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Uwe Steimle reist nach Salzhemmendorf – „von einer Aschewolke angetrieben“

Nicht der Ossi, der Sachse ist ein Volksstamm

Von Christiane Stolte

veröffentlicht am 19.04.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 10:21 Uhr

Das Lieblingswort der Sachsen: „Furschtbar“, sagt Uw
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Lauenstein. Angetrieben von einer „Aschewolke“, war Uwe Steimle mit der Regionalbahn aus dem nordrhein-westfälischen Hilchenbach (Siegerland) auf Einladung des Kulturförderkreises Salzhemmendorf nach Lauenstein gekommen, um im rappelvollen Okalcafé über „Ostalgie“ und sächsische Schrullen zu plaudern. Derer es viele gibt. Aber was soll’s? „Wir sind halt Sachsen. Da müssen wir durch“, betonte der gebürtige Dresdener gestikulierend.

Nicht der Ossi sei ein Volksstamm wie die Medien behaupteten, sondern der Sachse. Was übrigens auch wunderbar am sächsischen Dialekt zu erkennen sei. Ein Sachse sage nicht Ja und auch nicht Nein. Bei ihm heiße es „nu“. Ob jemand das Lieblingswort der Sachsen kenne? – Nein? Dabei sei es doch so einfach zu merken. „Es heißt furschtbar, denn wir Sachsen finden immer alles so furschtbar“, erklärte der Kabarettist. Furschtbar beispielsweise sei, wie die Bayern ihre spitzen Zähne in die dicken Krapfen hauen. Krapfen, was für ein Wort! „Bei uns heißen die Kreppele“, sagte Steimle. Das hört sich doch gleich viel appetitlicher an! Auch sei das Gebäck nicht so groß, deshalb haben die Sachsen ganz andere Zähne als die Bayern.

Im sächsischen Dialekt plaudernd – denn der Dialekt sei, wie die Kaffeemühle seiner Oma, ein Stück Heimat –, kam der 46-Jährige vom „Hölzchen aufs Stöckchen“. Unterstützt wurde er dabei von der listigen Rentnerin Ilse Bähnert und dem arbeitsscheuen Günter Zieschong, zwei literarischen Kultfiguren, die Steimle in seinem Buch „Ostalgie“ zum Leben erweckt hat. Manchmal ließ der Autor sie aus den Buchdeckeln heraus – herrlich inszeniert durch Stimmen-, Mimik- und Gestenwechsel. Beispielsweise auf ihrer Suche nach frischen Schweinelendchen. Ilse Bähnert kann es nicht fassen, dass die Geschäfte jeden Tag mit jedem nur erdenklichen Warenangebot gefüllt sind. So richtig begeistert ist sie davon nicht. Deshalb kauft sie die guten, alten Rouladen, die sie zu DDR-Zeiten jeden Sonntag zubereitet hat.

Ja, das waren noch Zeiten in der ehemaligen DDR! Keine Studiengebühren! Immer genügend Krippenplätze! Alles Dinge, um die im Westen sogar heute noch hart gekämpft werden müsse. Der gute Erich, den Steimle wunderbar imitieren kann, habe sich um alles gekümmert. Und dann der leckere Dresdner Stollen. Zum Glück gibt es ihn immer noch. Leider verursacht er „Konditoralschäden“ rund um die Lenden.

Steimle, dem das Gerede über „Ossis“ und „Wessis“ zum Hals heraushängt, wurde 2003 mit dem „Salzburger Stier“, einem der renommiertesten Kabarettpreise im deutschsprachigen Raum, ausgezeichnet. Auch als Schauspieler ist er seit vielen Jahren bekannt. Unter anderem als Hauptkommissar Jens Hinrichs in der TV-Krimiserie „Polizeiruf 110“. Von der er aber gegangen worden sei, da er seinen Mund zu weit aufgerissen habe, wie er erzählte.

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