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Anti-Gewalt-Training an der Schule Coppenbrügge / Insgesamt zwölf Stunden bei Spielen und Konfrontationsübungen

„Stopp zu sagen ist nichts Schlimmes, sondern hilft allen“

Coppenbrügge (ist). „Hör‘ auf… Aua… Bitte nicht treten…“: Sophie hält sich das schmerzende Handgelenk, Mohammad bietet der Bohrattacke seiner von einem Ellenbogen gequetschten Brille tapfer den Nasenrücken – Gordon und Niklas gehören nicht zu der XXXS-Zwergenabteilung der 3 b. Sie haben stattliche Muckis und die setzen sie ein, wenn der eine durch die fest ineinander verklammerten Mitschüler in den Kreis hinein, der andere hinaus will. Auf kollektives „Stopp“ wird die Gewalteinwirkung auf Null zurückgefahren und alle lachen.

veröffentlicht am 07.06.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 04:21 Uhr

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„Stopp“ zu sagen, wenn’s anfängt wehzutun oder eng zu werden, ist schwer – hat man doch auch in der Grundschule schnell seinen Stempel als Looser, Hosenschisser oder Außenseiter weg. Nach drei Tagen Anti-Gewalt-Training mit Alex und Alex in der Sporthalle wissen die Kinder aus der 3 b der Grundschule Coppenbrügge es jetzt besser: „Stopp zu sagen ist nichts Schlimmes, sondern hilft allen“, sagt Hikmet.

„Man muss sich vertrauen können, Rücksicht nehmen und sich gegenseitig akzeptieren“, ist die Erfahrung von Greta und Sophie nach diesen Tagen, „Freundschaft und Zusammenarbeit machen stark“, wissen Gordon und Alba, „da braucht man keine starken Muckis“.

Auf gegenseitiges Zuhören, Beschützen und Unterstützen komme es an, haben Janine, Emma, Gentiana, Lucas, Joann und Viktoria gelernt und verstanden. Wenn alle zusammenhalten, sei die Gruppe stark. Da fällt dann auch keiner vom imaginären Surfbrett in Seenot, und bei der „Reise nach Jerusalem“ nach Antigewaltreglement finden 23 Schüler auf sechs Stühlen Platz.

Und wenn irgendwann nur einer „Stopp“ ruft, reagieren alle mit Rücksicht und geben einander Selbstvertrauen: Da braucht’s keine Gewalt. Das kommt Sophies Handgelenk zugute, Mohammads Brille bleibt heil und wenn Dominik auf den Hintern fällt, wird nur ein kleines bisschen gelacht, weil’s ihm ja wehtut, aber doch witzig aussieht.

„Wir sind stolz auf euch! Ihr schafft das auch ohne Erwachsene!“ loben Alex Hagen, zertifizierter Anti-Gewalt- und Deeskalationstrainer und Sozialpädagoge wie Alexandra Paul von der EFES, Aktivierende Eltern- und Jugendhilfe, Hildesheim. „Eine Präventivmaßnahme“, erklärt Hagen, „mit der wir schon vielen Grundschulkindern gezeigt haben, dass sie ohne Gewalt stärker sind als mit!“

Jede Menge Spaß und Fröhlichkeit, aber auch Konzentration gab es über insgesamt zwölf Stunden bei Kampfesspielen, Kommunikations-, Konfrontations- und Entspannungsübungen sowie Provokationstests und anschließenden Gesprächen zur Sensibilisierung für Ursache und Wirkung sowie Vermeidung von Gewalt. Ein zweiter Kurs für die 3a wird sich anschließen. „Ein tolles Programm mit neuen Anregungen für unsere Arbeit sowohl zur Stärkung der Klassengemeinschaften als auch des Selbstbewusstseins der einzelnen Schüler“, sagt auch Beratungslehrerin Sigrid Jagusch begeistert.

23 Kinder auf 6 Stühlen: mit gegenseitiger Hilfe klappt‘s.

Foto: ist



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