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"Verbiegen lasse ich mich nicht"

Bisperode (roh). 60 Jahre ist er alt, weiße Haare, wachsame Augen und ein aufrechter Gang kennzeichnen Karl-Johann Stukenbrocks Erscheinung. Wenn er spricht, tut er das mit Bedacht, hin und wieder mit einem verschmitzten Lächeln, und wenn es brisant wird, auch mit einer Eloquenz, die auf eine 30-jährige Erfahrung als Landwirt basiert. Im Februar wurde Stukenbrock in sein Amt als Kreislandwirt eingeführt und er hatte seinen Kollegen und befreundeten Landwirten bereits vor der Wahl unmissverständlich klar gemacht: „Gerne stelle ich mich in den Dienst der Sache, aber verbiegen lasse ich mich nicht.“

veröffentlicht am 13.10.2009 um 15:15 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 20:41 Uhr

stukenbrock
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Bisperode (roh). 60 Jahre ist er alt, weiße Haare, wachsame Augen und ein aufrechter Gang kennzeichnen Karl-Johann Stukenbrocks Erscheinung. Wenn er spricht, tut er das mit Bedacht, hin und wieder mit einem verschmitzten Lächeln, und wenn es brisant wird, auch mit einer Eloquenz, die auf eine 30-jährige Erfahrung als Landwirt basiert. Im Februar wurde Stukenbrock in sein Amt als Kreislandwirt eingeführt und er hatte seinen Kollegen und befreundeten Landwirten bereits vor der Wahl unmissverständlich klar gemacht: „Gerne stelle ich mich in den Dienst der Sache, aber verbiegen lasse ich mich nicht.“ Als Kreislandwirt vertritt Stukenbrock nun die nächsten sechs Jahre – so lange währt eine Amtsperiode – die Interessen der heimischen Landwirte gegenüber Verwaltungen, Kommunen und Landesgremien. „Verbunden mit dem Amt ist zum Beispiel auch der Vorsitz im Grundstücksverkehrsausschuss“, sagt er und zählt noch eine Reihe weiterer Funktionen auf. Ihm sei aber bei allen anderen Aufgaben vor allem eines wichtig, betont der Bisperoder: „Ich möchte die Menschen über die Bedeutung der Landwirtschaft im ländlichen Raum informieren und an dieser Stelle für noch mehr Aufklärung sorgen.“ Und mit beinahe literarischem Pathos referiert der Kreislandwirt über die drei Säulen der Landwirtschaft: die Ernährung, nachwachsende Rohstoffe und den Erhalt einer einzigartigen Kulturlandschaft. Auch wenn er überzeugt vom europäischen Gedanken sei, so gebe es an den Vorschriften und Gesetzen, die aus Brüssel kommen, an dem Umgang mit regionalen Landwirten Kritik zu üben. „Einiges, was die EU vorschreibt mag zwar einen Gerechtigkeitsanspruch haben, und Kontrollen sind absolut notwendig, einiges jedoch ist nur wenig praktikabel und noch weniger effizient“, meint Stukenbrock und fügt die Krümmung der Gurke als ein Beispiel an. „Wir müssen unsere Produkte zertifizieren lassen, manchmal ist das ein unglaublich bürokratischer Aufwand.“ Von überbordender Bürokratie auch im Baurecht spricht er und vor allem von der Ungerechtigkeit bei der Dieselbesteuerung. „Unsere Kollegen in Frankreich tanken beispielsweise zu Heizölpreisen. In Deutschland sind Luft- und Schifffahrt von der Mineralölsteuer befreit, wir Landwirte nicht und das obwohl nur 10 Prozent unserer Fahrten auf öffentlichen Straßen stattfinden.“
 Wenn Landwirt Stukenbrock einmal Zeit findet, um sich zu entspannen, dann schnappt er sich ein Buch und liest. „Am liebsten sind mir Sachbücher, wie die von Scholl-Latour oder Bücher über bekannte Personen.“ Entspannung findet er zudem in seinem Garten, in dem ein kleiner Teich der Blickfang ist.
 Und: Der Urlaub mit seiner Frau hat schon beinahe Kultstatus. „Seit 20 Jahren fahren wir jedes Jahr in die Berge zum Skifahren“, sagt Stukenbrock und fügt an, dass er gemeinsam mit einigen befreundeten Landwirten aus dem benachbarten Ausland jedes Jahr eine kleine Bildungsreise macht. „Wir schauen uns jedes Mal eine andere Stadt in einem anderen Land an und lernen die unterschiedlichen Kulturen so besser kennen.“ Über die Kultur in der Landwirtschaft weiß Stukenbrock indes genau Bescheid. „Die Bedeutung der Landwirtschaft für die Gesellschaft hat in den letzten 100 Jahren immer mehr zugenommen“, meint er und erzählt, dass um 1900 ein Landwirt lediglich vier Personen ernährt hätte, während es 1950 bereits zehn Personen gewesen wären. „Heute ernährt ein Landwirt 143 Personen. Dafür sind nur noch zwei Prozent aller Erwerbstätigen in der Landwirtschaft tätig. 1950 waren es 24 Prozent und um 1900 sogar 38 Prozent.“ Bei diesen Details kommt der Kreislandwirt ins Schwärmen, erzählt von früher und wagt einen Blick in die Zukunft: „Mein Sohn wird einmal den Betrieb übernehmen. Ich hoffe, dass es uns in Europa bis dahin gelungen sein wird, die Bürokratie, da wo es geht, einzudämmen und gleiche Bedingungen für alle europäischen Landwirte zu schaffen.“

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