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Ein ganzer Katalog von Gründen für die Kostensteigerung bei der KGS Salzhemmendorf

Sanierung wird teurer

SALZHEMMENDORF. Bittere Nachricht: Die Erneuerung der Fassade des Altbaus der Schule am Kanstein wird um 880 000 Euro teurer als ursprünglich im Haushalt eingeplant und soll am Ende 7,54 Millionen Euro kosten. Weil der Landkreis aus dem Niedersächsischen Kommunalförderungsgesetz aber 3,9 Millionen erhalten hat, die komplett in diese Sanierungsmaßnahme fließen, wird der Kreishaushalt nur mit rund 3,88 Millionen belastet.

veröffentlicht am 01.06.2017 um 16:33 Uhr
aktualisiert am 01.06.2017 um 18:20 Uhr

So soll die Westansicht der KGS in Salzhemmendorf künftig aussehen. Die jetzt noch von Rot dominierte Farbe der Fassade wird in ein Antrazit-Grau verändert. Grafik: Matthias Weßling Architekt
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Wolfhard F. Truchseß Reporter
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Maren Seligmann, die neue Leiterin des Kreisbauamtes, seit neuestem „Facility Management“ genannt, hatte bei ihrem ersten Auftritt im Kreisbauausschuss einen guten Start: Alle Vorlagen, die in ihrer Abteilung erarbeitet worden waren, wurden am Mittwoch einstimmig verabschiedet und damit an den nächsten Ausschuss weitergeleitet.

Der größte Brocken auf der Tagesordnung war der Punkt „Erneuerung der Fassade des Altbaus der Schule am Kanstein“. Insbesondere ging es dabei um die Genehmigung der Entwurfsplanung und die Festsetzung des Kostenrahmens auf Grundlage der Entwurfsplanung.

Die Ursachen für die Kostensteigerung bei der Fassadensanierung der Schule am am Kanstein sind vielfältiger Art, wie die seit dem 1. April amtierende Fachfrau den Ausschussmitgliedern erläuterte.

Weil bei dem Mitte der 1970er Jahre errichteten Bau das gesundheitsschädliche Asbest verwendet wurde, muss fast die Hälfte der auf 45 Monate kalkulierten Bauzeit allein für die Entfernung und fachgerechte Entsorgung dieses Schadstoffs verwendet werden, der sich in der alten Fassade befindet. So wird aus der Sanierung des Altbaues einerseits eine energetische Sanierung, denn mit der neuen Fassade soll der Energiebedarf deutlich gesenkt werden.

„Im Augenblick heizen wir wegen der nur fünf Zentimeter starken Styropordämmung ins Freie hinaus“, erläuterte einer der Mitarbeiter von Maren Seligmann die aktuelle Situation. Mit der neuen Fassade werde das abgestellt. Hartmut Binder (SPD) sorgte sich in der Diskussion vor allem, ob mit der neuen Fassade jahrzehntelanger Ärger mit diesen Bauelementen beendet werde und die Gewährleistung länger garantiert werde als sonst bei Bauvorhaben üblich. Diese Sorge allerdings konnten ihm die Mitarbeiter des Facility Managements nicht nehmen. „Wir werden nach der Verdingungsordnung Bau (VOB) ausschreiben“, wurde Binder erklärt. Das beinhalte in der Regel vier Jahre Gewährleistung.

„Wir werden diese Frist auf fünf Jahre verlängern“, hieß es weiter. Da aber die Fassade aus aneinandergeklammerten Fensterelementen mit senkrechten Lüftungsschächten bestehen werde, die industriell in einem Stück produziert würden, gehe die Verwaltung von der üblichen Lebensdauer eines Fensters aus. „Und die sollte schon bis zu 40 Jahren betragen“, meinte Maren Seligmann.

Zu den Elementen, welche die Sanierung des Altbaus verteuern, gehört unter anderem auch die Neukonzeptionierung der Belüftung der Schulräume. Das in der Vorentwurfsphase vorgesehene Lüftungskonzept aus wenigen zu öffnenden Fensterflügeln innerhalb der Fassade und motorisch unterstützter Luftumwälzung habe sich im Zuge der anschließenden Planungen aufgrund des hohen Energieverbrauchs und der kostenintensiven Wartungsarbeiten als unzweckmäßig erwiesen. Auch ein alternativ untersuchtes Konzept der dezentralen Lüftung mittels Standlüftern in allen betroffenen Klassenräumen an der Innenseite sei aufgrund der damit gemachten Erfahrungen an einer Schule im Landkreis Kassel verworfen worden. So werde die jetzt geplante Belüftung zwar teurer kommen, auf Dauer aber im Betrieb den Landkreis weniger Geld kosten. Abgängig sind auch die alten Raumheizflächen – die Wärmeverteilung muss komplett neu verlegt werden.

Zur Kostensteigerung beigetragen habe auch die Hinzuziehung eines Fassadenexperten, der im Verlauf der Planungen gleich auf mehrere Schwachstellen hingewiesen habe, die dazu geführt hätten, dass die Glasqualität habe erhöht werden müssen. Auch sei aufgrund der Empfehlung des Fachmannes eine teurere Beschichtung der Metallbauteile in den Fassaden gewählt worden, um sicherzustellen, dass die Farbe nicht schon nach fünf Jahren verblassen würde.

Es ist ein ganzer Katalog, den Maren Seligmann aufführte, um die Verteuerung der Sanierungsmaßnahme zu begründen. So müssen zum Beispiel die Container, die für die Aufrechterhaltung des Unterrichts angemietet werden, länger genutzt werden als ursprünglich geplant, was die Mietkosten von 187 400 Euro auf 240 000 Euro steigen lässt. Ein weiterer Kostenfaktor seien zusätzliche Abfangkonstruktionen im Fassadenüberhang im Erdgeschoss, weil die Statik des Altbaus stabilisiert werden müsse. Teurer wird auch die Einrichtung der Großbaustelle. Mehr Geld muss auch eingeplant werden, weil die alte Elektroversorgung nicht mehr genutzt werden kann.

Die Frage, ob in der Abteilung von Maren Seligmann möglicherweise nicht genügend fachliche Kompetenz versammelt sei und der Landkreis selbst weitere Experten einstellen sollte, beschied der Erste Kreisrat Carsten Vetter negativ. „Einen Fachmann einstellen, den wir vielleicht nur alle zwei Jahre wirklich benötigen, macht keinen Sinn“, betonte Vetter. Für solche Fragen hole man sich besser die Expertise von draußen, weil es sich dabei um Fachleute handele, die auch mit den neuesten technischen Fragen vertraut seien.

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