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Mini-„Werft“ in Wallensen: 73-jähriger Tüftler baut sich Boot aus gebrauchten Materialien

Raddampfer Rudi nimmt bald Fahrt auf

Wallensen (gök). Nicht, dass er nicht genug zu tun hätte. Rudolf „Rudi“ Ruschmeier ist mittlerweile 73 Jahre alt, doch auf seinem rund 3000 Quadratmeter großen Grundstück in Wallensen hat er noch alle Hände voll zu tun. Letztes Jahr wollten seine Mieter ihren alten Seat Marbella verschrotten lassen. Beim Anblick des Wagens kam Ruschmeier eine Idee. Immer schon hatte er davon geträumt, sein eigenes Boot zu bauen. Mit dem Motor aus dem Seat und der Antriebswelle sollte sein Vorhaben nun gelingen. „Mir fiel es immer schon leicht, etwas im Kopf vorzustellen und dann ohne Zeichnung umzusetzen“, so Ruschmeier.

veröffentlicht am 25.01.2011 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 18:21 Uhr

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In Hannover geboren, machte er früh eine Maurer-lehre und arbeitete schließlich lange Jahre selbstständig in Hannover, ehe er 1979 seine eigene Gastwirtschaft in Hannover eröffnete, die er mit seiner Frau Petra bis 1989 betrieb, um dann wieder in eine international tätige Baufirma einzusteigen. Als Ausgleich kaufte er 1982 in Wallensen ein Grundstück, auf dem er mit seiner Frau seine Wochenenden verbrachte. 1992 begannen die beiden auf dem Grundstück schließlich mit dem Bau ihres Hauses, das in drei Jahren in ihrer Freizeit fertiggestellt wurde. „Das Haus entstand auch ohne Zeichnung und wurde nach der Fertigstellung auch ohne Beanstandung abgenommen“, sagt Ruschmeier. Später baute er in der Straße auch noch ein Haus für seine Tochter, ebenfalls ohne Zeichnung, nur mit den Erinnerungen aus seinem Kopf.

Der Seat-Motor war nun die Initialzündung für den Bootsbau. Entstehen sollte ein kleiner Raddampfer. Zuerst bereitete er den Motor wieder auf; unter anderem wurden Zündkerzen und Filter ersetzt. Idee war es, um den Motor herum das Schiff zu bauen. Nach der Instandsetzung des Motors baute er einen Holzrahmen. An der Außenwand des Rahmens brachte er wasserdichte Holzplatten mit sechs Millimeter Stärke an. Beim Bau des Bootes achtete er darauf, viele Dinge von seinem Grundstück mitzuverarbeiten. So verwertete er für die Antriebsachse unter anderem Teile einer alten Kreissäge als Auflage für Walzenlager. In den Rahmen baute er Gewindestangen ein, um das Boot dann später auch auf einen Trailer ziehen zu können. Um den Bug des Bootes formte er dann ein Aluminiumblech. Die Kanten des Bootes verstärkte er, damit es bei großer Beanspruchung auch keine Formveränderung des Bootes gibt. Weil es ein Raddampfer werden sollte, achtete er darauf, dass das Boot nur einen niedrigen Tiefgang hat. Insgesamt kommt er auf 1,6 Meter Breite, 0,8 Meter Höhe und 4,7 Meter Länge beim Boot. An schlechtes Wetter auf dem Wasser hat Ruschmeier auch gedacht. So baute er einen Aufbau aus Kupferrohren und ließ sich dafür eine Plane anfertigen, die er auch teilen kann. Für längere Touren hat er im Bug des Bootes eine kleine Kochnische eingebaut, damit er sich und seine Frau auch mal selber versorgen kann. In den Seiten des Bootes hat er unter den Bänken genug Stauraum, um Gepäck zu verstauen. Der Motor steht auf Gummipuffern, wodurch nur sehr wenige Vibrationen entstehen. Durch die Motoraufhängung werden auch die Keilriemen für den seitlichen Antrieb des Bootes gespannt. Die Abgase des Motors laufen über einen Auspuff nach hinten ab. Das Gaspedal hat der Tüftler so umgebaut, dass er per Hand Gas geben kann. Theoretisch kann er auch noch mit vier Vorwärtsgängen und einem Rückwärtsgang durch das Wasser fahren. In der Praxis wird das aber höchstens bis zum zweiten Gang gehen. Bei dem Gedanken an die Jungfernfahrt freut er sich wie ein Teenager. „Durch solche Projekte behalte ich meinen jungen Geist“, sagt Ruschmeier.

Nachdem er nun seinen Raddampfer Rudi fertiggestellt hat, baut er einen Trailer. Dazu hat er sich den sanierungsbedürftigen Rumpf eines alten Trailers aus Wuppertal geholt und sich eine neue Auflaufbremse und Achse mit Schwerlastreifen gekauft. Während das Boot also auf seine erste Fahrt wartet, schweißt er in seiner kleinen „Werft“ auf der Terrasse den Trailer zusammen, damit der TÜV ihn dann abnehmen kann. Das Boot wird er in Kürze dokumentieren und die Unterlagen dann zur Genehmigung zum Wasser- und Schifffahrtsamt nach Braunschweig schicken. Seine Wasserführerscheine hat er bereits in den achtziger Jahren gemacht und damals auch schon mal ein gekauftes Boot besessen. Die Jungfernfahrt ist für das Frühjahr geplant, wenn die Behörden Boot und Trailer genehmigt haben.

Im Sommer begann Rudolf Ruschmeier mit dem Rahmenbau. Kürzlich verließ das Schiff die „Hobbywerft“. Als nächstes Projekt wird jetzt der Trailer zusammengebaut.

Fotos: pr/gök



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