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Nur so könne man die Vermehrung eindämmen / Fundtiere kosten Gemeinde fast 5500 Euro

Ratsherr Dohme fordert Katzensteuer

Coppenbrügge (ist). Wenn Nelly sich in der Gosse der Oberen Wieme in Coppenbrügge räkelt, ruhelos von rechts nach links über die Straße schleicht oder wie angewurzelt und festgedübelt auf Bürgersteig oder Fahrbahnmitte mit ebenso starrem wie sorgenvollem Blick den Verkehr beobachtet, dann kurven Autofahrer behutsam um sie herum und Anlieger wissen, dass Roger und Bine Grupe aushäusig sind. Nelly (12) wohlmöglich jedoch der Spezies streunender Katzen ohne Zuhause zuzuordnen, käme niemandem in den Sinn und stieße auf niederschmetternde Verachtung aus giftgrünen Katzenaugen. Denn Nelly ist selbstbewusste Diva in elegant zeitlosem Weiß mit Designerfleckung an Kopf und Schwanz, die in absolut innig intaktem Familienverband lebt: Katzenglück, das hierzulande zunehmend nicht selbstverständlich ist. Nach Schätzungen des Tierschutzbundes gibt es bundesweit rund acht Millionen Katzen in privaten Haushalten, daneben zwei Millionen verwildert frei lebende Katzen – mit zunehmender Tendenz. Landes- sowie bundesweit berichten Tierschutzvereine und Tierheime wie auch das Hamelner mit Sorge über die immer weiter steigenden Zahlen streunender, eigentlich domestizierter Tiere, die durch das Leben ohne Bezug zum Menschen in sehr schlechtem Zustand sind.

veröffentlicht am 23.08.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 03:41 Uhr

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„Im vergangenen Jahr wurden uns 350 Fundkatzen gebracht“, sagt Heidi Ballermann, eine der beiden Leiterinnen des Hamelner Tierheims. „Vor zehn Jahren waren es noch halb so viele. Zum Glück haben wir bisher noch alle in ein neues Zuhause vermitteln können – auch, wenn manche bis zu einem halben Jahr bei uns sitzen. Fragt sich, wie lange noch?“ Wenn sich gesetzlich nichts ändern würde, sehe sie schwarz für die Grünaugen und spricht damit die vom Tierschutz immer wieder geforderte Kastrations-, Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht für Katzenhalter an. Denn die verwilderten Katzen auf Deutschlands Straßen stammen durchweg von entlaufenen, ausgesetzten sowie nicht kastrierten Freigängern aus Privathaushalten ab.

Eine „regelrechte Katzenplage“ beobachtet derzeit Klaus-Dieter Dohme in Gärten und Lagerstätten von Getreide und Heu in Bäntorf mit flüssigen und festen Hinterlassenschaften entsprechender „Geschäfte“. Einzige Möglichkeit, der zunehmenden Katzenpopulation Herr zu werden, sieht Dohme in der Erhebung einer Katzensteuer und unterbreitete diesen Vorschlag jetzt brieflich Bürgermeister Hans-Ulrich Peschka. Die Erhebung einer Katzensteuer, so Sachbearbeiter Jens-Uwe Schaper, sei bereits in vielen Kommunen erörtert, aber nirgends eingeführt worden.

Der hohe Verwaltungsaufwand für die Erfassung der Katzen spreche dagegen, ebenso die Schwierigkeit eines Katzennachweises, weil es „keine gesicherten Zahlen von Wohnungskatzen, freilaufenden Katzen und Katzen, die keinem Eigentümer direkt zuzuordnen sind, gibt“. Außerdem sei zu befürchten, dass infolge einer Steuer immer mehr Katzen ausgesetzt und die Population noch ansteigen würde.

Kastrations- und Kennzeichnungspflicht jedoch, darauf weist Schaper hin, sei bereits in einigen Kommunen (darunter Hildesheim, Delmenhorst und Verden) in die Kommunalverordnung aufgenommen worden – eine laut Städte- und Gemeindebund zulässige Maßnahme „auf der Grundlage einer Gefahrenabwehrverordnung“, so Schaper. Mit dieser Thematik würden sich zeitnah auch die Ordnungsämter der kreisangehörigen Kommunen in einer gemeinsamen Gesprächsrunde nicht zuletzt aus finanziellem Interesse beschäftigen: In einem Fundtiervertrag mit dem Tierheim Hameln hat sich auch der Flecken Coppenbrügge verpflichtet, für die ersten 28 Tage der Unterbringung eine Pauschale zu zahlen.

Mit 5432 Euro beziffert Schaper die Kosten, die infolge erhöhter Abgabe von Fundkatzen im Jahr 2011 aus dem Fleckenhaushalt an das Tierheim gezahlt wurden. Eine Erhöhung der Kostenpauschale habe das Tierheim bereits angekündigt. In diesem Zusammenhang weist die Verwaltung darauf hin, dass Fundtiere zukünftig erst im Coppenbrügger Bürgeramt zu melden sind und anschließend mit einer Meldebescheinigung ins Tierheim gebracht werden.

Nelly ist eine Katze, die Glück gehabt hat – sie lebt in einer Familie. Herrenlose Tiere werden für die Gemeinde immer mehr zum Problem.

Foto: ist

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