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Wanderer beklagen „große Sauerei“

Tränen fließen: Weg zerstört

Coppenbrügge (ist). „Das ist eine der größten Sauereien, die mir in meiner langjährigen Wanderzeit begegnet ist!“ Richard Baumann (75) ist empört und fassungslos, steht dabei bis weit über die Knöchel im Matsch des historischen Bergmannsweges von Bad Münder bis Osterwald, während er noch so gerade eben seine Frau Dorle (72) fester fassen und vor einem unfreiwilligen Schlammbad bewahren kann. Ohne Gummistiefel geht nichts mehr auf knapp einem Kilometer östlich der Salzburg. „Das war bis zur letzten Woche ein hervorragend begehbarer, nicht aufgeschotterter Wanderweg, so wie Wanderer ihn lieben. Noch dazu mit Reitersperren und damit nur Wanderern vorbehalten.“ Und jetzt ist ausgerechnet das ihrer Meinung nach schönste Teilstück des insgesamt 21 Kilometer langen Pfades zerstört. Den Naturfreunden bietet sich eine bodenlose Matschwüstenei mit tiefen Spuren schweren Räumgerätes wie nach einem Panzermanöver. Der Weg ist mindestens doppelt so breit geworden, Reitersperren sind herausgerissen und achtlos beiseitegeworfen: So stellt sich das Szenario nach den Rückearbeiten der Forstverwaltung dar. Zeichen von Verantwortung sei das nicht, da sind sich die Baumanns einig. Die einzigartige Dreierkombination von Historie, Landschaft und Tourismus, Steuergeldern und fünf Jahre tagtäglich ehrenamtliche Arbeit seien im Dreck niedergemacht worden. 20 000 Euro Landkreis- und EU-Mittel in den Schlamm gewalzt. „Mit Entsetzen und Tränen in den Augen mussten wir die unglaubliche Zerstörung (…) des Wanderweges (…) feststellen“, schreibt das Salzhemmendorfer Ehepaar in einem Brief an die Gemeinden Salzhemmendorf und Coppenbrügge sowie an die niedersächsische Landwirtschaftsministerin Astrid Grotelüschen. Die hatte erst im Juni des Jahres den Bergmannsweg feierlich eingeweiht und dabei Friedrich Wilhelm Vespermann als „Vater“ und unermüdlichen Kümmerer des Bergmannspfades mit der Leibnizmedaille des Landes ausgezeichnet. „Wenn ich den Weg so sehe, kommen mir die Tränen“, sagt Vespermann. Das hätte so nicht sein müssen. Bei rechtzeitiger Information seitens der Forstverwaltung hätten zumindest die Reitersperren ordnungsgemäß abgebaut werden können; so wie das seines Wissens auch in dem Gestattungsvertrag zwischen Landesforst und Gemeinden verankert sei. Was für Coppenbrügge durch Bürgermeister Hans-Ulrich Peschka, für Salzhemmendorf vom zuständigen Fachbereichsleiter Clemens Pommerening bestätigt wird. Beide bedauern ausdrücklich, dass die Rückearbeiten, deren Notwendigkeit nicht bezweifelt werde, ohne vorherige Information erfolgt seien. Ohne Offenheit und gegenseitiges Einvernehmen werde die Erfüllung der vertraglichen Vereinbarungen zwischen Waldeigentümer (Forstverwaltung) und Unterhaltungs- sowie Sicherungspflichtigem (Gemeinden) kaum gelingen können, was in einem Schreiben aus dem Coppenbrügger Rathaus an Revierförster Helmut Welge zum Ausdruck gebracht wird. Welge, Verantwortlicher der Holzrückarbeiten, zeigt sich erstaunt über die Aufregung. Der Bergmannsweg sei in diesem Teilstück normaler Rückeweg, was auch vertraglich so festgelegt und von Beginn an allen Beteiligten klar gewesen sei. „Waldarbeiten müssen nun mal sein. Und wir werden auch die nächsten 14 Tage dort noch arbeiten und anschließend Weg sowie Reitersperren in Ordnung bringen.“

veröffentlicht am 12.11.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 22:41 Uhr

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Richard und Dorle Baumann sind sauer: Der Weg hat tiefe Furchen und ist voller Matsch, Reitersperren wurden einfach rausgerissen.Foto: ist

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