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Landtagsabgeordneter Dr. von Danwitz stellt in Salzhemmendorf aktuelle Pläne zur Oberschule vor

Schulpolitik prägt den Blick aufs neue Jahr

Salzhemmendorf (hen). Zwischen wohnortnaher Versorgung und Qualität liegt der Spagat, der in der Schulpolitik zu leisten ist – das Statement des Gastreferenten beim Neujahrsempfang des CDU-Gemeindeverbandes Salzhemmendorf zur Oberschule beschreibt auch das Kernproblem der aktuellen Diskussion über die Zukunft der Schulstandorte im Flecken.

veröffentlicht am 30.01.2011 um 17:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 18:21 Uhr

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Bevor Dr. Karl-Ludwig von Danwitz, schulpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Niedersächsischen Landtag, die Pläne der Landesregierung für die neue Schulform vorstellte, appellierte Eckhard Füllberg, Vorsitzender des CDU-Gemeindeverbandes und stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU im Gemeinderat, sich bei der Debatte um die anstehenden Schulschließungen im Gemeindegebiet weiterhin sachlich auseinanderzusetzen. Zwar könne er den Unmut betroffener Eltern verstehen; die Kommunalpolitiker seien aber gewählt, um Verantwortung für das Gemeinwohl aller Kinder zu übernehmen, sagte er vor rund 80 Gästen im Lauensteiner Parkcafé, darunter Bürgermeister Martin Kempe und der heimische Landtagsabgeordnete Otto Deppmeyer.

Der Rat habe es sich bei der Entwicklung des Schulkonzepts nicht leicht gemacht. Nach Vorlage aller Stellungnahmen von Beteiligten und Betroffenen müsse nun „mit Kompetenz und Herzblut diskutiert“ werden. Sehr verärgert zeigte sich der Oldendorfer Ortsbürgermeister über den Vorwurf von Eltern in einer der jüngsten Ratssitzungen, in diesem Gremium würden nur „alte Säcke“ sitzen. „Wer weiß, mit wie viel persönlichem Einsatz, Zeitaufwand und Engagement die überwiegende Mehrheit der Ratsmitglieder arbeitet, kann eine solche Herabwürdigung nicht hinnehmen“, sagte Füllberg: „Ich bin 62 Jahre alt – bin ich ein alter Sack?“ Und: „Reichen die vier Kinder, die ich mit meiner Frau ordentlich erzogen habe?“

Auch Dr. Karl-Ludwig von Danwitz bekannte, von seiner Seite aus alles gegen den demografischen Wandel getan zu haben, als Vater von sechs Kindern – was ihm spontanen Applaus der Zuhörer bescherte. Ganz ernsthaft verwies der Landtagsabgeordnete dann darauf, dass die künftig dramatisch zurückgehenden Schülerzahlen neues Denken erforderten: Im Durchschnitt seien es 20 Prozent, „in manchen Regionen gehen die Schülerzahlen in den nächsten zehn Jahren sogar um 40 Prozent zurück“, sagte von Danwitz.

Die Oberschule sei eine Antwort auf sinkende Schülerzahlen; vor allem gebe es auch immer weniger Hauptschülern durch fehlende Akzeptanz dieser Schulform. Der 52 Jahre alte Landwirt aus Schneverdingen sagte: „Eltern wollen hohe Durchlässigkeit, Abituroption, mehr Ganztagsschulen, sozialpädagogische Unterstützung, kleiner Klassen – all dies kann die Oberschule leisten.“ Die Schulform, die in Teilen schon ab August an den Start gehen soll, biete auch mehr Spielraum für Schulträger, wohnortnahe Schulversorgung zu sichern. Die Oberschule könne mit oder ohne Gymnasialzweig angeboten werden – ein Gymnasium müsse aber auch weiterhin im Gebiet eines Landkreises oder einer kreisfreien Stadt „in zumutbarer Entfernung“ vorgehalten werden. Inhaltlich werde in der Regel ab Jahrgang 7 mindestens in den Kernfächern (Mathe, Deutsch, Englisch) kursdifferenziert gearbeitet.

„Alle Abschlüsse des SEK-I-Bereichs können abgelegt werden; die Klassenobergrenzen sollen bei 28 Schülern liegen“, sagte der schulpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, der sich beim Neujahrsempfang aber auch kritische Fragen aus den eigenen Reihen gefallen lassen musste. So sprach CDU-Ratsfrau Marita Schütte von einem unübersichtlichen Bildungssystem. Dass die Oberschule schon so schnell umgesetzt werden soll, hält sie für nicht praktikabel: „Ist das alles genau durchdacht?“, fragte sie. Der Appell des CDU-Ratsherrn und Lauensteiner Ortsbügermeisters Horst Wichmann, darauf hinzuwirken, dass die Bundesländer endlich eine einheitliche Schulpolitik haben, stieß beim Gastredner auf offene Ohren: Das sei auch Hauptthema des Niedersächsischen Kultusministers Dr. Bernd Althusmann, der mit Beginn des Jahres 2011 die Präsidentschaft der Kultusministerkonferenz übernommen hat.

Da der Fraktionschef im Rat Friedrich-Wilhelm Knust als Finanzexperte der CDU noch im Urlaub weilte, übernahm Füllberg dessen Part und blickte auf den neuen Haushalt des Fleckens mit einem strukturellen Defizit von 1,04 Millionen Euro. „Im Jahr vor der Krise waren wir kurz davor, einen ausgeglichenen Haushalt vorzulegen.“ Der Ruf nach einer Gemeindefinanzreform sei dringlich, doch fürchte er, dass er ungehört verhallen werde: „Die im Bund sitzen in der Sonne, und wir hier unten noch im Schatten“, meinte der Gemeindeverbandschef. Doch schließlich befinde man sich nicht in der Sendung „Wünsch dir was“, sondern bei „So isses“. Hätte er eine Glocke, so Füllberg schließlich, würde er den Kommunalwahlkampf einläuten. Eric Möhle, Vorsitzender der Jungen Union Coppenbrügge-Salzhemmendorf, versprach für die Nachwuchsorganisation, sich aktiv beteiligen zu wollen – auch mit drei Namen auf den Kandidatenlisten. Zur Diskussion um die Schulschließungen vor Ort sagte Möhle, er finde es gut, dass die Ratsmehrheit aus CDU, Grünen und Eckard Renziehausen-Philipps (FWS) „so gut und kostruktiv“ mit dem Thema umgehe. Wenn man allerdings davon träume, „einen Neubau für mehrere Millionen Euro“ zu errichten, solle sich die CDU besser raushalten.

Eckhard Füllberg (li.), Vorsitzender des CDU-Gemeindeverbandes und stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU im Gemeinderat, begrüßt Dr. Karl-Ludwig von Danwitz, schulpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Niedersächsischen Landtag, beim Neujahrsempfang.

Foto: Dana



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