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Landfrauenverein Bisperode feiert 70-jähriges Bestehen

„Vielfalt macht uns stark“

BISPERODE. „Eine Kuh macht Muh. Viele Kühe machen Mühe“, sagt der Volksmund – und an dieser Theorie hat sich im Laufe der Zeit nichts geändert. In der ländlichen Realität hingegen hat sich ein gewaltiger Wandel vollzogen: Als sich die Frauen vom Land in der Mitte des letzten Jahrhunderts zu Vereinen zusammenschlossen, hatten die allermeisten noch Vieh- und Landwirtschaft – zumindest im Nebenerwerb.

veröffentlicht am 04.09.2018 um 17:03 Uhr

Die Landfrauen sind vielseitig aktiv, unter anderem stricken sie auch für Frühchen. Fotos: sbr
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Autor

Sabine Brakhan Reporterin
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Heute – 70 Jahre später – hat die übernächste Generation der damaligen Vereinsgründerinnen nur noch sehr vereinzelt etwas mit Vieh- und Landwirtschaft am Hut. Mit der „fleißigen Biene“, dem Markenzeichen der Landfrauen, identifizieren sich die Frauen aber immer noch – auch in Bisperode. Und ganz sicher hat es nicht an den Mühen gelegen, die die Land- und Viehwirtschaft mit sich bringt, dass viele Familien ihre berufliche Zukunft mittlerweile anderswo suchen. Vielfältig engagiert und aktiv sind die Landfrauen nach wie vor. Plakativ deutlich machen auch die Bisperoder Landfrauen den Wandel anlässlich ihres 70-jährigen Bestehens: Da steht die mit ihren Händen in der Erde arbeitende, kittelbeschürzte und kopftuchtragende Bäuerin einer jungen, dynamischen Agrarmaschinen-Expertin gegenüber. Krasser kann man den Unterschied kaum darstellen. Doch im Grunde genommen ist das, was die gegenübergestellten Schwarz-weiß- und Farb-Aufnahmen widerspiegeln, genau das, was Elisabeth Boehm aus Rastenburg in Ostpreußen (1859-1943), die „Mutter“ aller Landfrauenvereine, schon 1898 gefordert hat und wofür sie sich ihr Leben lang engagierte – übertragen in die moderne Zeit natürlich. Die Frauenrechtlerin und Gründerin der ersten landwirtschaftlichen Frauenschule setzte sich unter anderem für die Fortbildung der Hausfrauen zur grundlegenden Förderung der ländlichen Hauswirtschaft, Ausbildung der Töchter und Hilfskräfte, Steigerung der Erzeugung landwirtschaftlicher Produkte und verbesserten Absatz, Zusammenarbeit mit den städtischen Landfrauen und Überbrückung der Gegensätze von Stadt und Land sowie Anerkennung aller hauswirtschaftlichen Arbeiten als Berufsarbeit ein.

„Kriegsbedingt war die Hildesheimer Landfrauenschule „Trillke Gut“ im Schloss in Haus Harderode untergebracht. Von dort aus und unter dem persönlichen Einsatz der Lehrerin Frieda Riemann wurde die Bisperoder Landfrauenbewegung stark unterstützt“, weiß die heutige Vorsitzende Susanne Müller aus der 70-jährigen Vereinsgeschichte zu berichten. Bis heute sind die Frauen aus den benachbarten Dörfern Bessingen, Bisperode, Harderode und Bremke in einem Verein engagiert. Mitglieder aus Diedersen, Behrensen, Emmerthal und Hameln verstärken das aktive und engagierte Team. Von den 115 Mitgliedern kommen mittlerweile 80 Prozent nicht aus dem landwirtschaftlichen Bereich. „Vielfalt macht uns stark“ – getreu dieser Devise und im Sinne der ersten Bisperoder Landfrau an der Spitze, Elisabeth Ricke, haben es die nachfolgenden Vorstände über die Jahrzehnte hinweg verstanden, Grundlagen und Voraussetzungen für eine gute Lebensqualität für alle Menschen zu schaffen, die in der ländlichen Region leben, arbeiten und wohnen. Und neben dem eigenen Wohlergehen haben die Bisperoder Landfrauen auch immer andere im Blick: Sie stricken unter anderem für Frühchen und unterstützten bereits das Senior-Schläger-Haus und den Wendepunkt in Hameln, das Hospiz „Löwenherz“ in Syke, den Hospizverein des Kirchenkreisamtes Hildesheim und die heimische Hilfsorganisation „Interhelp“ mit ihren Spenden. Am Samstag, 8. September, wollen sich die Bisperoder Landfrauen dann mal selber feiern und ihr 70-jähriges Bestehen in Buchhagen begehen. Im Mittelpunkt stehen an diesem Tag die vielen fleißigen und langjährigen treuen Mitglieder, wie Susanne Müller unterstreicht.

Bisperodes Landfrauen-Chefin: Susanne Müller.
  • Bisperodes Landfrauen-Chefin: Susanne Müller.


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