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Verbrechen in Dörpe: Vorbestrafter wollte Vermieterin töten / Kommt er in zweieinhalb Jahren frei?

Sechs Jahre Haft für versuchten Totschlag

Coppenbrügge (ube). Wegen versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung hat die 13. Große Strafkammer des Landgerichts Hannover den 48-jährigen Michael T. aus Dörpe zu sechs Jahren Haft verurteilt. Die fünf Richter ordneten zudem die Unterbringung des Mannes in einer Entziehungsanstalt an. Das Gericht unter Vorsitz von Wolfgang Rosenbusch sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte am 2. Februar versucht hat, seine Vermieterin (67) in einem Haus an der Dörper Straße umzubringen.

veröffentlicht am 26.07.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 06:21 Uhr

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Die Polizei hatte seinerzeit mitgeteilt, die Frau sei Opfer einer brutal ausgeführten Gewalttat geworden. Der Untermieter habe sie geschlagen und getreten und zudem versucht, sie eine Treppe hinunterzuwerfen. Polizeibeamte, die der Schwerverletzten zu Hilfe geeilt waren, hätten mit ihrem Eingreifen womöglich den Tod der 67-Jährigen verhindert, hieß es am Tattag.

Die Frau sagte später während ihrer polizeilichen Vernehmung, Michael T. habe sie vor der Attacke mit den Worten: „Ich bringe dich um“ bedroht. In der Hauptverhandlung hatte sich die Frau wegen ihres „schlechten Allgemeinzustands“, der nichts mit dem Verbrechen zu tun haben soll, nicht äußern können. Laut Attest ist sie schwer krank und nicht vernehmungsfähig. Ungeklärt bleibt, ob der Angeklagte die Seniorin wirklich in die Tiefe werfen wollte.

Das Urteil ist bereits rechtskräftig. Für Michael T. könnte es eine Chance für einen Neuanfang sein. Nur ein Jahr wird er hinter Gittern sitzen. Mehr als fünf Monate Untersuchungshaft werden angerechnet. Nach dem kurzen Gefängnisaufenthalt muss der Alkoholkranke zwei Jahre in einer Entziehungsanstalt verbringen. Danach könnte er bereits entlassen werden. „Das ist zumindest theoretisch möglich“, erklärt Dr. Patrick Gerberding, Richter am Landgericht Hannover. „Das Gesetz sieht vor, dass eine Freiheitsstrafe nach Verbüßung der Hälfte der Haftzeit zur Bewährung ausgesetzt werden kann.“ Diese sogenannte Halbstrafe sei jedoch an bestimmte Bedingungen wie zum Beispiel gute Führung und an eine positive Sozialprognose geknüpft. Bevor Michael T. aus der Anstalt entlassen wird, müsse zunächst einmal eine Gefahrenprognose gestellt werden. Erst dann werde entschieden, sagt der Gerichtssprecher.

Aus der Sicht von T.s Verteidiger Karl Wiegand-Behmann ist das Strafmaß „moderat“ ausgefallen, schließlich sei sein Mandant „wegen diverser Gewalttaten erheblich vorbelastet“. Deshalb hat der Anwalt keine Rechtsmittel eingelegt.

Der 48-Jährige habe ein „massives Alkoholproblem“. „Wenn er getrunken hat, neigt er zu Gewalttätigkeiten, ist er nüchtern, könnte man ihn als einen netten Kerl bezeichnen“, meint Wiegand-Behmann. Schon einmal habe der Mann eine Therapie gemacht. Zunächst mit Erfolg. Er sei dann aber rückfällig geworden, berichtet der Strafverteidiger. Zur Tatzeit hatte der Angeklagte mehr als 3,5 Promille Alkohol im Blut. Ein psychiatrischer Gutachter kam zu dem Schluss, Michael T. sei zur Tatzeit „vermindert schuldfähig“ gewesen.

Der Dörper ist bereits vor der Gewalttat mehrfach polizeilich in Erscheinung getreten. Unter anderem soll er zu einer zweimonatigen Haftstrafe wegen Körperverletzung verurteilt worden sein. Er befand sich erst seit August 2011 wieder in Freiheit.

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