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Eine Siedlung soll zum Energie-Vorzeigeprojekt werden – wenn die Bewohner das denn überhaupt wollen

„Und was kostet uns das alles?“

Coppenbrügge. Wärme vom Feld nebenan über Biogasanlage und Blockheizkraftwerk auf kurzem Wege direkt ins Haus – umweltfreundlich, nachwachsend und dazu noch kostensparend: Die vorgestellte Projektplanung zur energetischen Sanierung der Siedlung Heerburg sorgte in der letzten Ratssitzung für einhellige Begeisterung wie selten zuvor. Für die direkt betroffenen Hauseigentümer, denen es nicht nur ums warme Wohnzimmer, sondern auch ans Portemonnaie geht, blieb bei der ersten Informationsveranstaltung trotz deutlichem Interesse die erwartete Antwort auf die Kostenfrage („alles geht nun mal erst ums Geld“, sagte ein Besucher) für den einzelnen Anschluss an das Nahwärmenetz unbeantwortet. Geplant ist wie berichtet, das Angebot zentraler Wärmeversorgung auf Basis erneuerbarer Energie für alle, nicht wie bisher nur vereinzelte Grundstückseigentümer in der Siedlung Heerburg auszuweiten. Ein Erneuerbare- Energie-Projekt mit dem Zeug zu Pilot- und Vorzeigecharakter in Idealspur der Energiewende, sagen die Kooperationspartner Stadtwerke Weserbergland, Niedersächsische Landgesellschaft mbH (NLG), Klimaschutzagentur und Kommune. Möglich sei das Projekt durch weitere freie Kapazitäten der Biogasanlage der Ith-Gas-GmbH & Co KG, die auch bereits die innovative Bäderlandschaft, das Krankenhaus Lindenbrunn und den Campingplatz mit Wärme versorgt. Verbraucherkosten für das warme Wasser „direkt und umweltschonend nach Netzanschluss aus dem Rohr ins Privathaus“ von derzeit schon 20 Prozent unter dem Heizölpreis, berechneten Bürgermeister Hans-Ulrich Peschka und Helmut Feldkötter, Geschäftsführer der Stadtwerke. Dr. Heike Dierkes (NLG) und Tobias Timm (Klimaschutzagentur) stellten ein mit 90 Minuten zeitlich recht üppig gepacktes Rundumpaket zur Thematik energetische Sanierung vor – mit grundlegenden Empfehlungen zur Dämmung („plus-minus 20 000 Euro“), Dreifachverglasung sowie Hinweisen zur finanziellen Unterstützung durch KfW-Förderung, Kredite und Zuschüsse mit einem Zinssatz von einem Prozent für energieeffizientes Sanieren.

veröffentlicht am 19.03.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 16:41 Uhr

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Autor:

Ingrid Stenzel
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„Wir sind alle arme Rentner, da helfen bei fünfstelligen Kosten auch niedrige Zinsen nicht weiter“, betonte Heinrich Steins. „Alles gut und schön, viel Information, aber es ist nicht wirklich das dabei, was wir eigentlich wissen wollten“, stellten Lori Hemme, Werner Kühl und weitere Nachbarn aus der Heerburg Siedlung fest. Die Häuser aus den 70er und 80er Jahren seien längst gedämmt und mit neuen Fenstern ausgestattet worden. Das seien abgeschlossene Maßnahmen, die von den aktuellen Hauseigentümern veranlasst worden seien. Die Frage aller Fragen bleibe: „Was wird der Anschluss kosten – und wann wird es überhaupt umgesetzt werden können?“

„Wir stehen noch ganz am Anfang des Projektes“, erklärte Feldkötter. Deshalb könne man in diesem Planungsstadium noch keine konkrete Antwort auf diese Fragen geben. Als Voraussetzung für eine erste Wirtschaftlichkeitsberechnung würden zeitnah die Hausbesitzer angeschrieben, um das Interesse zu ermitteln. Danach würden mit Energieberatern vor Ort die Daten für den Rohranschluss erfasst. Erst im Anschluss daran könne der individuelle Festpreis ermittelt werden – je nach Anschlussleistung und Weglänge auf dem Privatgrundstück zur Haupttrasse. Und erst nach weiteren Beratungsgesprächen stehe dann die Entscheidung der Hauseigentümer für oder gegen den Anschluss an. Bei zehn Meter Rohrleitung inklusive Übergabestation und Wärmetauscher mit Regler müsse mit 3000 bis 4000 Euro netto gerechnet werden. Sollten sich allerdings zu wenige Hauseigentümer für einen Anschluss entscheiden, werde das Projekt aus Gründen der Wirtschaftlichkeit nicht umgesetzt, unterstrich Feldkötter. Schließlich würden die Stadtwerke in 1600 Meter Rohrleitungslänge für das komplette Siedlungsgebiet und ein zusätzliches Heizkraftwerk investieren. Sollte die Resonanz jedoch positiv sein, könnte noch in diesem Jahr mit dem ersten Bauabschnitt begonnen werden.

„Wir werden in Kürze alle Gebäudeeigentümer anschreiben und detailliert die offenen Fragen beantworten“, kündigte Peschka an. Außerdem würden die Stadtwerke Weserbergland ermitteln, welche Mindestteilnehmerzahl erforderlich ist, um das Projekt wirtschaftlich umzusetzen. Peschkas Fazit: „Eine sehr gute und gut besuchte Informationsveranstaltung.“ Die Fragen im Anschluss an die Vorträge hätten letztendlich auch dazu geführt, dass die Partner Klimaschutzagentur, NLG und Stadtwerke nun die Prioritäten des energetischen Konzeptes im Kontext mit den Interessen der Anwohner festlegen könnten.

Die Biogasanlage liegt in unmittelbarer Nähe zur Siedlung Heerburg.


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