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Schwarzstörche ziehen im Osterwald fünf Junge auf

DÖRPE. Friedrich Wilhelm Vespermann traute seinen Augen kaum, als er bei einem Spaziergang durch die Feldmark einen Schwarzstorch entdeckte, der sich offensichtlich auf Nahrungssuche befand. Der Dörper versuchte, den „Glückstreffer“ mit seiner Kamera so nahe wie möglich heranzuholen. Es ist ihm gelungen.

veröffentlicht am 20.08.2017 um 19:02 Uhr
aktualisiert am 21.08.2017 um 08:20 Uhr

Sehr scheu und nur schwer zu fotografieren: Schwarzstörche. Friedrich Wilhelm Vespermann, der diesen Schwarzstorch in der Feldmark von Dörpe gesichtet hatte, ist dieses Kunststück gelungen. Foto: Vespermann
Stolte Christiane

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Christiane Stolte Reporterin
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„Das war nicht einfach, denn der scheue Vogel hat mich sofort bemerkt und ist weggeflogen“, erzählt Vespermann. Seine Freude über das seltene Erlebnis möchte er gern mit anderen Leuten teilen. Der 74-Jährige hat sich deshalb an die Dewezet gewandt und um Berichterstattung gebeten.

Um die scheuen Schwarzstörche zu schützen, wird der genaue Ort des Horstes natürlich nicht verraten. Nur so viel: „Er befindet sich im Gebiet des Osterwaldes“, betont Förster Heiko Brede. In dem Gebiet gibt es sogar zwei Horste, denn gesichtet wurden zwei Schwarzstorchpaare, die insgesamt fünf Junge aufgezogen haben – das eine Paar drei, das andere Paar zwei. Mittlerweile sind die Jungen aber längst flügge. Bald werden sie wie ihre Eltern in den Süden ziehen. „Wenn ihnen unterwegs nichts passiert, ist davon auszugehen, dass sie nächstes Jahr wiederkommen und höchstwahrscheinlich auch wieder ihre alten Horste beziehen werden“, so der Förster. Einen Schwarzstorch zu entdecken, sei tatsächlich immer noch ein seltenes Erlebnis. Im Landkreis Hameln-Pyrmont gebe es nämlich nur drei Brutpaare. Im gesamten Gebiet von Niedersachsen seien 60 Paare registriert worden. Das sei zwar immer noch eine ziemlich geringe Zahl, aber: „Im Vergleich zu den Vorjahren ist sie stabil“, so Brede.

Dass Schwarzstörche sich in der Region wieder heimisch fühlen, sei sehr zu begrüßen. „Wir wollen hoffen, dass es mit der Population weiter bergauf geht“, betont denn auch Günter Blötz. Der Vorsitzende der Nabu-Ortsgruppe Coppenbrügge/Salzhemmendorf hat die Schwarzstörche aus dem Gebiet Osterwald auch regelmäßig gesichtet, und zwar bei ihrem Flug über Brünnighausen und Dörpe.

Jahrhundertelang war der Schwarzstorch vom Menschen verfolgt und gejagt worden. Denn anders als der Weißstorch, der als Glücksbringer galt, wurde der Schwarzstorch als Unglücksbote verteufelt. Besonders im Mittelalter galt er als böses Omen, das Tod und Unglück über die Menschen bringt. Der Aberglaube hielt sich hartnäckig, und lange Zeit wurde „Ciconia nigra“ abgeschlachtet. Irgendwann war es dann nicht mehr der Aberglaube, der dem Storch zu schaffen machte, sondern die Habgier der Menschen. Sie hielten den Schwarzstorch für „fischereifeindlich“ und machten wieder Jagd auf ihn. Als sich dieser Unsinn dann weitgehend legte, kehrte der Schwarzgefiederte langsam wieder zurück in die Wälder. Ein Paradies fand er dort jedoch nicht vor, denn die Trockenlegung von Feuchtgebieten und die Intensivierung der Landschaft machten ihm zu schaffen; seine Bestände dezimierten sich erneut.

Aus dem Unglücksboten von damals wurde nun ein stark gefährdeter Vogel, der unter Artenschutz gestellt wurde. Durch die Renaturierung der Wälder findet der überaus scheue Schreitvogel langsam wieder bessere Lebensbedingungen vor. Im Gegensatz zu seinem weißen „Vetter“, der unter anderem Hausdächer oder Schornsteine als Brutplatz wählt, meidet der Schwarzstorch den Menschen und baut seinen Horst im Verborgenen. Durch die niedersächsischen Landesforsten wurde der Schwarzstorch zu einer Leitart des europäischen Artenschutzprojektes Countdown 2010 erklärt. Laut Naturschutz hat er „Horstschutz“. Das heißt, es ist verboten, sich in der Nähe des Horstes aufhalten.

Nun haben die Störche eine lange Reise in den Süden vor sich. Bleibt zu hoffen, dass sie im nächsten Frühjahr gesund zurückkehren, damit ihre Population weiter ansteigt und der Schwarzstorch im Weserbergland wieder heimisch wird.



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