weather-image

Bergwachtbereitschaft Hüttenrode – auf unbekanntem Terrain suchen sie nach zwei Vermissten

Retter üben im Stollen schwierigen Ernstfall

Osterwald (fn). Es ist nahezu stockdunkel im Hüttenstollen Osterwald. Nur einige Helmlampen sorgen für ein wenig und durch die Bewegungen stark flimmerndes Licht im düsteren Labyrinth der Stollen. Eilige Schritte auf dem glitschigen und steinigen Boden sowie das Geschepper von getragenem Rettungsmaterial sorgen für dumpfe Geräusche. Helme berühren die niedrigen Decken – und kühl ist es, acht Grad Celsius. Drei Rettungstrupps sind in die feuchten Stollen und Strecken des Osterwalder Bergwerks eingefahren. Das Szenario der ungewöhnlichen Übung: Sie sind auf der Suche nach zwei Personen, die von einer Besuchergruppe als vermisst gemeldet wurden.

veröffentlicht am 24.10.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 23:41 Uhr

270_008_4387238_lkcs103_2510.jpg
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Nach 200 Metern unter Tage hört ein Trupp die wimmernden Hilferufe eines Mädchens. Nach weiteren 30 Metern durch die jetzt nur noch gut 130 Zentimeter niedrige Wetterstrecke werden die Retter fündig. Am Ende der Strecke liegt die erste vermisste Person auf dem feuchten Boden. Peter Mühr von der Bergwacht Hüttenrode kümmert sich sofort um die unterkühlte Schülerin, die laut Übungsvorgabe zudem eine Beinfraktur erlitt. „Hanna, da ist Hanna“, schreit die gefundene Julia verzweifelt ihre Retter an und zeigt auf den zugeschütteten Rettungsschacht gleich hinter ihr. Beim Versuch, das Bergwerk durch den Wetterschacht zu verlassen, ist dieser nach unten verbrochen und schneidet der zweiten vermissten Person den Rückweg ab.

Ein Szenario, das für die Fachgruppe Gruben- und Höhlenrettung der Bergwachtbereitschaft Hüttenrode im Harz wie geschaffen erscheint. Die Bergretter üben zum ersten Mal im Osterwalder Hüttenstollen die Menschenrettung. „Hier haben wir definitiv eine fehlende Ortskenntnis“, spricht Einsatzleiter Friedhelm Cario an, warum sich die Rettungsgruppe aus dem Harz den Osterwalder Stollen als Übungsgelände aussuchte. Schließlich bietet der Harz mit seinen Hunderten von Stollen eine Vielzahl von Übungsorten vor Ort. „Das hat sich einfach mal angeboten. Zwei Kollegen kommen aus Alfeld, und die hatten einfach den Kontakt zur Grube. Das hier ist ein Steinkohle-Bergwerk, wir im Harz haben es mehr mit Erzbergwerken zu tun. Aber die Gruben ähneln sich alle irgendwie“, so Cario.

Zudem sei der Bergmannsverein Osterwald ebenso wie die Osterwalder Freiwillige Feuerwehr daran interessiert zu sehen, wie die Höhlenretter arbeiten. Als Beobachter des Szenarios fuhren der 1. Vorsitzende des Bergmannvereins, Hans-Dieter Kreft, und Betriebsleiter Karl-Heinz Arnecke zur Übung mit ein. Feuerwehrkameraden aus Osterwald unterstützten die drei Trupps der Gruben- und Höhlenretter bei der Suche und der Bergung.

Peter Mühr bereitet Julia auf den Transport vor.

„Normalerweise ist es so, dass die Feuerwehr keine Kenntnis hat, um unter Tage zu gehen. Dafür gibt es uns ja“, berichtet Übungsvorbereiter Martin Gorissen. So sorgen die Hüttenroder mit einer Telefonleitung für die nötige Kommunikation zwischen Einsatzleitung und Suchtrupps. Sprechfunk, wie ihn die Feuerwehren nutzen, funktioniert unter Tage nicht. Am Stollenschnittpunkt in 140 Meter Tiefe hockt Jan Münch und bedient den Heuler, ein Sprechgerät, das durch die Sprechmuschel eine eigene Spannung aufbaut und somit ohne Stromzufuhr zuverlässig arbeitet. Spektakulär war die abschließende Bergung der zweiten Person aus dem Rettungsschacht unter dem Huthaus. „Es ist Vorschrift, dass jedes Bergwerk einen Ein- und einen Ausgang hat. Wenn ein Ausgang verstürzen oder nicht mehr passierbar sein sollte, muss man über einen zweiten Ausgang wieder über Tage fahren können“, erzählt Hans-Dieter Kreft vom Zweck des 16 Meter tiefen Schachtes unter dem Huthaus.

Und in diesem 80 Zentimeter breiten Schacht harrt die 16-jährige Hanna eineinhalb Stunden in der kühlen Zugluft und bei teilweiser Dunkelheit aus, bis sie der Rettungstrupp angeleint nach oben befreien kann. „Nein, an die Bergleute in Chile habe ich dabei nicht gedacht. Man darf sich nicht so rein denken, wenn man das hier macht. Dann wird man wahnsinnig“, erzählt die Schülerin, deren Rettungsschacht immerhin noch 20 Zentimeter mehr Durchmesser aufwies als der im chilenischen Bergwerk, aus dem die Kumpel geborgen werden konnten.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt