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Eigentümer verliert Versicherungsschutz nach Brandanschlag in Salzhemmendorf

Versicherer kündigt Schutz für Flüchtlingsunterkunft

Hannover / Salzhemmendorf. Dramatisch steigende Versicherungsprämien erschweren zunehmend die Unterbringung von Flüchtlingen. Diese Erfahrung haben jetzt auch die Eigentümer des Hauses in Salzhemmendorf gemacht, auf das mutmaßlich Rechtsextremisten Ende August einen Brandanschlag verübt haben. Vier Wochen danach kündigte die Generali-Versicherung den Gebäudeschutz.

veröffentlicht am 31.10.2015 um 14:06 Uhr
aktualisiert am 26.10.2016 um 08:54 Uhr

Nach dem Anschlag auf die Flüchtlingsunterkunft in der Nacht zum Freitag half einer der Tatverdächtigen beim Löschen mit. Foto: fn
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Für eine neue Wohngebäudeversicherung sollen die Eigentümer nun bei anderen Unternehmen eine bis zu achtmal höhere Prämien zahlen.

Das Haus in Salzhemmendorf ist kein Einzelfall. Wer Flüchtlingen Obdach bietet, hat es deutschlandweit schwer, überhaupt noch eine Versicherung zu finden. Unter der Hand spricht die Branche von einer „inneren“ und einer „äußeren“ Bedrohung der Gebäude: Die innere soll von den Flüchtlingen selbst ausgehen. Etwa, weil ethnische Konflikte zu Auseinandersetzungen führen können. Die äußere Bedrohung geht von Brandanschlägen aus.

Das Innenministerium in Hannover kann eine solche Kalkulation nicht nachvollziehen: „Wir haben in 30 Notunterkünften bisher nicht die Erfahrung gemacht, dass Flüchtlinge die Brandrisiken erhöhen“, sagt der für Flüchtlingsfragen zuständige Abteilungsleiter Alexander Götz. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft beteuert: „Der Beitrag steigt nicht automatisch, weil Flüchtlinge einziehen.“ Die Praxis sieht oft anders aus. Dabei ist die „äußere Bedrohung“ für Flüchtlingsheime in Niedersachsen tatsächlich gering. Der Angriff in Salzhemmendorf war einer von drei politisch motivierten Brandanschlägen auf Flüchtlingsunterkünfte, die das Landeskriminalamt in diesem Jahr registriert hat. In dem Gebäude lebten damals rund 40 Menschen, Asylbewerber sowie auch deutsche Mieter. Die Generali berief sich nach dem Brandanschlag auf ihr ordentliches Kündigungsrecht. Doch die Eigentümerin Tanja Constabel hat einen Verdacht: „Die Versicherung wollte von uns wissen, in welchen unserer Häuser Flüchtlinge wohnen. Sie haben uns nur für die Häuser gekündigt, in denen Asylbewerber leben.“ Das sind fünf Gebäude im südlichen Niedersachsen. Im April kündigte die Basler Versicherung einem Odenwalder Feriendorf, als Flüchtlinge einzogen.

In einem Fall nannte die Versicherung einen Grund: „Wir haben von der Unterbringung von Flüchtlingen im versicherten Objekt erfahren.“ Mit dieser „Nutzungsänderung“ sei eine Gefahrerhöhung verbunden. Das Thema Gebäudeversicherung erreicht auch die Kommunen, die die Unterbringung der Hilfesuchenden bezahlen. „Uns wurde berichtet, dass die Versicherer teilweise massiv auf die Prämien draufgeschlagen haben“, sagt Oliver Kramlage vom Städte- und Gemeindebund. 

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