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Halter will trotz Anzeige Zucht eröffnen / Hündin eingeschläfert

Pittbulls zerreißen Husky

Dörpe. In dem kleinen Ort Dörpe bei Coppenbrügge haben mehrere American Pittbulls einen Huskymischling zu Tode gebissen. Die Hunde haben den klapprigen Zaun ihres Grundstücks einfach überwunden. Mittlerweile ist dieser gegen einen massiveren ersetzt worden.

veröffentlicht am 23.10.2015 um 13:11 Uhr
aktualisiert am 26.10.2016 um 08:54 Uhr

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Autor:

von Jürgen hagelund
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In dem beschaulichen Dorf Dörpe bei Coppenbrügge herrscht immer noch Unruhe unter den Hundebesitzern. Der Antrag des Halters mehrer American Pittbulls über die Genehmigung einer eigenen Zucht steht derzeit noch aus. Dabei waren es Hunde aus seiner Haltung, die vor einiger Zeit erst auffällig geworden waren und Mischlingshündin Luna so zurichteten, dass der Tierarzt ihr nicht mehr helfen konnte.

Was war passiert? Um kurz vor 19 Uhr starten Regina Deiters und Luna, eine 11-jährige, weiße Husky-Labrador-Mischlingshündin, ihre Abendrunde. Es sollte Lunas letzter Spaziergang mit Frauchen Regina Deiters gewesen sein. Er endet nur wenige Meter entfernt vom Haus im Straßengraben – da liegt die Hündin elendig heulend, von Kampfhunden zerrissen und zerfetzt in Deiters Armen. Ein etwa handgroßes, blutiges Stück Fell liegt auf dem Asphalt. Ein Ohr ist von unten bis oben zur Hälfte weg-, der Kragen um den Hals aufgerissen, die Schlagader darunter ist freigelegt, der Bauch wie ein Buch aufgeklappt.

„Drei Pitbulls

brachen durch den klapprigen Zaun“

Luna war wegen des Verkehrs wie immer angeleint. „Ich wusste, dass da Hunde auf dem angrenzenden Grundstück sind. Aber bevor ich mich umdrehen konnte, brachen schon drei Pitbulls durch den klapprigen Zaun und fielen über meinen Hund her“, erinnert sich Deiters. „Zwei hingen vorn an Lunas Hals, einer unter ihrem Bauch. Der Besitzer stürzte hinterher, warf sich auf seine Hunde, sagte noch, ’die machen nichts‘! Ich schrie, stürzte, riss und stolperte mit meinem jaulenden Hund an der Leine über die Straße in den Graben. Warf mich schützend über sie, die flüchten wollte. Hielt sie fest. Was sollte ich gegen drei massige Angreifer machen? Was hätte meine alte Hündin für eine Chance gehabt, hätte ich sie losgemacht?“ Irgendwann waren die Pitbulls weg. Was sonst bis dahin passiert war, hat Deiters gar nicht mehr wahrgenommen. Zum Beispiel, dass Klaus Kämmerer, als er „dieses markerschütternde Schreien des Hundes“ in seinem Wohnzimmer hörte, mit Wassereimern aus dem Haus gestürzt war, um beim Trennen der Hunde zu helfen. Oder dass Sebastian Brede die Polizei rief, als er an dem wütenden Knäuel von irgendwann bis zu fünf oder sechs angreifenden Hunden vorbeifuhr, die dem Husky das „Fell vom Nacken bis über die Augen abrissen“.

Irgendwann, „und es kam einem vor wie Ewigkeiten“, sagt Deiters, wurde Luna in den Kofferraum gehoben und zur Tierarztklinik in Osterwald gebracht. Da könne nichts mehr gerettet und zusammengenäht werden, so die Diagnose – Luna wurde eingeschläfert.

„Es ist das Schlimmste, was einem Hundebesitzer passieren kann“, sagt Regina Deiters heute, wo ihre eigenen Biss- und Kratzwunden einigermaßen verheilt, die diagnostizierte, posttraumatische Belastungsstörung halbwegs überwunden ist. „Wenn man hilflos im Straßengraben liegt und sehen muss, wie der eigene Hund abgeschlachtet wird.“ Natürlich könnten sich Hunde fetzen, womit jeder Hundebesitzer rechnen müsse. Aber Deiters klagt an: „Die wussten genau, wo sie hinpacken müssen – an den Hals, unter den Bauch. Vor so einer gefährdenden Hundehaltung muss doch der Bürger geschützt werden. Schließlich sind hier und beim benachbarten Reiterhof häufig auch Kinder unterwegs.“

Pittbull-Halter

bedauert den Vorfall und fühlt sich „beschissen“

Es heißt im Ort, der Besitzer der Kampfhunde sei noch nicht lange im Besitz des Rudels. Man höre sonst allerdings auch Positives von der Familie. Der Hundehalter ist zu einer Stellungnahme gegenüber der Dewezet nur kurz telefonisch erreichbar. Sagt, er fühle sich „beschissen“, „verdaue“ den Vorfall immer noch. Sein Bedauern habe er umgehend ausgedrückt, sich entschuldigt und versprochen, die Tierarztkosten zu übernehmen. Ein weiteres Gespräch nimmt er nicht wahr.

Regina Deiters hat sich einen Anwalt genommen. Sie wartet mittlerweile seit Monaten auf die Zahlung von Schmerzensgeld und Tierarztkosten durch den Kampfhundebesitzer. Rechtlich wird der Vorfall als Ordnungswidrigkeit mit Fahrlässigkeit eingestuft. „Die betroffene Hundehaltung in Dörpe“ – nach Dewezet-Recherchen handelt es sich um fünf American Pitbulls, eine Bordeaux Dogge und fünf Pitbull-Welpen – „wurde nach dem Vorfall vom Veterinäramt zur Feststellung der Gefährlichkeit der Hunde gemäß des Niedersächsischen Gesetz über das Halten von Hunden (NHundG) überprüft“, so die Auskunft des Landkreises. Das bei dem Beißvorfall beteiligte Hunderudel existiere in dieser Form nicht mehr. Eine Hündin, die maßgeblich an dem Vorfall beteiligt war, sei nicht mehr im Landkreis. Nach Recherchen der Dewezet ist sie über ein Internetportal für 3500 Euro zum Verkauf angeboten worden. „Die jetzt für diese Hündin zuständigen Behörden wurden über den Beißvorfall in Kenntnis gesetzt“, so die Pressesprecherin des Landkreises, Sandra Lummitsch. Die Rasse der Hündin gehöre zu den sogenannten „Listenhunden“. Die hier im Landkreis verbliebenen Hunde seien als Rasse nicht als potenziell gefährlich eingestuft. Eine Hündin aus der Dörper Hundehaltung müsse erneut vorgestellt werden, um sie abschließend beurteilen zu können.

Die nach dem Vorfall vom Coppenbrügger Ordnungsamt festgestellte, teilweise fehlende steuerliche Anmeldung der Hunde, Chipkennzeichnung, Haftpflichtversicherung sowie Eintragung ins zentrale Hunderegister seien nach Aufforderung fast vollständig nachgeholt worden, heißt es im Bürgeramt. Ebenso sorge nun zur Straße ein massiver Zaun für die öffentliche Sicherheit. Der Antrag auf eine eigene Hundezucht wird derzeit noch vom Veterinäramt geprüft. Ergebnisse liegen aktuell noch nicht vor.

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