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Nach einer Hirnblutung hat Bernd Wäsche den Reflex neu erlernt – mithilfe einer Therapie

Patienten haben schwer zu schlucken

Coppenbrügge (ist). Kekse machen ihm noch Schwierigkeiten, auch Gummibärchen vermeide er nach Möglichkeit – die landen immer noch in der Luft- statt in der Speiseröhre, sagt Bernd Wäsche (41). Ansonsten bereite ihm das Essen bei konzentriertem „Kopf auf die Brust“ vor und „Hochräuspern“ nach jedem Schlucken nur noch wenig Schwierigkeiten – egal, ob Ouzo-Platte beim Griechen an der Ecke oder Kartoffelbrei. „Endlich!“

veröffentlicht am 03.11.2011 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 00:41 Uhr

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Schlucken beim Essen und Trinken war bis vor einem Jahr für den Benstorfer wie für jeden gesunden Menschen eine Selbstverständlichkeit, die nicht gelernt werden muss, weil der Organismus diese „Kleinigkeit“ ganz nebenbei tagtäglich bis zu 2000-mal unter Beteiligung von 50 verschiedenen Muskeln weitgehend reflexhaft erledigt.

Für Wäsche nur bis zum November des vergangenen Jahres, als die Hard-Rock-Röhre der AC/DC-Coverband „Hellfire“ bei der Probe und „Back in Black“ plötzlich zusammenbricht und der Länge nach ins Schlagzeug fällt. Diagnose: Hirnblutung, Dissektions-Aneurysma mit drei Aussackungen der Schlagader im Schädel.

Das Leben hängt an einem ausgesprochen dünnen Faden, sagen die Ärzte. Es folgen drei Wochen künstliches Koma, Desorientierung, Rollstuhl, Rollator, künstliche Ernährung, „denn auch meine Zunge hatte komplett schlappgemacht“, erinnert er sich jetzt bei seinem letzten ambulanten Therapietermin mit dem stellvertretenden Leiter der Sprachtherapie Hendrik Dreißig im Coppenbrügger Krankenhaus Lindenbrunn. Wo er mit dem Schlucken Lebensqualität und -notwendigkeit über zehn Monate wiedergewonnen hatte.

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  • Brennpunkt bei Schluckstörungen ist der Kehlkopfbereich: Dort verschließt beim gesunden Schluckreflex der Kehldeckel die Luftröhre; der Schließmuskel öffnet den Zugang zur Speiseröhre.

Nach einem Schlaganfall leiden in der Akutphase (in den ersten vier bis acht Wochen) bis zu 50 Prozent der Patienten an einer Störung der Schluckabläufe, erklären Dr. Matthias Ullmann (Oberarzt Neurologie) und Dreißig.

Häufig gelinge bereits während der stationären Behandlung eine Besserung der Symptome, die aber auch nach Entlassung aus der Rehaklink ambulant weiterbehandelt werden müssten.

„Neurogene Schluckstörungen (Dysphagie) sind ewig lange Zeit Stiefkinder der Medizin gewesen“, sagt der leitende Oberarzt Neurologie Dr. Ullmann, und dabei sei es im Grunde bis heute geblieben. Erst seit 10 bis 15 Jahren seien Schluckstörungen nach Hirnverletzungen mit der Gefahr lebensbedrohlicher Lungenentzündungen und Erstickungssituationen in den Fokus der Wissenschaft gerückt und im Reha-Bereich als Schwerpunkt bei Diagnostik und Therapie etabliert worden.

Als Kooperationspartner des Bundesverbandes Aphasie e.V. bietet das Lindenbrunn – Träger ist der Verein zur Betreuung von Schwerbehinderten – für Menschen mit Sprach- oder Sprechstörung nach Hirnschädigung bereits seit 2004 umfangreiche Beratungen und Hilfen bei der Überleitung von stationärer in ambulante Reha-Maßnahmen. Einzigartig und neu für die Region Hameln-Pyrmont ist seit diesem Jahr die Möglichkeit, im Rahmen der ambulanten Versorgung auch die erforderlichen Röntgenuntersuchungen des gestörten Schluckablaufes mit kassenärztlicher Zulassung in der Neurologie des Lindenbrunn vornehmen zu lassen, ohne die die Ursachen der Störungen häufig gar nicht auszumachen sind.

Außerdem wird erstmalig am Dienstag, 8. November, 15.30 Uhr, zu kostenfreien Angehörigenseminaren „Dysphagie-Führerschein“ eingeladen mit grundlegenden Informationen, Einzelberatung, Hilfe und Tipps.

Bernd Wäsche (li.) mit Therapeut Hendrik Dreißig.Foto: ist



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