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Schöffengericht schöpft Strafmaß aus: Vier Jahre wegen Kindesmissbrauchs

Hameln/Bäntorf (ube). Vier Jahren Haft, lautet das Urteil für einen 43-jährigen Familienvater. Die Staatsanwaltschaft Hannover hatte den ehemaligen Bäntorfer wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern und Besitzes von kinder- und jugendpornografischen Schriften angeklagt. Das Jugendschöffen Gericht in Hameln verhängte die höchste Strafe, die es Kraft Strafgewalt verkünden kann.

veröffentlicht am 17.01.2012 um 18:18 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 19:41 Uhr

Hamelner Amtsgericht.
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Die Chronologie des Prozesstages:

9 Uhr:
Der Prozess im Hamelner Amtsgericht vor dem Jugendschöffengericht gegen einen 43-jährigen Familienvater beginnt. Die Anklage der Staatsanwaltschaft Hannover lautet: schwerer sexueller Missbrauch eines Kindes und Besitz von kinder- und jugendpornografischen Schriften.

Als erstes wurden die beiden Anklageschriften verlesen, dann der Angeklagte selbst dazu befragt. Dieser nahm nicht Gebrauch von seinem Recht, seine Aussage zu verweigern, sondern beantwortete die Fragen der Juristen bereitwillig. Allerdings bestreitet der Mann, sich an drei Mädchen vergangen zu haben, wie es ihm vorgeworfen wird. Zwar räumt er ein, in seiner Gartenlaube häufiger Partiys organisiert zu haben für Jugendliche. Doch sei er selbst nur ab und an vor Ort gewesen, um nach dem Rechten zu schauen. Der Familienvater sieht sich selbst vielmehr als Opfer und meint, es handele sich bei den Vorwürfen um einen "Racheakt" von den Jugendlichen, die er aufgrund ihres Alkoholkonsums von seiner Party verwiesen hat.

Bezüglch der Anklage, pornografische Dateien zu besitzen beziehungsweise besessen zu haben, versicherte der 43-Jährige, nicht zu wissen, wie die Dateien auf seinen Computer gelangt seien. Bei der Auswertung der sichergestellten Computerfestplatten hatten Ermittler in einem Ordner für temporäre Dateien 26 Dateien mit kinder- und jugendpornografischen Fotos entdeckt. Der Familienvater sagte aus, die Festplatte jemandem abgekauft zu haben.

10.40 Uhr:
Eine Zeugin wird befragt. Der Anwalt des Opfers, Roman von Alvensleben, hat beantragt, die Öffentlichkeit zum Schutz der Jugendlichen hierbei auszuschließen. Obwohl der Verteidiger keine Veranlassung dazu sah, hat das Gericht diesem Antrag stattgegeben. Die Hauptbealstungszeugin - das junge Mädchen, mit dem der Angeklagte im Alter von 13 Jahren Geschlechtsverkehr vollzogen haben soll - hat den Mann nach Angaben der Verteidigung belastet und ihre Aussagen wiederholt. Die heute 16-Jährige war unter Ausschluss der Öffentlichkeit vernommen worden.

Eine heute 17-jährige Schülerin berichtete dem Gericht, der Angeklagte habe ihr und einer Freundin mehrfach Stringtangas geschenkt. Auch habe er Fotos von ihr im Tanga gemacht. Dabei sei er mit dem Finger unter den Slip gefahren und habe sie im Schritt berührt. Angeblich, um den Sitz des Tangas zu korrigieren. Für sie sei das schon komisch gewesen, aber sie habe nichts gesagt.

14.10 Uhr:
Eine weitere Minderjährige wird als Zeugin vernommen - ebenfalls unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Der Verteidiger des Angeklagten hat bereits angekündigt, Beweisanträge zu stellen. So bleibt unklar, ob der Prozess heute mit einem Urtail zu Ende geht.

Die Verhandlung im Hamelner Amtsgericht ist gut besucht, auffällig viele junge Leute nehmen an dem Prozess als Zuhörer teil.

16 Uhr:
Das Gericht hat in der Zwischenzeit weitere Zeugen vernommen.
Eine Schülerin bestätigt Aussagen, wonach es zu Strip-Poker gekommen ist und wonach der Angeklagte Nackfotos minderjähriger Mädchen gemacht habe. Drei Zeugen sind auf besonderen Wunsch der Verteidigung zu Vernehmungsmethoden der Polizei vernommen worden.
Der Verteidiger hat weitere Zeugen genannt, die er hören möchte. Darunter die Ehefrau des Angeklagten, die sich mit zwei kleinen Kindern in Langenhagen aufhalten soll. Das Gericht berät zur Stunde, ob beziehungsweise welche dieser Zeugen befragt werden sollen. Würde die Ehefrau angehört, müsste sie mit einem Streifenwagen der Polizei nach Hameln gebracht werden. Der Verteidiger des Angeklagten schreibt derzeit an einem Beweisantrag, den er um 16.05 Uhr dem Gericht vorlegen will. Der Vorsitzende des Jugendschöffengerichts hat angekündigt, sich ausreichend Zeit nehmen zu wollen für die Vernehmung von Zeugen, gleichwohl aber angedeutet, er wolle das Verfahren nach Möglichkeit heute noch abschließen. Der Richter: „Ich habe bis 22 Uhr Zeit.“

18 Uhr:
Nach neun Stunden Prozess laufen die Verhandlungen noch immer. Weitere Zeugen werden noch befragt und der Verteidiger hat bereits angekündigt, einen Beweisantrag zu stellen.

19.15 Uhr:
Nach der zehnten Verhandlungsstunde, hat das Gericht den Antrag der Verteidigung von einem Psychiater, ein Glaubwürdigkeitsgutachten erstellen zu lassen, abgelehnt.
Der vorsitzende Richter kündigt an, noch am Abend ein Urteil verkünden zu wollen. In Kürze werden die Plädoyers des Staatsanwalts, des Nebenklage-Vertreters und des Verteidigers erwartet. Wie lange sich der Prozess hinziehen wird, kann zur Stunde noch niemand sagen.

20.20 Uhr:
Gleich ist Urteilsverkündung: Der Staatsanwalt hat fünf Jahre Haft gefordert, die Verteidigung Freispruch.

20.30 Uhr:
Das Schöffengericht verkündet die höchste Strafe, die es Kraft seiner Strafgewalt verhängen kann: Vier Jahre Haft.



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