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Waldkindergarten wird erwachsen

Vom Matsch zum Management

COPPENBRÜGGE. Heute flattert Prinzessin Naya (5) durch den Zauberwald der Kinderfantasien am „Pfad der Entdeckungen“. Träumt mit versteckten Zwergenfamilien, zeigt gruselig grinsenden Baumgeistern eine lange Nase, rettet übers Moos krabbelnde Nussschalenarienkäfer vor dem Absturz in den Bach, grüßt kunstvoll geschnitzte „Krokodile“, „Feuerdrachen“ und Feen, hilft einem havarierten Mistkäfer auf die Beine, duldet ausnahmsweise die glibberig fetten Schnecken, die sich über den Mais im Megamandala hermachen

veröffentlicht am 04.10.2017 um 17:16 Uhr

Matsch muss sein – dieser Spaß gehört im Waldkindergarten einfach dazu. Foto: ist
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Autor

Ingrid Stenzel Reporterin
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… Denn heute ist Geburtstag! Morgen wird Naya wie jeden Tag in Härte getesteter Extremallwettermontur mit ihren 14 Ithkids-Freunden zwischen Felsenkeller und Bauwagen mit allen Sinnen Natur genießen, entdecken, erforschen, bespielen, ermatschen. „Genauso wie wir früher“, lächelt Lara (24) vom Rand des Mandalas herüber. „Es sind wunderschöne Erinnerungen an diesen Weg, und die sind bis heute unvergessen“.

Lara gehörte zu den allerersten Knirpsen im Waldkindergarten. Und der hat kürzlich seinen 20. Geburtstag gefeiert – ist wie Lara erwachsen geworden. Da gilt es Bilanz zu ziehen. Zu fragen: Hat die Idee der Wald-und-Wiesen-Kinderbetreuung bei Wind und Wetter gehalten, was sich Pädagogen und Eltern davon versprachen? Sind aus den zweifellos wettergestählten Waldmäusen sozial und ökologisch verantwortungsvolle junge Menschen ohne Konzentrations- und Bewegungsstörungen, dafür mit mehr Kreativität, Ausgeglichen- und robuster Gesundheit geworden?

Gruppendynamischer und konfliktfähiger

Lana und Franka, ehemalige Waldkinder

Wir fragten einige Ithkinder der ersten Jahre, Erzieherinnen und Eltern. Einhelliger Tenor: Dieser Waldkindergarten ist ein Erfolgsmodell.

Luna und Aron – ehemalige Waldkinder. Foto: ist
  • Luna und Aron – ehemalige Waldkinder. Foto: ist
Prinzessin im Zauberwald: Naya Foto: ist
  • Prinzessin im Zauberwald: Naya Foto: ist

Lana und Franka (beide 17) sind überzeugt: „Ohne den Waldkindergarten mit Anne und Kim als Traumerzieherinnen hätten wir uns mit Sicherheit anders entwickelt.“ Beide halten sich für gruppendynamischer und kompromissfähiger mit mehr gegenseitiger Rücksichtnahme als ihr Umfeld. „Im Wald bei Wind und Wetter haben wir gelernt, uns auf andere einzustellen, weil wir immer mit der Gruppe agierten, aufeinander eingehen und uns unterstützen mussten – in nicht immer komfortablen äußeren Situationen! Ohne das bisweilen schlechte Wetter, den Matsch und Dreck wäre dieses besondere Miteinander, das uns geprägt hat, nicht möglich gewesen!“ Dass sie mal mehr, mal weniger, aber eigentlich immer „wie die Schweine“, dafür aber gesund nach Hause kamen, sei für alle Eltern der großen Waldkindergartenfamilie ganz okay gewesen. „Sie wussten, dass ohne Matsch unsere Entwicklung so nicht möglich gewesen wäre.“ Ihr Studienwunsch nach dem bevorstehenden Abitur: Naturwissenschaften und der Sport- und Fitnessbereich. Lara (24) hat gerade ihr Studium Logistikmanagement in den Niederlanden abgeschlossen. „Ich gehe meinen Weg, kann mich ohne Ellbogeneinsatz durchsetzen, bin teamfähig. Krach ist schwer mit mir zu kriegen. Das habe ich hier am Bauwagen gelernt.“ Bei Wind und Wetter anzupacken begeistert sie heute noch. Soweit Zeit bleibt, hilft sie auf einer Tierfarm in Kanada Lämmern auf die Welt. Luna (25) arbeitet heute nach ihrer Ausbildung als Diätassistentin in einem Bioladen in Hannover, Aron (21) ist Werkzeugmechaniker: „Zweifellos hat der Waldkindergarten uns junge Menschen geprägt. Wir haben gelernt, rücksichtsvoll mit der Natur umzugehen, sie zu schützen und wertzuschätzen. Das ist ja heute nicht mehr für jeden selbstverständlich. Der Bezug zur Natur geht verloren, der Mensch wird unachtsam und weiß gar nicht, was er damit aufs Spiel setzt. Waldkindergarten für alle, aber mit ganz viel Rücksicht auf den Wald, das wär’s!“

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