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Renaturierung mit Hochwasserschutz kombiniert / Gesamtkosten 403 000 Euro

Saale geflutet: Wasser hat ein neues Bett

Benstorf/Quanthof (ist). Zum Durchstich vom bisherigen Saalelauf zum neu angelegten, naturnah gestalteten Flussbett hatte der Landkreis gestern an das Gewässerrenaturierungsprojekt zwischen der Saalebrücke in Quanthof und dem abgerissenen alten Wehr bei Benstorf eingeladen: Innerhalb von vier Wochen war auf 150 Metern Länge ein neues Saalebett zwischen Altem Wehr und Quanthofbrücke ausgebaggert worden und es wurden zwischen neuer Saale und Mühlengraben auf einer Fläche von fünf Hektar weiträumige Flutmulden zur Aufnahme von Hochwasser ausgeräumt. Gestern wurde das neue Saalebett unter großem Interesse der Bürgerschaft geflutet, und am Ende herrschte Zuversicht bei Tierfreunden, in der Vergangenheit Hochwassergeschädigten, Verwaltung, Planern (agva Hannover) und Bauhandwerk (Mittelweser Tiefbau) hinsichtlich kommender Hochwasserereignisse und der Saaleökologie.

veröffentlicht am 18.08.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 04:21 Uhr

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Vor den Baumaßnahmen, die in der kommenden Woche zum Abschluss kommen, war das Wasser der Saale in diesem Bereich durch das Wehr fast komplett über den Mühlengraben abgeleitet worden, so dass die Saale bei normalem Wasserstand praktisch kein Wasser bekam und bei Hochwasser insbesondere zum Leidwesen der anliegenden Bauern heftig überflutet wurde. „Überdies“, so Diplom-Ingenieur Michael Jürging vom Planungsbüro agwa in Hannover, „bedeutete das Wehr null Chance für die Fische, darüberzukommen“. Geschaffen wurde jetzt ein mäandrierendes Flussbett mit sanftem Gefälle und Durchzugsmöglichkeit der Fische (eine Forelle könne schon 0,30 Zentimeter weit springen, nicht aber zwei Meter, so Lothar Wolters vom Fischereiverband) und Durchlässigkeit auch für Kleinstlebewesen als Fischnahrung.

Gleichzeitig wurde zum Hochwasserschutz der Bereich zwischen Mühlengraben und neuer Saale abgegraben und Flutmulden geschaffen, in denen sich bei Hochwasser Wasser sammeln, absickern und durch Durchlässe unter der Quanthofer Straße hindurch in den Mühlengraben abfließen kann. „Wir haben eine willkommene Kombination von Gewässerrenaturierung und Hochwasserschutzmaßnahme“, stellen Rainer Halbauer, Projekt- und Amtsleiter Naturschutz, Landschaftspflege und Bauleitplanung beim Landkreis, und Jürging fest. Ein kleines Verteilerbauwerk wird dafür sorgen, dass auch dem Mühlenbach noch etwa 30 Prozent der Wasserführung zugeleitet werden. „Im Grunde und wie so oft haben wir hier ein jahrhundertealtes Problem, das wir beheben“, so Jürging. Die Mühle mit Baujahr im 14. Jahrhundert brauchte Wasserdruck zum Mahlen, Generationen von Wehren wurden gebaut, die Probleme für Fische und Anwohner bei Überflutungen wuchsen über die Jahrhunderte – warum man das jetzt erst angeht? „Umsetzung der aktuellen Wasserrahmenrichtlinie“, so Halbauer, „die fordert ökologische Durchgängigkeit, die an diesem Standort nicht gewährleistet war.“ Die Richtlinie gilt seit 2009 in Deutschland und Niedersachsen, Maßnahmen werden von der EU gefördert. Die Gesamtkosten des Saale-Projektes belaufen sich auf 403 000 Euro und verteilen sich zu 20 Prozent auf den Landkreis, zu 80 Prozent auf Land und EU-Fördermittel.

Wasser marsch: Gestern erfolgte der Durchstich vom bisherigen Saalelauf zum neu angelegten, naturnah gestalteten Flussbett.

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Fotos: ist



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