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Die Seniorenresidenz Maria Helena ist gerettet – doch hinter den Kulissen brodelt es

Tränen, Wut und viel böses Blut

Coppenbrügge. Drama mit Happy End zu Weihnachten? Für die 33 Bewohner der Seniorenresidenz Maria Helena trifft dies sicherlich zu. Wie berichtet, hat die Akazienhof GmbH die Einrichtung mit Wirkung vom 16. Dezember übernommen, doch der angekündigte fließende Übergang verlief alles andere als reibungslos – eher holprig, wie Geschäftsführer Stephan Geschinsky berichtet. Hinter den Kulissen wälzen derzeit Anwälte Aktenordner, es gibt diverse Anzeigen bei der Polizei und Klageverfahren wegen Veruntreuung, Zahlungsverzug sowie unrechtmäßiger Kündigung gegen das vorherige Betreiber-Ehepaar. Das sieht sich zu Unrecht an den Pranger gestellt, erhält nach eigenen Angaben Drohanrufe und fühlt sich selber als Opfer.

veröffentlicht am 20.12.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 23:41 Uhr

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Autor:

Matthias Aschmann und Ingrid Stenzel
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Die dramatische Entwicklung der letzten Wochen hat auf allen Seiten Spuren hinterlassen, Wunden geschlagen. Als am 1. Dezember die Heimleitung der Belegschaft die Schließung der Einrichtung und die sofortige „Abverlegung“ sämtlicher Bewohner ankündigte, die Belegschaft zwei Tage später die Kündigung aus „betriebsbedingten, außerordentlichen“ Gründen erhielt, kochten die Emotionen hoch – auch, weil gleichzeitig bereits 20 Heimbewohner nach Ronnenberg verlegt werden sollten. Das allerdings untersagte die Heimaufsicht, nach eigenen Angaben in letzter Sekunde.

Ursula Hasselwander, Vorsitzende des Heimbeirates, reagierte erschüttert. Von morgens bis abends, so berichtet sie, habe bei ihr tagelang das Telefon geklingelt, habe sie verzweifelte, weinende Angehörige in der Leitung gehabt. Die positive Eigendarstellung der Einrichtung vor sechs Wochen wertet Arnhild Weibke aus Herkensen im Nachgang als „Possentheater“, Aussagen als „Lug und Trug“. Ihr Vater ist in der Einrichtung untergebracht, von seinem Taschengeldkonto sollen 3000 Euro fehlen. Ihre Anzeige hat die Polizei Coppenbrügge aufgenommen. „Unmenschliches ist hier Realität gewesen“, schimpft Hasselwander. Wie könne ein nur halbwegs verantwortungsbewusster Mensch hilfsbedürftige Senioren kurz vor Weihnachten von heute auf morgen aus ihrem „Zuhause“ reißen?, fragt Karsten T. (Name von der Redaktion geändert), der als Pflegekraft im Einsatz ist, namentlich aber nicht genannt werden möchte. Er verweist auf Doppelschichten und Arbeitseinsätze von vier Wochen am Stück mit nur einem freien Wochenende. Man habe jedoch als Mitarbeiter nicht viel gezählt im Haus Maria Helena, behauptet er und erklärt, Löhne wiederholt erst verspätet erhalten zu haben. Außerdem würden noch Rechnungen offenstehen. Unter anderem warte die Heizungsbaufirma Oppermann noch auf die Begleichung einer Restzahlung in Höhe von 18 000 Euro für den Einbau einer neuen Heizungsanlage.

Inzwischen führt die Akazienhof GmbH Regie im Haus Maria Helena in der Niederstraße 4. Bis auf zwei Mitarbeiter aus der Tagespflege seien alle Beschäftigten übernommen worden, betont Geschinsky. Für die Bewohner habe sich nichts geändert. Als holprig bezeichnet er den Übergang, weil seine Vorgänger unter anderem die Rechner mit allen Daten mitgenommen hätten. Personal und Bewohner hätten neu erfasst werden müssen, außerdem seien seit sechs Wochen keine Gehälter und teilweise auch keine Sozialabgaben gezahlt worden, obwohl dies zugesichert worden sei. Der vorherige Geschäftsführer Guido Skarabis und Heimleiterin Dr. Justine-Maria-Helena Seifried wehren sich gegen die aus ihrer Sicht ungerechtfertigten Vorwürfe, sehen die Schuld für die Entwicklung beim Insolvenzverwalter und der Sparkasse Hannover, der die Immobilie gehört. Deren Einfluss geht auf die Insolvenz der Vorgängereinrichtung „Rosenaue“ zurück. „Wir hatten gar keine andere Wahl, weil uns das Geldinstitut quasi vor die Tür gesetzt hat“, so Skarabis. Man habe aus eigener Tasche eine Heizungsanlage für 120 000 Euro installieren lassen, habe viel privates Geld in die Einrichtung gesteckt und gehe nun mit Verlusten raus. Man habe die Immobilie kaufen wollen, ein Angebot unterbreitet, das nur unwesentlich unter den Vorstellungen der Sparkasse gelegen habe, berichtet Dr. Seifried. Alles sei gut gelaufen, bis das Geldinstitut sich entschlossen habe, das Angebot zu ignorieren und das Haus zu versteigern. Man sei quasi vor die Tür gesetzt worden, habe nur noch einen Pflegebetrieb, aber kein Haus mehr gehabt. „Wir haben am 23. Oktober von der Sparkasse die Aufforderung erhalten, uns aus der Immobilie zurückzuziehen“, erklärt Skarabis. Spätestens da hätte man eigentlich die Reißleine ziehen müssen, unterstreicht Skarabis. Man sei zum Spielball von Insolvenzverwalter und Geldinstitut geworden. Von Beginn an fehlten 70 000 Euro an Pflegegeldern, die ihnen gehörten, der Insolvenzverwalter jedoch einbehalten habe. Und dort lägen auch rund 8000 Euro, die von Taschengeldkonten der Bewohner eingezogen worden seien. Skarabis: „Wir sollen alles bezahlen, aber nichts erhalten – das sehen wir nicht ein.“ Das Geld für die Gehälter und die noch offenen Rechnungen solle man sich vom Insolvenzverwalter und vom eingesetzten Betreiber, einer Investmentfirma aus Berlin, holen, die ebenfalls nicht gezahlt habe. Man habe unter „kalter Zwangsverwaltung“ gestanden. Skcarabis bestätigt die massive Belastung der Mitarbeiter durch wochenlange Doppelschichten, wirft einem Teil der Belegschaft aber auch vor, den Betrieb „boykottiert“ zu haben. Dadurch sei ein Personalnotstand entstanden. Der Belegschaft sei die kritische Situation durchaus bekannt gewesen. Das Ergebnis sei bitter, aber die Schuld für die Entwicklung trügen andere.

Die Senioren-Residenz Maria Helena – dort führt jetzt die Akazienhof GmbH Regie.

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