wird dann überschritten. Unsere Wohnqualität ist schon jetzt in den Sommermonaten unzumutbar.“

Mein Standpunkt
Joachim Zieseniß
Von Joachim Zieseniß

Die direkt Betroffenen immer schon im Vorfeld mitnehmen: In Benstorf hat man diese Regel arg missachtet. Selbst der stellvertretende Ortsbürgermeister hüllte sich seinen Ratskollegen gegenüber erfolgreich in Schweigen. Und weder ein Verwaltungs- noch ein Rastiland-Vertreter gab zum Vorhaben jetzt im Rat Erläuterungen ab. Da muss man sich nicht wundern, dass Ortsrat und Ortseinwohner stinksauer sind.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt