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Podiumsdiskussion mit Bürgermeister- und Spitzenkandidaten von gegenseitigem Respekt geprägt

Verbaler Schlagabtausch mit Streicheleinheiten

Coppenbrügge. Wer ist der bessere Bürgermeister für den Flecken Coppenbrügge? Amtsinhaber Hans-Ulrich Peschka (CDU) oder die Herausforderer Ute Fehn (SPD) und Klaus-Dieter Dohme (UWG)? Antworten auf diese und andere Fragen sollte gestern Abend die von Kerstin Hasewinkel (Dewezet) und Hagen Wolf (Radio Aktiv) moderierte Podiumsdiskussion im Felsenkeller geben. Unter den Aktiven an den Stehtischen ebenfalls dabei: Michael Huisgen (FDP) und Ludwig Krückeberg (Bündnis 90/Die Grünen).

veröffentlicht am 23.08.2011 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 12.01.2017 um 22:05 Uhr

Michael Huisgen (FDP), Hans-Ulrich Peschka (CDU), die Moderatoren Kerstin Hasewinkel und Hagen Wolf, Ute Fehn (SPD), Klaus-Diete
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Knapp 150 Zuhörer waren erwartungsfroh in das Ausflugslokal gekommen, um einen verbalen Schlagabtausch über die Themen Verschuldung, Gemeindefusion, Jugend, Tourismus und erneuerbare Energien zu erleben, doch die politischen Kontrahenten taten sich trotz hartnäckiger Nachfragen der Moderatorenwenig, sprachen sich oft ihren gegenseitigen Respekt aus. In einigen Bereichen, wie beispielsweise einer möglichen Fusion zwischen Coppenbrügge und Salzhemmendorf herrschte gar fraktionsübergreifende Einigkeit, dass sich beide Gemeinden aufeinander zu bewegen müssten. „Dazu aber bedarf es junger Leute in den Räten“, meine Dohme.

Unterschiedliche Auffassungen hingegen bei der Verschuldung. Während Peschka von einem Defizit per 31. Dezember 2010 in Höhe von 9,4 Millionen Euro berichtete, sattelte Ute Fehn noch sieben Millionen Kassenkredite oben drauf. „Das bedeutet eine pro-Kopf-Verschuldung von 2335 Euro und nicht, wie angegeben, 845 Euro“, betonte die Sozialdemokratin. Der Bürgermeister räumte diese Kredite zwar ein, „um beschlossene Sachen aus dem Konjunkturpaket für energetische Sanierungen anschieben zu können“, bezifferte sie jedoch mit 4,7 Millionen und betonte: „Im November werden wir sie auf 3,5 Millionen reduziert haben.“ Huisgen erklärte, dass allein die Freibad-Sanierung ein „großer Schluck aus der Pulle“ gewesen sei, stellte jedoch klar: „Wir haben noch genügend Sicherheiten.“ Bezüglich der Coppenbrügger Verschuldung sprach Dohme von einer „unverantwortlichen Höhe“ und „einem Fall für den Staatsanwalt“. Das allerdings brachte den Amtsinhaber in Rage. „Hätten wir die Chancen aus dem Konjunkturpaket nicht genutzt, wäre der ländliche Raum ausgeblutet, denn unsere Liegenschaften waren in einem desolaten Zustand“, sagte der CDU-Politiker unter Beifall der Zuhörer. Selbst Fehn räumte daraufhin ein: „Wir wären schlecht beraten gewesen, wenn wir den Kopf eingezogen hätten und die Pakete an uns vorbei geflogen wären.“ Sie forderte jedoch von Peschka, „dass ein Bürgermeister mit klaren Zahlen agiert“. Zudem gelte es, das Gewerbegebiet mit der Ansiedlung neuer Betriebe zu beleben, was sich jedoch aus Sicht des Bürgermeisters nicht zuletzt aufgrund gesetzlicher Vorgaben als nicht so einfach darstelle. „Wir stehen aber mit zwei Firmen in aussichtsreichen Verhandlungen“, betonte Peschka.

Krückeberg regte an, sich nicht nur wegen der Ansiedlung neuer Firmen, sondern auch wegen des Zuzuges junger Familien der Region Hannover zu öffnen. Der Grünen-Politiker sprach von einem Graben zwischen Springe und Coppenbrügge, den es zuzuschütten gelte. Peschka hielt dem entgegen, dass sich einiges ändern werde, wenn denn die Ortsumgehung komme, und kündigte dies für 2013 an. „Dann muss er orakeln können“, konterte Feh und betonte, dass wegen der Finanznot in Bund und Land niemand genau sagen könne, „wann diese Straße realisiert wird“. Die Sozialdemokratin forderte für Coppenbrügge einen Wirtschaftsförderer statt eines Eventmanagers.

Das von ihr propagierte Jugendhaus mit Unterstützung der Bertelsmann-Stiftung solle jedoch auch kommen, wenn sie nicht Bürgermeisterin und damit Peschka-Nachfolgerin werden sollte. „Ich gehe aber davon aus, dass ich gewählt werde“, gab sie sich selbstbewusst und bezeichnete das Projekt als „pädagogisch und präventiv“. Es solle einen zentralen Jugendraum beherbergen, „in dem auch Bands spielen und Discos stattfinden können“, dass von den Jugendlichen selbstverwaltet sowie aus einem Netzwerk von Kindergarten, Schule und Jugendpfleger bestehen solle. „Jede Idee, die Jugendarbeit voranbringt, ist gut“, entgegnete Peschka. Schob dann jedoch ein Aber hinterher: „Wir haben ein Netzwerk aus Kindergärten, Kirche, Vereinen und Feuerwehr – sie alle betreiben eine exzellente Arbeit.“ Eine Ansicht des Bürgermeisters, die auch von Dohme und Huisgen geteilt wird.

Kritik der Diskutierenden gab es am Tourismuskonzept, das Coppenbrügge zusammen mit Salzhemmendorf und Bad Münder über die GeTour in der Badestadt in Auftrag gegeben hat. „Aufwand und Ertrag müssen sich im Gemeindesäckel widerspiegeln, meinte Dohme. „Diese 7500 Euro sind gut angelegtes Geld“, verteidigte Peschka. Bezüglich des Campingplatzes und des Wohnmobilplatzes stehe die Gemeinde erst am Anfang. Auch seien die Wanderwege längst noch nicht fertig.

Ein Tipp für alle Interessenten: Radio Aktiv sendet die Podiumsdiskussion heute zwischen 11 und 13 Uhr in voller Länge.



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