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KGS-Chor verleiht Einweihung der Gedenktafel am Friedhof würdigen Rahmen

Schüler erinnern an Schicksale der Juden

Salzhemmendorf (hen). Ann-Christin Schröter und Katharina Brunkow halten sich an den Händen. Die beiden 14-Jährigen gehören zum Schulchor der KGS. „Hand in Hand gehen wir mit unserem Lied“ lautet eine Zeile aus einem jüdischen Lied zu Beginn der Feierstunde am jüdischen Friedhof; zum Abschluss singen alle gemeinsam den christlichen Kanon „Der Himmel geht über allen auf“. Versammelt haben sich Mitglieder der Kultusgemeinde Hameln als Vertreter des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden Niedersachsens und Ortspolitiker, um eine Gedenktafel für die ehemaligen jüdischen Mitbürger einzuweihen. Die Schüler der KGS verlesen die Namen der Opfer und erinnern an ihre Schicksale. Als die Deportationen im Dezember 1941 einsetzten, hatten viele Menschen jüdischen Glaubens ihre Geburts- und Wohnorte im Synagogenverband Salzhemmendorf bereits verlassen. Sie wurden aus anderen Orten Deutschlands deportiert, erinnert Bernhard Gelderblom. Seit Herbst 2009 hatte der Hamelner Historiker auf Einladung des Fleckens und der Ortsbürgermeister mit großer Resonanz vier Vorträge zum jüdischen Leben in den Orten Wallensen, Hemmendorf, Lauenstein und Salzhemmendorf gehalten. Gelderblom nennt den jüdischen Friedhof in Salzhemmendorf zwischen Limberger Weg und Felsenkellerweg einen „Schatz, den zu hüten sich lohnt“, weil dort so viele Steine noch erhalten seien. Viele andere jüdische Friedhöfe seien komplett vernichtet worden.

veröffentlicht am 16.06.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 08:41 Uhr

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Ann-Christin und Katharina ist anzumerken, dass sie der Anlass bewegt. „Schade, dass die jüdischen Friedhöfe zerstört wurden“, meinen die beiden Schülerinnen auf Nachfrage. Und Kea Glaß nennt das, was passiert ist, „eine Schande“. Die 14-Jährige hat sich intensiv mit der Verfolgung der Juden auseinandergesetzt, „ich habe auch viele Bücher gelesen“.

Karsten Appold, stellvertretender Ortsbürgermeister, hebt denn auch besonders hervor, dass die Salzhemmendorfer Schüler sich vor Ort mit dem Thema auseinandersetzen. Initiiert wurde die Tafel vom Ortsrat im Rahmen der „Ges(ch)ichtspunkte“, die im Flecken Salzhemmendorf bedeutungsvolle Standorte markieren sollen.

Sinn der Tafel, so Gelderblom, sei es, dass „die jüdische Geschichte wenigstens in der Erinnerung wieder Teil der Ortsgeschichte wird“. Die Kultusgemeinde Hameln wurde vertreten von der 2. Vorsitzenden Ludmilla Kogon, Sozialbetreuerin Ludmilla Doroschenko und Jakov Bondar. Er sprach das Kadisch, das jüdische Totengebet, „das denen gewidmet ist, die es selbst nicht mehr sprechen können“, so Bondar.

Die älteste Nachricht über Juden in Salzhemmendorf stammt laut Gelderblom aus dem Jahre 1686: „Vor allem im 19. Jahrhundert war das jüdische Leben im Flecken mit zeitweise sechs Familien recht bedeutsam.“ Hier befanden sich Synagoge und Schule des Synagogenverbandes Salzhemmendorf, zu dem sich die Juden der Orte Lauenstein, Hemmendorf, Wallensen und Duingen zusammengeschlossen hatten. Das Zusammenleben von Christen und Juden war über einen langen Zeitraum gutnachbarschaftlich. Das 250 Jahre dauernde jüdische Leben in Salzhemmendorf endete gewaltsam in der Zeit des Nationalsozialismus. Die Namen der Deportierten aus den Orten des Synagogenverbandes Salzhemmendorf: Hulda Bienheim, geborene Grunsfeld, Jeanette Binheim, Martha Binheim, Oskar Binheim, Anna Grünberg, geb. Bienheim, Henny Knurr, geborene Bienheim, Sofie Blank, Margarete Catzenstein, Selma Grüneberg, geb. Zeckendorf, Else Nonne, geb. Catzenstein, Klara Plaut, Frieda Zeckendorf, geb. Grüneberg, Hannelore Zeckendorf, Karl Zeckendorf, Margarete Zeckendorf, Thekla Zeckendorf, Ida Blank, Ella Alexander, geb. Rosenstern, Erich Rosenstern.



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