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Vorstandsmitglied Gellert ist schon nicht mehr im Amt

Volksbank Wesertal trennt sich von ihrem Chef

COPPENBRÜGGE. Die Volksbank im Wesertal und ihr Vorstand Norbert Gellert gehen getrennte Wege. Die Bank und ihr Chef haben sich mit sofortiger Wirkung getrennt. Das hat Aufsichtsratschef Andreas Voß am Donnerstag gegenüber unserer Zeitung bestätigt.

veröffentlicht am 14.06.2018 um 12:15 Uhr
aktualisiert am 14.06.2018 um 18:18 Uhr

Trennt sich von ihrem Chef: die Volksbank im Wesertal. Foto: Wal
Thomas Thimm

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Thomas Thimm Stv. Chefredakteur zur Autorenseite
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Als Grund für die Entlassung gibt der Aufsichtsrat „unterschiedliche Vorstellungen über die strategische Ausrichtung“ an. Die offizielle, sehr kurz gehaltene Pressemitteilung hinterlässt dabei allerdings mehr Fragen als Antworten: „Aufgrund unterschiedlicher Vorstellungen über die strategische Ausrichtung und Weiterentwicklung des Vertriebes der Volksbank im Wesertal und nach reiflicher Überlegung hat der Aufsichtsrat der Bank einstimmig beschlossen, den Dienstvertrag des Vertriebsvorstandes Norbert Gellert ordentlich und fristgemäß zum 30. Juni 2019 zu kündigen.“ Das bedeutet: Gellert wird von der Bank noch ein ganzes Jahr lang bezahlt, ist jedoch schon außer Dienst.

Nach Recherchen unserer Zeitung hat der Aufsichtsrat seine Entscheidung am Mittwochabend getroffen – schon am Donnerstag war Gellert nicht mehr in der Bank. Die genauen Gründe für die Entlassung bleiben im Dunkeln. Offenbar passten aber die Vorstellungen von Vorstand Gellert und dem Aufsichtsrat, wie man eine Bank zu führen hat, nicht oder nicht mehr zusammen. Wie aus informierten Kreisen zu hören ist, gab es zum Beispiel Streit um die Geschäftsstellen, die Umsetzung von Neuerungen sowie unterschiedliche Vorstellungen zur Zukunft der Volksbank im Wesertal. Zu allen diesen Fragen will sich der Aufsichtsrat jedoch nicht öffentlich äußern. Fragen nach den genauen Gründen blieben am Donnerstag mehrfach unbeantwortet.

Information

Die Bank entstand 2013 - schon der Start war schwierig

Die Volksbank im Wesertal ist im Sommer 2013 entstanden: Damals fusionierten die Volksbank am Ith in Coppenbrügge und die Volksbank Aerzen zur neuen Volksbank im Wesertal mit Sitz in Coppenbrügge. Die Fusion war im April 2013 beschlossen und im Sommer 2013 vollzogen worden. Damit endete die eigenständige Geschichte der Volksbank Aerzen nach 133 Jahren. In den Aerzener Gremien war in den kommenden Jahren immer mal wieder Unmut darüber zu verspüren, dass die Aerzener Seite nicht ausreichend in den Gremien der fortan gemeinsamen Bank vertreten gewesen sei. Kurz nach der Fusion gab es im Vorstand der Volksbank im Wesertal einen Wechsel: Der frühere Vorstandssprecher der Volksbank Aerzen, Ralf Schomacker, verließ im Februar 2014 das Unternehmen. Im Sommer 2014 kam es dann zum Eklat: Die für die Öffentlichkeit ungeklärten Hintergründe, die zur Trennung von Schomacker geführt hatten, heizten die Stimmung innerhalb der Bank auf; Vokabeln wie „Täuschung“, „Mobbing“, „schlechte Personalpolitik“ und „Steuerfahndung“ machten seinerzeit die Runde.

Die Volksbank im Wesertal beschäftigt nach eigener Darstellung 69 Mitarbeiter. Die Bilanzsumme von 271 Millionen Euro dokumentiert, dass die Volksbank im Wesertal eher zu den kleineren Banken im lokalen und regionalen Markt gehört. Die Bank hat 18 600 Kunden, die der Bank zugrunde liegende Genossenschaft hat 8300 Mitglieder.

Noch vor drei Wochen hatte Gellert gemeinsam mit seiner Vorstandskollegin Ilka Osterwald die Bilanz der Volksbank im Wesertal für 2017 vorgestellt. Dabei war mitgeteilt worden, dass zwar die Bilanzsumme um fast zwei Prozent auf 271 Millionen Euro gestiegen ist, die Dividende jedoch gekürzt werden müsse. Der Bilanzgewinn von knapp 500.000 Euro sei nicht groß genug, hieß es vor drei Wochen, um wie im vorangegangenen Jahr sechs Prozent Dividende ausschütten zu können. Die Mitglieder der Genossenschaft mussten sich für das Jahr 2017 mit knapp vier Prozent begnügen, was 100.000 Euro entspricht, die restlichen 400.000 Euro sollten in die Rücklagen fließen.

Mein Standpunkt
Thomas Thimm
Von Thomas Thimm

Es gehört sicherlich zu den relativ normalen Vorgängen in der Wirtschaft und auch im Bankengewerbe, dass sich Unternehmen von einem Vorstand trennen. Allerdings gehört zur Außendarstellung einer Bank auch immer die Kommunikation nach außen. Wenn Pressemitteilungen mehr Fragen als Antworten hinterlassen und Fragen der Medien unbeantwortet bleiben, dann ist das letztlich nur für einen schädlich: für das Unternehmen selbst.



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