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Nach Taifun „Haiyan“ hilft die gebürtige Philippinerin Evelyn Janssen in ihrer Heimat

Von Behrensen nach Mindanao

Behrensen/Philippinen. Im November 2013 richtete Taifun „Haiyan“ schwerste Schäden an der Ostküste der Philippinen an. Mit einer Geschwindigkeit von mehr als 300 Kilometern pro Stunde war er der bisher stärkste jemals an Land gemessene Taifun. Nach offiziellen Angaben kamen mehr als 6300 Menschen ums Leben. Weitere 1000 sind bis heute noch als vermisst gemeldet, und rund vier Millionen Menschen gelten als obdachlos. Für die Opfer wurde weltweit Geld gespendet. „Haiyan hatte die Lebensgrundlage der in den betroffenen Gebieten lebenden Menschen im wahrsten Sinn des Wortes in Windeseile zerstört“, erinnert sich Evelyn Janssen. Sie ist gebürtig aus Mindanao, der zweigrößten Insel der Philippinen, lebt aber schon lange auf dem Rittergut Behrensen.

veröffentlicht am 23.12.2014 um 20:00 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 23:41 Uhr

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Autor:

von Christiane Stolte
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Als sie damals von der Katastrophe erfuhr, entschloss sie sich, eine Hilfsaktion im Freundeskreis zu starten. Sie sammelte Geld und flog mit ihrem Mann Bolko Janssen in das im Norden von Mindanao gelegene Gebiet um das Dorf Afga, um vor Ort Lebensmittel zu kaufen und sie dann unter der Bevölkerung zu verteilen. „Die Infrastruktur ist nach der Katastrophe zwar wieder einigermaßen hergestellt, aber die Menschen sind sehr arm und können sich viele Dinge nicht kaufen“, erzählt Evelyn Janssen.

Zum Einkaufen hatte sie rund 50 000 philippinische Pesos zur Verfügung. Das sind umgerechnet etwa 900 Euro. „Dieser Betrag mag sich vielleicht niedrig anhören, aber für philippinische Verhältnisse ist das eine recht ansehnliche Summe“, betont Evelyn Janssen. Es fehle an allen Ecken und Enden. Hauptsächlich aber fehlen Plastikplanen für die zerstörten, im Wiederaufbau befindlichen Hütten sowie Grundnahrungsmittel wie Reis, Nudeln, Speiseöl und Sardinen. Janssen kaufte säckeweise ein.

Eine Tante von ihr, die auf den Philippinen lebt und als Mediatorin für die Regierung tätig ist, hat dabei geholfen, die Hilfsaktion vor Ort zu organisieren. „Die Menschen haben sich so sehr gefreut über die Sachen. Es war ein bisschen wie Weihnachten“, erinnert sich Evelyn Janssen. Sie bedankt sich bei allen Freunden aus Behrensen und Hameln, die sich an ihrer privaten Aktion beteiligt haben. Michael Herter hatte darüber hinaus 350 Euro an die Hamelner Organisation „Interhelp“ für die Taifun-Hilfe gespendet.

Evelyn Janssens Tante verteilte Hilfsgüter an die Kinder im von Taifun Haiyan betroffenen Gebiet um das Dorf Afga. Die Menschen dort freuten sich über die Hilfe aus Behrensen, die erst durch eine Spendenaktion möglich geworden war. sto

„Die Menschen sind wieder voller Hoffnung und machen das Beste aus ihrer Situation“, erzählt Evelyn Janssen. Dieses Jahr freuen sie sich besonders auf Weihnachten, denn im Gegensatz zu 2013 habe sich das Leben ein Jahr nach Haiyan mittlerweile einigermaßen normalisiert. Mit großer Lebensfreude bereiten sie sich derzeit auf das größte Fest des Jahres vor. Weihnachten werde auf den Philippinen ähnlich gefeiert wie in Deutschland, denn etwa 80 Prozent der Bevölkerung seien Katholiken. Nach der Mitternachtsmesse am 24. Dezember versammeln sich Familienmitglieder und Freunde zu einem ausgelassenen Festmahl – meist draußen, denn die Temperatur beträgt in der Regel 28 bis 30 Grad. Es gibt gegrilltes Spanferkel und anderes Fleisch, Huhn, gegrillten Fisch, gebackene Nudeln, viele Reisgerichte und leckere Süßspeisen wie beispielsweise Reiskuchen. Zum Durstlöschen werden eisgekühlter Limettensaft und heißer Kakao serviert.

Auf Essen und Trinken werde genau wie in Deutschland sehr viel Wert gelegt. Ebenso wichtig aber sei das Miteinander von Alt und Jung. Die von Musik begleitete Feier dauert bis in die frühen Morgenstunden des 25. Dezember. Auch die Kinder dürfen bis dahin aufbleiben. „In der Noche Buena wird nicht geschlafen“, betont Evelyn Janssen. Auch Geschenke werden verteilt und Weihnachtslieder gesungen und – wer hätte das gedacht – sogar geschmückte Weihnachtsbäume gehören zum Fest. In Ermangelung echter Tannenbäume greifen die Menschen auf Alternativen zurück. „Viele nehmen beispielsweise Kokoszweige, die sie mit Figuren aus Reispapier schmücken“, so Evelyn Janssen. Gern genommen werden außerdem weiße Wattekugeln, die den Schnee symbolisieren sollen. Bunte Lichterketten unterstreichen den fröhlichen Charakter der philippinischen Weihnacht.



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