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Einsatzkräfte proben Ernstfall im Hüttenstollen und bergen verschüttete Verletzte

Retter üben unter extremen Bedingungen

Osterwald. Es ist Freitagnachmittag kurz nach 17 Uhr. Im beschaulichen Bergort herrscht bereits Wochenendstimmung. Einige Einwohner fegen die Bürgersteige vor ihren Häusern oder klönen am Gartenzaun mit dem Nachbarn, manche kommen mit Einkaufstüten in der Hand aus dem Frischmarkt. Eine idyllische Ruhe liegt über dem Dorf. Plötzlich aber zer-platzt sie wie eine Seifenblase. Schuld ist ein ohrenbetäubendes Geräusch – ausgelöst durch eine im Ort installierte Sirene. Kurz danach wird der Heulton verstärkt durch Sirenen einiger Feuerwehrfahrzeuge, die mit Blaulicht den „Steigerbrink“

veröffentlicht am 15.04.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 15:21 Uhr

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Autor:

Christiane Stolte
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hinaufrasen. Mutmaßungen werden angestellt. Was könnte die Ursache sein? Vielleicht ein Brand im Isermeyer-Haus? Nur wenige Minuten später scheint jemand eine Erklärung zu haben. Im Hüttenstollen soll ein Unglück geschehen sein! Es ist die Rede von einem Einsturz mit verschütteten Personen. Auch die Höhenretter der Stützpunktwehr Oldendorf seien alarmiert, heißt es.

Schon möglich, dass einige Osterwalder nun an das Unglück denken müssen, das sich im Juli vergangenen Jahres ereignet hatte. Ein Kind war damals in einen im Wald gelegenen alten Lichtschacht gestürzt und von einer Erzieherin des Kindergartens Oldendorf gerettet worden. Diesmal aber sollen Bergleute die Opfer sein. Wieder werden Mutmaßungen angestellt. Bald jedoch wird klar, dass es sich lediglich um eine Übung handelt. Die Rollen der Opfer haben drei Freiwillige übernommen. Eine vierte Person, die laut Übungsplan vorgesehen war, konnte für diesen außergewöhnlichen Einsatz nicht gefunden werden.

Einen besonderen Grund für die Übung gab es nicht. „Der Ernstfall wird regelmäßig geprobt im Hüttenstollen, doch diesmal sind erstmalig Höhenretter im Einsatz“, betonte Dirk Habenicht, Ortsbrandmeister der Freiwilligen Feuerwehr Oldendorf. Im Einsatz waren rund 40 Mitglieder der Wehren Oldendorf, Osterwald, Ahrenfeld und Benstorf. Auch ein Fachmann des Technischen Hilfswerkes wurde hinzugezogen.

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Das Unglück stellte sich wie folgt dar: Drei Bergleute waren bei ihrer Arbeit im Stollen verschüttet worden, da es einen Einsturz gegeben hatte. Während zwei Männer, nämlich Olaf Schramm und Rolf Schmidt, von einem Felsen getroffen und verletzt in einem Seitengang lagen, war der dritte Mann im Lichtschacht durch den Einsturz der Felswand ein-gesperrt. Hier waren die Höhenretter gefragt, denn die Rettung war nur durch den etwa 16 Meter langen Wetterschacht möglich. „Opfer“ Alex Kaller, Mitglied der Oldendorfer Höhenrettung, sah seiner Bergung gelassen entgegen. „Die schaffen das schon“, sagte der 18-Jährige zuversichtlich, während er sich vor Schmerzen krümmte, da sein Bein gebrochen war. Fiktiv, versteht sich! Retter in der Not war Höhenretter Dennis Hacker, der übrigens bei der Bergung des eingangs genannten Kindes als Erster vor Ort gewesen war. Daran müsse er aber bei dieser Bergung nicht denken. „Jeder Einsatz ist anders“, betonte er.

Am Ende der Übung wurde Bilanz gezogen. „Wir haben festgestellt, dass wir im Ernstfall weitere Einsatzkräfte und mehr Atemschutzgeräte benötigen“, betonte Habenicht. Eine weitere Herausforderung sei gewesen, dass Funkgeräte und Handys nicht überall funktionierten und herkömmliche Melder eingesetzt werden mussten. Dass im Besucherbergwerk Osterwald ein Einsturz geschehen könnte, schließt Hans-Dieter Kreft weitgehend aus. „Trotzdem muss der Ernstfall geprobt werden, denn die Sicherheit der Besucher hat oberste Priorität“, betont der Vorsitzende des Bergmannsvereins. Unfälle in dem 1980 eröffneten Besucherbergwerk gab es bislang nicht. Als im Bergwerk jedoch noch Steinkohle abgebaut worden war, gab es von 1695 bis 1910 mehrere Unfälle, bei denen 40 Bergleute starben.

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