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Kleine Läden verschwinden zugunsten zentral gelegener Ketten

Tante Emma stirbt schon seit Jahren

Salzhemmendorf. Kleine Läden findet man in Salzhemmendorf und den umgebenden Dörfern nur noch selten. Viele davon haben schon seit Jahren geschlossen, einige schließen jetzt oder sehen für die Zukunft kaum noch Perspektive. Mit der sinkenden Einwohnerzahl und dem Verlust ehemals großer Arbeitgeber im Gemeindegebiet geht auch das Angebot im Versorgungsbereich kontinuierlich zurück. Einfach noch mal schnell etwas einkaufen, ein Einschreiben aufgeben oder Geld fürs Wochenende abheben – das ist nicht mehr überall möglich. Für viele Wünsche muss man kilometerweit fahren. Die Einwohner im Ostkreis mögen ihre Dörfer, bemängeln aber genau diesen fehlenden Service. Auch in anderen Ortschaften des Landkreises Hameln-Pyrmont beschweren sich Bürger über Einschränkungen in den Serviceleistungen.

veröffentlicht am 07.08.2015 um 17:54 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 08:41 Uhr

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Zahlreiche Ladenlokale stehen leer und die Eigentümer glauben schon nicht mehr an deren Vermietung, denn die Geschäfte liegen nicht an einer Durchfahrtsstraße oder in der Nähe einer Filiale der großen Einzelhandelsketten. Denn der Trend geht seit Jahren und nach wie vor zur Zentralisierung. An der ehemaligen Haupt- und Marktstraße im Kernort Salzhemmendorf findet sich kaum noch ein Gewerbe, dafür ziehen das Marktzentrum am Rathaus und die nahe gelegenen Handelsketten an der Ortsdurchfahrtsstraße die Kunden aus den umliegenden Ortschaften an.

Wo sollten sie auch sonst einkaufen. In den kleineren Gemeindeteilen haben die Einzelhändler teilweise schon vor Jahren ihr Geschäft geschlossen. Wo nicht mal mehr ein Tante- Emma-Laden die Stellung hält, versorgen Bäckerwagen oder Frischemobil die Bevölkerung mit einigen Waren des täglichen Bedarfs. Wer ein breiteres Angebot möchte, der sollte selbst mobil sein oder muss sich nach den Fahrtzeiten der Busverbindungen richten. Nahversorger bestehen, außer in Salzhemmendorf, nur noch in den Ortsteilen Lauenstein, Oldendorf, Wallensen und Osterwald. Der Verlust einer wohnortnahen Versorgung trifft vor allem ältere Bürger. Doch genau diese Bevölkerungsgruppe nimmt wiederum zu, was die Versorgungssituation in Zukunft noch schwieriger werden lässt.

Von aktuell 9300 wird die Einwohnerzahl des Fleckens Salzhemmendorfs nach Schätzungen des niedersächsischen Landesamts für Statistik bis 2030 auf 7400 schrumpfen. Diese Entwicklung bringt es mit sich, dass auch die Kaufkraft immer weiter absinkt. Bis zum Jahr 2021 könnte die Einzelhandelskaufkraft um 13 Prozent schrumpfen, schätzt die Industrie- und Handelskammer Hannover in ihrer Grundzentrenuntersuchung über Salzhemmendorf aus dem Jahr 2013. Je weniger Kaufkraft, desto weniger Geld können die Einwohner im Einzelhandel ausgeben. Im Jahr 2012 gab jeder Bürger in Salzhemmendorf laut dem CIMA Institut für Regionalwirtschaft im Schnitt 3340 Euro aus. Insgesamt flossen Salzhemmendorfs Einzelhändlern in dem Jahr 32,9 Millionen Euro zu. Waren des täglichen Bedarfs wie Lebensmittel oder Körperpflegeprodukte machen 85 Prozent des Umsatzes im Flecken aus. Schwieriger wird es bei anderen Dingen, wie Schuhen, Bekleidung, Elektronik, Möbeln oder Spielwaren. Obwohl es auch in diesen Bereichen teils kleinere Händler gibt, wandert die Kaufkraft hier größtenteils aus dem Flecken hinaus.

Neben einem Mangel an Geschäften, die Einkaufswillige in die Ortschaften locken und klar erkennbaren Lücken im Sortiment kritisiert die IHK die zunehmende „Vereinzelungstendenz“ bei den Angeboten. Wenn benachbarte Läden schließen, dann schwäche das gleichzeitig die Attraktivität der verbliebenen Geschäfte.

Zudem hat Salzhemmendorf eine negative Pendlerbilanz. 1600 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte blieben laut Angaben des niedersächsischen Landesamtes für Statistik 2012 in der Gemeinde, 835 Menschen pendelten zum Arbeiten ein und 2500 aus dem Gemeindegebiet hinaus. Wirtschaftliches Potenzial sieht die IHK eher im touristischen Bereich. Der Flecken punktet mit seiner Natur und als Naherholungsgebiet. Magnete wie die Ith-Sole-Therme und das Rastiland bringen Menschen von außerhalb in die Gemeinde.

Während aufgrund der sinkenden Einwohner- und Schülerzahlen schon die Grundschulen in Lauenstein und Wallen geschlossen werden mussten, ist die Gemeinde, was die ärztliche Versorgung angeht, noch gut aufgestellt: 80 Prozent der Einwohner erreichen einen Hausarzt innerhalb von einem Kilometer Entfernung.ms



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