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Keine Strukturfördermittel – Erika Rasch kämpft trotzdem für „Alt und Jung unter einem Dach“

Platzt der Traum vom gemeinsamen Wohnen?

Oldendorf (sto). Erika Rasch ist fest davon überzeugt, dass ihr Vorhaben klappt: „Es muss doch möglich sein, in guter Nachbarschaft zu leben, zusammen etwas auf die Beine zu stellen und sich im Alltag zu unterstützen“, sagt die 66-Jährige. Seit drei Jahren trägt sie sich mit dem Gedanken, auf ihrem Hof ein gemeinschaftliches Wohnprojekt einzurichten, wo jeder jedem hilft. Auf seine Weise und nach seinen Fähigkeiten. Es ist kein Altenheim. Kein Pflegeheim. Und auch kein betreutes Wohnen, wie manche Leute denken, denen sie davon erzählt. Es ist aber auch keine Wohngemeinschaft im herkömmlichen Sinn, in der alle miteinander in einer Wohnung leben.

veröffentlicht am 12.10.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 00:41 Uhr

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Erika Rasch möchte eine Wohneinheit schaffen für Alt und Jung. Das Alter der Mieter spiele keine Rolle. „Wichtig ist mir die Gemeinschaft“, sagt die Rentnerin, die mit ihrer Idee kein Geld verdienen will. Sie will Wohnraum schaffen für Menschen, die genauso denken wie sie. Für Menschen, die in guter Nachbarschaft wohnen und ein harmonisches Miteinander pflegen möchten, ohne dabei jedoch die Eigenständigkeit zu verlieren.

Das Konzept für ein „gemeinschaftliches Landleben“ steht. Mehr noch – auch einen vorläufigen, für drei Jahre geltenden Bauvorbescheid, ausgestellt vom Landkreis Hameln-Pyrmont, hat Erika Rasch in ihrem Ordner „Gemeinschaftliches Wohnprojekt“ abgeheftet. Eigentlich könnte ihr Vorhaben, ein altes, nicht mehr benötigtes Stallgebäude zu einem schmucken Wohnhaus umzubauen, jetzt in die Tat umgesetzt werden, doch die Finanzen sind noch nicht gesichert. „Ich bin gerade dabei, mich nach Stellen umzusehen, die mein Projekt bezuschussen würden“, sagt die „Bauherrin“. Ganz fest hatte sie mit einem Zuschuss aus der Strukturförderung für den ländlichen Raum gerechnet, der beantragt werden kann bei der GLL, der Behörde für Geoinformation, Landentwicklung und Liegenschaften Hannover. „Daraus wird aber nichts“, bedauert Erika Rasch. Der Negativ-Bescheid habe sie ganz schön heruntergezogen. Ein Gespräch mit der GLL habe ergeben, dass ein Zuschuss nicht bewilligt werden könne. Weil sie einerseits ihren landwirtschaftlichen Betrieb nicht mehr bewirtschafte und weil Oldendorf nicht im Dorferneuerungsprogramm aufgenommen sei. Letzteres hatte der Ortsrat Oldendorf seinerzeit abgelehnt. „Mit dem Zuschuss soll aktiv tätigen Landwirten Gelegenheit gegeben werden, sich ein zweites Standbein schaffen zu können“, erläutert GLL-Sachbearbeiterin Mareike Gundelach auf Anfrage. Da der Betrieb von Erika Rasch seit 1994 nicht mehr bewirtschaftet werde, könne das Projekt seitens der GLL nicht bezuschusst werden.

„Trotzdem will ich die Flinte nicht gleich ins Korn werfen“, betont Erika Rasch hartnäckig. Mit Hilfe des in Hannover ansässigen „Forums Gemeinschaftliches Wohnen“ möchte sich die Witwe nun nach anderen „Geldquellen“ umsehen. „Wenn alle Stricke reißen, werde ich mein Projekt wohl ausschließlich über die Bank finanzieren müssen“, mutmaßt die in Bielefeld ausgebildete Projektleiterin für gemeinschaftliches Wohnen. Erika Rasch plant, ein altes, auf ihrem Grundstück stehendes Stallgebäude so umzubauen, dass sechs eigenständige, möglichst barrierefreie Wohneinheiten zwischen 50 und 80 Quadratmetern Größe entstehen. Zusätzlich wünscht sie sich einen Aufenthaltsraum für alle Bewohner mit einer Gemeinschaftsküche. „Ich befürchte aber, auf diese beiden Räume aus Kostengründen verzichten zu müssen. Aber mal abwarten“, betont die Optimistin.

Des Weiteren sollen zwei kleine Gästewohnungen von jeweils etwa 30 Quadratmetern entstehen, wo Besucher der Mieter – oder auch, wenn nötig, eine Hauswirtschafterin oder Pflegekraft – untergebracht werden könnte. Alle Wohnungen haben entweder einen Balkon oder einen Zugang zum Garten. Vier Wohnungen befinden sich auf einer Etage, zwei Wohnungen sind zweigeschossig, das heißt, das zweite Geschoss ist über eine Treppe erreichbar. „Der Umbau soll so durchgeführt werden, dass der Charme des Hofes erhalten bleibt und zum Dorfbild passt“, hat sich Erika Rasch zum Ziel gesetzt.

Wo nun liegt der Unterschied dieser Art des Wohnens zum herkömmlichen Wohnen? „In dem nachbarschaftlichen Miteinander“, sagt die Hausherrin kurz und bündig. Damit meint sie beispielsweise, dass von allen Bewohnern der große zum Grundstück gehörende Nutzgarten, der Blumengarten und die Wiese genutzt werden können, aber auch gemeinschaftlich bewirtschaftet werden sollte. Jeder Bewohner kann Früchte und Gemüse für den eigenen Bedarf ernten. Die frisch gelegten Eier der „Wohnprojekt-Hühner“, die bereits angeschafft sind, gehören allen. „Allerdings sollte sich auch möglichst jeder Bewohner um die Pflege der Hühner kümmern“, appelliert Erika Rasch. Auch Haustiere wie Hund und Katze seien erlaubt.

Wer in das Wohnprojekt einziehen möchte, sollte unbedingt Freude an der Gemeinschaft haben. „Für Menschen, die sich in ihren eigenen vier Wänden vergraben und nichts mit den Nachbarn zu tun haben wollen, ist es nicht geeignet“, betont Erika Rasch. Gut vorstellen könnte sie sich auch, dass die „liebe Omi von nebenan“ mal einspringen könnte als Babysitter. Erika Rasch will gegen die Vereinsamung besonders der älteren Generation ankämpfen. „Gemeinsam können kleine Dinge des Alltags viel besser bewältigt werden“, sagt sie. Ihr Wohnprojekt könnte ein Modellprojekt werden, da es vergleichbares Wohnen in der Region nicht gebe.

Erika Rasch steht neben dem Stallgebäude, das angrenzt an einen Garten.Foto: sto



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