weather-image
22°

Okal aus Lauenstein feiert 90-jähriges Bestehen

Wohnungsnot, Rohstoff- und Materialmangel der Nachkriegsjahre, die daraus resultierende richtungsweise Erfindung von Röhrenspanplatten, die der Tischlerei-Besitzer Otto Kreibaum in Lauenstein machte und am 1. Dezember 1949 zum Patent anmeldete, waren die Basis für das Fertighausunternehmen. Denn was an Spanplatten zuerst eigentlich für die Möbeltischlerei entwickelt worden war, sollte sich schon wenig später als ideales Baumaterial für die Fertighausherstellung erweisen. In diesem Jahr feiert Okal – der Name setzt sich aus den Anfangsbuchstaben von „Otto Kreibaum aus Lauen-stein“ zusammen – sein 90-jähriges Bestehen.

veröffentlicht am 11.08.2018 um 16:30 Uhr

Das ehemalige Okal-Gelände in Lauenstein wird heute als Gewerbegebiet genutzt. Luftbild: wfx
Joachim Zieseniß

Autor

Joachim Zieseniß Reporter Bodenwerder zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Im Januar 1902 geboren, pachtete Otto Kreibaum senior, Sohn eines Sattlermeisters aus Bisperode, 1928 eine Möbeltischlerei in Lauenstein. Mit zwei Mitarbeitern und einem Lehrling begann er die Produktion von Kleinmöbeln. 1931 begann er mit der Serienfertigung von Speisezimmern und beschäftigte bald 100 Mitarbeiter. Zwei Jahre später wurde mit 300 Beschäftigten in Schichten gearbeitet. 1937 waren es mehr als 500 Mitarbeiter, die nun auch Schlafzimmer in Serie fertigen.

Kreibaum entwickelte damals für seine Röhrenspanplatten eigene Maschinen für ein Strangpressverfahren, mit dem Spanplatten aus Holzabfällen hergestellt werden konnten. In 60 Ländern wurde das Verfahren schließlich patentiert. Nach dem Zweiten Weltkrieg gründete Kreibaum eine eigene Maschinenbaugesellschaft für seine Pressen.

Bedingt durch den Krieg herrschte in Deutschland Wohnungsnot. Vor diesem Hintergrund hatte Kreibaum senior bereits 1951 ein Testhaus aus Spanplatten auf dem Firmengelände errichten lassen. 1953 entstand aus Röhrenspanplatten dann das erste Okal-Haus in Lauenstein, bevor am 1. August 1959 mit der Serienproduktion von Okal-Fertighäusern begonnen wurde. Damit war der Grundstein zum heutigen Unternehmen gelegt, die Möbelproduktion wurde eingestellt.

Bullis klar zum Montage-Einsatz: Vierköpfige Baukolonnen konnten die vorgefertigten Rohbauten in nur einem Tag errichten. Foto: okal
  • Bullis klar zum Montage-Einsatz: Vierköpfige Baukolonnen konnten die vorgefertigten Rohbauten in nur einem Tag errichten. Foto: okal

Im selben Jahr wird das erste Okal-Fertighaus auf der Bundesgartenschau in Dortmund präsentiert. Der Verkauf beginnt mit zwei Typen, deren Baukosten 35 Prozent günstiger als beim Massivbau sind. 50 Exemplare werden im ersten Jahr gefertigt. Bereits ein Jahr später hat Kreibaum den Prozess so weit optimiert, dass eine Baukolonne aus vier Arbeitern den in Lauenstein vorgefertigten Rohbau in nur einem Tag errichten kann. 350 Häuser werden so 1960 verkauft. 1961/1962 werden bei Okal 600 bereits Häuser geordert. 1970/ 1971 übergibt Otto Kreibaum senior die Geschäftsleitung an seinen Sohn Otto. Ein Jahr später ist Okal Europas größter Fertighaus-Hersteller.

In den 70er Jahren setzt das Unternehmen auf ökologisches Bauen: 1973 bietet das Lauensteiner Unternehmen als erste Fertighausfirma Solaranlagen zur Brauchwasser-Erwärmung an. Zwei Jahre später wird das gesamte Typen-Programm erstmals in der Branche ohne Aufpreis mit einer Energiesparheizung ausgestattet. 1980 entwickelten Techniker des Unternehmens einen Mini-Computer zur optimalen Regelung des Energieverbrauchs im Haus.

Im selben Jahr gibt es eine neue Wärmeschutzfassade und eine Luft-Wasser-Wärmepumpe zur Brauchwasser-Erwärmung. 1993 garantiert das neuartige ThermOkal-Baukonzept allen Okal-Häusern den Niedrigenergiestandard.

Anfang 2000 wird der Lauensteiner Fertighaushersteller Okal verkauft an die Divaco AG & Co. KG in Frankfurt am Main. Unter dem Dach der Divaco bildet das Lauensteiner Unternehmen nun eine Gruppe mit allkauf-haus und massa-haus. Das Versprechen stand im Raum: In Lauenstein soll die komplette Fertigung von allkauf-haus übernommen werden. Sitz der Deutsche Fertighaus Holding und ihrer Tochterunternehmen – also auch Okal – ist nun Simmern/Hunsrück.

Kurz nach dem Zusammenschluss war man in Lauenstein noch von der Möglichkeit ausgegangen, dass der Verwaltungsapparat aller Dfh-Unternehmen in Lauenstein zusammengezogen werden könnten, und die Produktion von Okal- und allkauf-Häusern im Ostkreis bleibt. Von bis zu 40 Neueinstellungen in Lauen-stein war damals die Rede, was auch den Betriebsrat des Lauensteiner Unternehmens mit damals 400 Beschäftigten freute. Zu Spitzenzeiten waren es allein in Lauenstein 1100 Mitarbeiter, in der ganzen Okal-Gruppe knapp 4000. Mit dem Verkauf an Divaco schied der 59-jährige Otto Kreibaum aus der Okal-Geschäftsführung aus, bekam den Vorsitz im Beirat der neuen Gruppe. Okal war vom familiengeführten zum von Managern geführten Unternehmen geworden.

2006 wird die Produktion in Lauenstein gänzlich stillgelegt. Okal-Arbeitsplätze gibt es hier nicht mehr – bis auf den einen für die Verwaltung des ehemaligen Werksgeländes. Bereits 1995 hatte das Lauensteiner Fertighausunternehmen ein neues Werk in Tschechien gegründet. 2007 steht der ehemalige Okal-Betriebsstandort in Lauenstein leer. Mit einer Änderung des Bebauungsplanes werden die Rahmenbedingungen für ein normales Gewerbegebiet geschaffen. Der 1946 errichtete 70 Meter Hohe Okal-Schornstein ist abgetragen.

Seit 1978 modernisieren, renovieren und erweitert Okal auch die Häuser seiner Kunden. Die Wurzeln dieses Wirtschaftszweigs liegen im Kundendienst von Okal. Heute ist ok Bauservice ein selbständiges Unternehmen. Als ehemalige Okal-Ableger ist die Firma als einziges in Salzhemmendorfs Flachsrotten, der ehemaligen Musterhaussiedlung, geblieben.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt