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Hinter den Kulissen des Kulturförderkreises / Vom Joghurt bis zum Mineralwasser ist alles geregelt

Promis in der Provinz gehören zum festen Plan

Salzhemmendorf (sto). Bekannte Künstler wie Felicia Weathers, Gunther Emmerlich, Ivan Rebroff, Knut Kiesewetter, Joja Wendt, Urban Priol, Bill Mockridge, Walter Plathe, Arno Surminski oder Pavel Kohout haben eins gemeinsam – sie alle waren in den vergangenen 23 Jahren irgendwann einmal, manche sogar zweimal, Gast im Flecken Salzhemmendorf, um den Bürgern kulturelle Erlebnisse quasi vor der Haustür zu bieten. Für den Kulturförderkreis als Gastgeber ist das Engagement der Promis fast immer ein hartes Stück Arbeit hinter den Kulissen – Schreibtischarbeit, verbunden mit Überredungskunst und Diplomatie.

veröffentlicht am 25.01.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 14:41 Uhr

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„Jedem Engagement gehen mehrere Telefonate mit den jeweiligen Agenturen voraus“, weiß Ursula Wöhler. Viele lehnen eine Zusage bereits beim ersten Gespräch ab, da ihre Bedingung, den Veranstaltungsort mit mindestens 300 oder 400 Besuchern zu füllen, nicht verbindlich zugesagt werden könne. „Auch fehlt es an den entsprechenden Räumlichkeiten, da wir leider keinen eigenen Veranstaltungsraum haben“, betont die Vorsitzende des Kulturförderkreises. Einzige Möglichkeit, ein größeres Publikum von etwa 300 Leuten unterzubringen, sei das Forum der Schule am Kanstein, in dem der Kulturförderkreis bereits mehrere Veranstaltungen ausgerichtet hat. „Das waren Veranstaltungen, bei denen wir mit vielen Besuchern rechnen konnten“, erinnert sich Ernst-August Bremer, der stellvertretende Vorsitzende. Einmal ist diese „Rechnung“ jedoch nicht aufgegangen, und zwar im vergangenen Oktober, als der Kulturförderkreis eingeladen hatte zu dem Stück „Der lustige Witwer“ mit Wolfgang Spier. Wegen mangelnder Voranmeldungen musste die Veranstaltung abgesagt werden. „Das hat natürlich ein Loch in unsere Kasse gerissen“, bedauert Ursula Wöhler. Es sei aber kein Grund gewesen, sich in der Arbeit entmutigen zu lassen. Entmutigen lässt sich der Kulturförderkreis auch nicht durch die vertraglich festgehaltenen Auflagen einiger Agenturen. So werde beispielsweise verlangt, dass sich die für den Künstler bestimmten und selbstverständlich frisch gewaschenen Handtücher nicht zu hart und nicht zu weich anfühlen und dass die prominenten Gäste gebührend beköstigt werden. „Manchmal wird uns sogar die Menüzusammensetzung vorgeschrieben“, weiß Marie-Luise Czaja-Wiegmann, Schriftführerin im Kulturförderkreis.

Ob die Fruchtauswahl im Joghurt, die Brot- oder Käsesorte oder die Mineralwassersorte – alles sei vertraglich geregelt und müsse eingehalten werden. Zumindest vom Veranstalter. Dem Künstler selbst seien diese Auflagen oft egal. „Schon oft sind wir auf unseren Einkäufen sitzengeblieben, weil der Künstler lieber eine Bratwurst, ein Brötchen mit hausgemachter Wurst oder eine von uns zubereitete Suppe den Agenturvorschriften vorgezogen hat“, erinnert sich Ursula Wöhler.

Der Kulturförderkreis feiert 2011 sein 25-jähriges Bestehen. Er wurde 1986 von engagierten Leuten gegründet, um die Bürger vor Ort in den Genuss zu bringen, ein anspruchsvolles Kulturereignis in unmittelbarer Nähe ihres Wohnortes zu erleben und nicht immer nach Hameln, Hannover, Hildesheim oder in eine andere Stadt fahren zu müssen. Zu Gast waren unter anderem die Blackpoint Jazzmen, die Alligators, das Glenn-Miller-Orchestra, das Johann-Strauß-Orchester, das Bremer Salon-Orchester, das Springmaus-Theater, Marshall & Alexander, Andreas Rebers, Traute Römisch, Christoph Sieber, Andreas Neumann und der Schriftsteller Georg M. Oswald. Der Verein finanziert sich durch Mitgliedsbeiträge und vor allem mit Unterstützung durch Sponsoren. Einige gesponserte Veranstaltungen sind mittlerweile zur Tradition geworden, wie beispielsweise das Neujahrskonzert im Okal-Café Lauenstein und der Jazz-Frühschoppen im Park der Domäne Eggersen, der jedes Jahr Besucherscharen von nah und fern anzieht.

Von den meisten Veranstaltungen werden die Plakate aufgehoben, wie Marie-Luise Czaja-Wiegmann, Ernst-August Bremer und Ursula Wöhler mit einer kleinen Auswahl zeigen (von links). Foto: sto

„Leichte Unterhaltung geht am besten“, weiß Ursula Wöhler. Bei anspruchsvolleren Veranstaltungen, auch literarischer Art, seien häufig weniger Besucher zu verzeichnen. „Unser Anliegen ist aber, ein breitgefächertes Kulturangebot, möglichst für jeden Geschmack“, betont die Vorsitzende des etwa 100 Mitglieder zählenden Vereins. Auch Kulturreisen werden jedes Jahr ausgerichtet.

Dass es auch Leute gibt, die den Kulturförderkreis „nicht brauchen“, weiß Ursula Wöhler. Der ehrenamtliche Einsatz um die Kultur wird von einigen sogar belächelt und mit Worten wie „Was brauchen wir die Milster? Wir können doch selber singen!“ abgetan. Auch einen anonymen Anruf hat es schon gegeben.

So wurde Ursula Wöhler beschimpft, was sie sich einbilde, hochkarätige Künstler nach Salzhemmendorf holen zu wollen: „Wir bekommen aber auch viel Lob und lassen uns deshalb nicht entmutigen.“ Schon jetzt macht sie auf eine Veranstaltung mit dem Schauspieler und Kabarettisten Uwe Steimle am 16. April 2010 aufmerksam.

Weil es nicht genügend Voranmeldungen gab, musste die Veranstaltung mit Wolfgang Spier wieder abgesagt werden – teuer für den Kulturförderkreis.



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