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Als in Coppenbrügge wichtige Nachrichten noch ausgerufen wurden

Von Burgkarpfen und Glockengeläut

Coppenbrügge. „Öffentliche Bekanntmachung – heute findet im Burggraben das Abfischen von Karpfen statt. Anschließend ist Verkauf!“ Wer diesen Aufruf liest, sollte sich keine falschen Hoffnungen machen, denn im Burggraben tummeln sich schon lange keine Karpfen mehr.

veröffentlicht am 27.09.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 05:21 Uhr

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Autor:

Christiane Stolte
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Die kapitalen Burgfische sind nur noch in der Erinnerung von Ludwig Appel gegenwärtig. Der mittlerweile 89-Jährige war in den 1950er Jahren bis zur Gebietsreform 1973 als „Ausrufer“ in den Straßen des Dorfes unterwegs. Gehör verschaffte er sich mit einer Glocke. Als der Verwaltungsangestellte am 31. Dezember 1984 in den Ruhestand verabschiedet wurde, übergab ihm der damalige Gemeindedirektor den klingenden „Weggefährten“ zur Erinnerung an seine langjährige Ausruferzeit. Appel, der letzte Ausrufer Coppenbrügges, schraubte die Glocke bei sich zu Hause an die Wand, wo sie ihn 30 Jahre lang an das „Ausklingeln“ erinnerte.

Kürzlich hat Appel das gute Stück abmontiert und dem Museumsverein Coppenbrügge als Exponat für das Museum in der Burg geschenkt. Ab sofort kann die Ausrufer-Glocke im Raum „Coppenbrügge historisch“ besichtigt werden. „Sie soll an eine längst vergangene Zeit erinnern, in der die Menschen noch mit einfachen Mitteln informiert wurden“, betont Appel. Zu Beginn seiner Dienstzeit habe es noch nicht einmal einen Aushangkasten gegeben. Immer, wenn die Bürger über ein wichtiges Ereignis informiert werden mussten, schnappte sich der „Ratsdiener“, wie er anfangs genannt wurde, seine Glocke und gab die Meldung laut klingend bekannt. Meist ging es um das Abstellen von Wasser, um die Versteigerung von Äpfeln oder um öffentliche Bekanntmachungen.

„Wenn der Auftrag kam, musste ich bei Wind und Wetter los“, erinnert sich Appel. Die Arbeit habe ihm aber trotzdem viel Freude bereitet, denn beim „Ausklingeln“ sei der persönliche Kontakt zu den Menschen besonders groß gewesen. „Alle kamen nah ran, um mich besser zu verstehen“, erzählt Appel. Manche Kinder haben ihn bei seiner Tätigkeit sogar begleitet.

Zu Kindern hat der Senior noch immer einen guten Draht. Wer kennt ihn nicht, den Mann, der seit dem 31. Dezember 1956 Jahr für Jahr am Silvestermorgen Neujahrsstuten verteilt im Rathaus? „Wenn es meine Gesundheit erlaubt, bin ich auch dieses Jahr wieder dabei“, betont Appel.

Ludwig Appel, der letzte „Ausrufer“ Coppenbrügges, freut sich, dass seine Glocke einen würdigen Platz im Museum in der Burg erhalten hat. sto



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