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Umgang mit dem Friedhof kein Ruhmesblatt

Lauenstein (hen). Mit einer Tafel am ehemaligen Haus Spiegelberg an die Bedeutung der Familie und die dem Hannoverschen Landesmuseum gestiftete Kunstsammlung Georg Spiegelberg zu erinnern, hat der Hamelner Historiker Bernhard Gelderblom den Lauensteinern ans Herz gelegt. Der Ortsrat hat bereits in Aussicht gestellt, dieser Anregung nachzukommen – ebenso wie dem Appell, einen Hinweis am ehemaligen Friedhofsareal anzubringen.

veröffentlicht am 24.02.2010 um 14:55 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 12:41 Uhr

friedhof
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Lauenstein (hen). Mit einer Tafel am ehemaligen Haus Spiegelberg an die Bedeutung der Familie und die dem Hannoverschen Landesmuseum gestiftete Kunstsammlung Georg Spiegelberg zu erinnern, hat der Hamelner Historiker Bernhard Gelderblom den Lauensteinern ans Herz gelegt. Der Ortsrat hat bereits in Aussicht gestellt, dieser Anregung nachzukommen – ebenso wie dem Appell, einen Hinweis am ehemaligen Friedhofsareal anzubringen.
 Groß war die Betroffenheit der interessierten Einwohner in Lauenstein über die Ausführungen Gelderbloms, vor allem über seine Darstellungen, was mit dem jüdischen Friedhof geschehen ist. „Das jüdische Leben in Lauenstein kennt keine Beispiele für Antisemitismus, der sich gegen Menschen richtete und ist insofern glücklich verlaufen. Aber Mangels Menschen richtete sich der Judenhass der Nationalsozialisten dann gegen den Friedhof. Und die sehr unsensible Art, wie die Gemeinde nach dem Kriege mit dem Friedhof umging – die Juden mussten ihn zurück kaufen –, ist wahrlich kein Ruhmesblatt“, sagt Gelderblom.
 Laut Zeitzeugen wurde der Friedhof durch örtliche SA und SS 1938 in der sogenannten Pogromnacht zerstört. Zunächst sei die Zerstörung angeblich gar nicht aufgefallen, unter den älteren Einwohnern habe dann eine gewisse Empörung geherrscht, sagt Gelderblom. Die Grabsteine wurden anschließend vollständig vom Gelände entfernt. Der Flecken, der das Grundstück nach Kriegsbeginn gekauft hatte, verpachtete das Land an einen Privatmann als Wiese. 1952 strengte die jüdische Seite ein Rückerstattungsverfahren an; ein Gericht lehnte ab, weil der Kaufpreis des Grundstücks unter der Grenze lag, von der an zurückerstattet wurde und missachtete damit den ideellen Wert, den ein Friedhof für Menschen jüdischen Glaubens hat. Als 1972 der Flecken Lauenstein das Gebiet um den Friedhof als Baugebiet ausweisen wollte, verzichtete der Landesverband der jüdischen Gemeinden auf den alten Zugangsweg, weil dieser den Bebauungsplänen im Wege stand. Vergeblich erbat der Landesverband die Schenkung des kleinen Grundstücks. Für 3850 DM, den halben Richtwert für Bauland, musste der Landesverband den Friedhof schließlich 1984 zurückkaufen.
 Heute liegt das kleine Friedhofsgrundstück eingezwängt in der Wohnbebauung. Der zugesicherte Abstand der Häuser von 20 Metern ist teilweise nicht eingehalten. Der neu geschaffene Zugang erfolgt über eine enge, hässliche Betontreppe von der Straße „Am Knickbrink“ aus. Die alten Torpfeiler sind verschwunden. „Die Geschichte des Friedhofs gereicht Lauenstein nicht zur Ehre. Formaljuristisch hat sich die Gemeinde korrekt verhalten. Aber sie ignoriert die Zerstörung des Friedhofes durch Lauensteiner Bürger, den von NS-Behörden erzwungenen Verkauf zu einem sehr niedrigen Preis, die wiederholte Verweigerung der Rückgabe, die heutige durch die Bebauung verursachte ex-trem eingeengte Lage des Grundstücks und das Verschwinden der Torpfosten“, sagt Gelderblom, der die Suche nach den alten Grabsteinen und Torpfeilern sowie das Anbringen einer Gedenktafel sowie die Übernahme der Pflege eines Grundstücksteils dringend empfiehlt.



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