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Kunden verärgert: Ith-Sole-Therme nimmt Tickets nicht mehr an / Rechtlich nicht zu beanstanden

Sogar der Bürgermeister hat noch alte Karten

Salzhemmendorf (hen). Harald Grupe aus Salzhemmendorf ist verärgert – und mit ihm viele weitere Gäste der Ith-Sole-Therme. Sogar der Gemeindebürgermeister ist persönlich betroffen und findet das Vorgehen der Thermenleitung „nicht schön“. Das Bad nimmt alte Eintrittskarten nicht mehr entgegen. „Ich habe noch 20 Stück“, sagt der Salzhemmendorfer Grupe. Allerdings stammen sie teilweise aus dem Jahr 2004: „Da habe ich nicht drauf geachtet.“ Und auch andere Anrufer bei der Dewezet beklagen, dass ihre Eintrittskarten von der Therme nicht mehr angenommen werden: „Schließlich haben die ja auch mal Geld gekostet“, sagt eine Salzhemmendorferin, die namentlich nicht genannt werden will. Bürgermeister Martin Kempe, der selbst noch rund zehn Karten hatte, die nun ungültig geworden sind, kann die Vorgehensweise nicht verstehen, zumal es jahrelang eine andere gängige Praxis gegeben habe: „Ein solches Unternehmen sollte alles dafür tun, Kunden zu binden.“ Man hätte sich doch den Differenzbetrag zwischen altem Eintrittspreis und dem heute geltenden Tarif erstatten lassen können, meint Kempe. „Es gibt ja auch Leute, die von außerhalb kommen. Die kommen bestimmt nicht wieder. Ich hätte als Unternehmensführung jedenfalls anders entschieden.“ Auch die Gemeindeverwaltung hatte seinen Angaben zufolge noch alte Karten und Gutscheine, die zu bestimmten Anlässen verschenkt wurden und die nun vernichtet werden mussten.

veröffentlicht am 31.01.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 18:21 Uhr

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In den letzten Jahren hat die Therme „aus Kulanzgründen“ auch Karten, die älter als drei Jahre sind, gegen Zuzahlung akzeptiert. Mit dem 31.12.2011 ist diese Regelung nun ausgelaufen – was einige Stammgäste nicht akzeptieren wollen. Es sei schließlich kein Ablaufdatum auf den alten Karten verzeichnet gewesen, erst auf den neueren ist die Gültigkeitsdauer vermerkt. Eine Salzhemmendorferin bemängelt, nicht rechtzeitig darauf hingewiesen worden zu sein, dass die Karten ihre Gültigkeit verlieren würden. Vor Jahren seien die Tickets in großen Mengen beispielsweise von Vereinen vergünstigt eingekauft und anschließend aufgeteilt worden. „Doch wer beispielsweise krank war, konnte die Eintrittskarten gar nicht abbaden“, sagt die Salzhemmendorferin. Sie weiß sogar von einer Frau, die ihre Karten auf dem Parkplatz der Therme verschenken wollte – was ihr aber von der Geschäftsführung mit Hinweis auf das Hausrecht untersagt worden sei. Zu dem Zeitpunkt (vor Ablauf des vergangenen Jahres) waren die alten Karten bei Zahlung des Differenzbetrages zum neuen Eintritt noch akzeptiert worden.

Die Therme beruft sich auf rechtliche Hintergründe. In einem Brief an die Gäste heißt es: „Mit dem Gesetz zur Modernisierung des Schuldrechts vom 26. November 2001, das zum 1. Januar 2002 in Kraft getreten ist, ist die allgemeine gesetzlich festgeschriebene Regelverjährung auf drei Jahre festgesetzt worden (§195 BGB).“ Auf das Ende der eigenen „Kulanzregelung“ sei seit Frühjahr 2011 hingewiesen worden. „Ab Januar 2012 gilt: Eintrittskarten, die nicht anders gekennzeichnet sind (beispielsweise aus Sonderaktionen oder ähnlichem), haben eine generelle Gültigkeit von drei Jahren, beginnend mit dem 1.1. des Jahres, das auf den Kauf folgt. Eine Zuzahlung ist bis zum Ablauf der Gültigkeit nicht erforderlich.“ Was bei den Kunden offensichtlich auf Unverständnis stößt, ist juristisch in Ordnung. „Eine Befristung ist grundsätzlich möglich“, erklärt Julia Rehberg, Abteilung Recht/Finanzdienstleistungen von der Verbraucherzentrale Hamburg auf Anfrage. Kunde und Anbieter schließen einen Benutzungsvertrag, dessen Regelungen in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen festgehalten sind. „Selbst wenn es dort keine schriftliche Regelung gibt, würde sich der Vertrag an der gesetzlichen Regelung orientieren – und die beträgt drei Jahre. Eine verkürzte Frist beispielsweise von einem Jahr wäre unwirksam.“ Das Bad habe ein Interesse, dass bis zum Ablauf einer bestimmten Zeit die Leistung auch in Anspruch genommen wird, so die Verbraucherzentrale. Die Fachleute dort raten, bei entsprechenden Angeboten vorher genau zu überlegen, wie realistisch es ist, die erworbenen Karten tatsächlich auch benutzen zu können – im vorgegebenen Zeitraum.

Erst auf den neuen Eintrittskarten ist eine Gültigkeitsdauer vermerkt. Auf den alten Tickets (o.) fehlt der Hinweis.

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Foto: hen



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