weather-image
17°

Statt Verkehrsberuhigung gibt es Zoff im Ort

Dörpe (ist). Zerstochene Reifen und umgebogene Reflektoren am geparkten Anhänger, Entfernung von Sicherungskeilen unter den Rädern, schrille Hupproteste, private Videoüberwachung der Öffentlichkeit, Gespräche über-, statt miteinander in rüde drastischem Vokabular – die Selbsthilfe von Eckhardt Luchterhand, Dörper seit 2005, gegen seiner Meinung nach rücksichtsloses, vorschriftswidriges und folgenschweres Fahrverhalten mit überhöhter Geschwindigkeit auf der Dörper Straße (die Dewezet berichtete) trifft nicht nur bei Wilfried Lange als Alteingesessenem auf wenig Gegenliebe.

veröffentlicht am 15.04.2010 um 15:17 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 10:21 Uhr

dörpe
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Dörpe (ist). Zerstochene Reifen und umgebogene Reflektoren am geparkten Anhänger, Entfernung von Sicherungskeilen unter den Rädern, schrille Hupproteste, private Videoüberwachung der Öffentlichkeit, Gespräche über-, statt miteinander in rüde drastischem Vokabular – die Selbsthilfe von Eckhardt Luchterhand, Dörper seit 2005, gegen seiner Meinung nach rücksichtsloses, vorschriftswidriges und folgenschweres Fahrverhalten mit überhöhter Geschwindigkeit auf der Dörper Straße (die Dewezet berichtete) trifft nicht nur bei Wilfried Lange als Alteingesessenem auf wenig Gegenliebe. „Mit dem Verkehr leben wir schon seit hundert Jahren in durchaus harmonischer und friedlicher Nachbarschaft.“ Der bereits seit Monaten von Luchterhand direkt vor seinem Haus als „Erziehungsmittel“ mit Zwang zu vorschriftsmäßigem und rücksichtsvollem Fahren in der Hauptdurchgangsstraße geparkte Anhänger mit Überbreite sorge für alles andere als Verkehrsberuhigung, aber Zoff im Ort.
Die unvermeidlichen Bremsmanöver erhöhten sowohl Lärmpegel wie auch Gefahrensituationen. Das, so Lange, sei die Meinung des weitaus größten Teils der Einwohner, die im Vorbeifahren gern durch herzhaften Druck auf die Hupe bekräftigt wird. In der Tat klirrt seit Jahresbeginn im Luchterhand’schen Wohnzimmer tagtäglich nicht nur das Kristall in der Vitrine, wenn der Schwerlastverkehr vorbeidonnert, sondern Hupfanfaren verärgerter Dörper Autofahrer sorgen für Stressalarm pur mit wenig Pause.
 Luchterhand ist nicht der Mann für halbe Sachen und gern Einzelkämpfer bis in letzte Konsequenz. „Ich rüste auf“, so seine Kampfansage. Bereits seit Ende vergangenen Jahres filmt er per Videokamera am Fensterrahmen im Obergeschoss seines Hauses den Straßenverkehr mit Blickrichtung Coppenbrügge. „Eine zweite Kamera in Gegenrichtung wird demnächst installiert“, sagt er. Die Daten der Bildauswertung sammelt der Zuzügler in einer Exceldatei mit Angaben über Tag, Uhrzeit, Hupdauer und -frequenz, Kfz-Kennzeichen und Fahrzeugführer, unter anschließender Ermittlung und Hinzufügung der Telefonnummern. Damit werde er Anzeige erstatten, steht für ihn fest, greift die erste Liste und bringt sie eigenhändig zur Polizei Coppenbrügge. Denn die bisherigen Vorkommnisse seien „bei der Staatsgewalt bislang auf wenig Interesse gestoßen“, von der Polizei Coppenbrügge und Bad Münder erst gar nicht richtig verfolgt worden. „Dann muss ich mich eben selbst vor Lärm und Sachbeschädigung schützen“, so Luchterhand.
Die Dörper Gruppe um Wilfried Lange („das sind geschätzt mehr als 200 Personen“) äußert Zweifel, ob das Abstellen des Anhängers auf der Durchfahrtsstraße und die private Kameraüberwachung der Straße überhaupt rechtens seien. Was den Anhänger anbelange, so die Auskunft von Jörn Schedlitzki, Pressesprecher der Polizeiinspektion Hameln-Pyrmont/Holzminden, so sei dessen langfristiges Abstellen ohne Bewegung auf einer öffentlichen Straße in der Tat nicht zulässig. Die Videüberwachung öffentlicher Bereiche wie der Dörper Straße sei ein Eingriff in das Persönlichkeitsrecht und datenschutzrechtlich daher nur bedingt zugelassen.
Der Normalbürger verfüge grundsätzlich nicht über Videoanlagen mit den gesetzlich vorgeschriebenen Technikstandards und DIN-Normen, die Aufnahmen in einer gerichtlichen Auseinandersetzung erst beweiserheblich machen, erklärt Holger Volkmann, Mitarbeiter des Landesbeauftragten für den Datenschutz Niedersachsen, zuständig für die Bereiche Videoüberwachung im öffentlichen Bereich und Straßenverkehr, auf Nachfrage der Dewezet.
Nur Übersichtsaufnahmen ohne Kenntlichkeit von Kfz-Kennzeichen oder Gesichtern seien datenschutzrechtlich nicht relevant und dürften straflos vom Bürger gemacht werden. Das sei derzeit aktuell und wiederholt in Urteilen des Bundesverfassungsgerichtes bestätigt worden. „Der Privatbürger darf nicht hingehen und alles filmen, was sich auf der Straße abspielt, denn dann nimmt er nicht nur Gesetzesverstöße, sondern auch gesetzkonformes Verhalten auf. Und das ist rechtlich nicht in Ordnung“, sagt Volkmann.

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare