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Ein Jahr nach den Überflutungen

Nicht alles im Fluss beim Hochwasserschutz

SALZHEMMENDORF/COPPENBRÜGGE. „Dauerregen, gesperrte Straßen, vollgelaufene Keller: Tief ,Alfred‘ ist ein echtes Ekel“, hieß es im Juli vorigen Jahres. In der Ith-Region fielen über 100 Liter Regen pro Quadratmeter. Was ist seitdem getan worden, damit sich dies nicht wiederholt?

veröffentlicht am 13.06.2018 um 17:50 Uhr
aktualisiert am 13.06.2018 um 18:30 Uhr

Vor einem Jahr: Überschwemmung in Oldendorf. Foto: Archiv/ube

Autor:

PETER JAHN
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Nachdem in Coppenbrügge in den Jahren davor über eine halbe Million Euro investiert worden waren, gibt es in den traditionellen Überschwemmungsgebieten keine Probleme. Anders im Flecken Salzhemmendorf: Hier hieß es in einigen Bereichen Land unter. Von einem Jahrhundert-Hochwasser wurde Mitte 2017 gesprochen. „Vor solchen Naturereignissen kann man sich nicht gänzlich schützen“, sind sich Wolfgang Kapa, Bauamtsleiter des Fleckens Salzhemmendorf, und Torsten Röpke, Leiter des Fachdienstes Wasser, Abfall, Bodenschutz beim Landkreis Hameln-Pyrmont, einig. Besonders Einwohner von Wallensen, Ockensen, Hemmendorf und Oldendorf kennen das Hochwasserproblem. Bei starkem Regen überfluten Straßen, Wasser läuft auf die Grundstücke, in Häuser und Keller. In Wallensen ist es die Saale, die ihr Bett verlässt und sich auf den Feldern und im Dorf ausbreitet. „Bereits 2012 wurde ein Hochwasserschutzkonzept und Vorschläge erarbeitet“, sagt Kapa. In Benstorf-Quanthof ist ein erstes Projekt für mehr Hochwasserschutz im Rahmen einer Naturschutzmaßname umgesetzt worden. Dort hat sich früher die Aue an der Brücke der Kreisstraße gestaut. Mit der Renaturierung und Aufweitung des Baches, der sich nun oberhalb und unterhalb der Brücke bei Hochwasser ausdehnen kann, ist ein wichtiger Schritt getan worden.

Den Menschen in Wallensen kann das Fließgewässer-Entwicklungsprojekt helfen. Es sieht die Änderung des Saaleverlaufes beim Weinberger See vor. Im Mittelpunkt stehen die Umgehung des Sees, der Rückbau von zwei kaskadenartigen Querbauwerken und der Rückbau der Schälerbrücke. Die Saale soll um den See herum und nicht mehr hindurch fließen. Der Weinberger See soll vielmehr als Wasserrückhalteraum genutzt werden. Um dies zu erreichen, ist ein Absenken des Wasserspiegels um 1,50 Meter vorgesehen. Für diese Maßnahme stellt die Europäische Union 800 000 Euro zur Verfügung. Das entspricht 90 Prozent der Kosten, nur insgesamt 10 Prozent müssen die Landesforsten, die Samtgemeinde Leinebergland, der Flecken Salzhemmendorf, die Landkreise Hildesheim und Hameln-Pyrmont sowie der Leineverband beisteuern. Doch gebaut wird am Weinberger See noch nicht. Der Planfeststellungsbeschluss liegt beim Landkreis Hildesheim. Es geht derzeit nicht weiter, weil eine Klage anhängig ist.

Den Einwohnern in Ockensen kann ein anderes Projekt helfen. Auch hier geht es um die Fließgewässerentwicklung, also mehr um den Naturschutz, der aber auch einen Hochwasserschutz bringen wird. Die Saale soll von der Kreisstraße weg verlegt werden. Doch hier kommt man nicht voran, weil noch die notwendigen Flächen fehlen, wie Harald Baumgarten, Leiter des Amtes für Naturschutz beim Landkreis Hameln-Pyrmont, erklärt.

Wenn Gräben zuwachsen – wie hier bei Diedersen –, steigt die Gefahr, dass sich Wasser staut und einen anderen Weg sucht. Foto: Wal
  • Wenn Gräben zuwachsen – wie hier bei Diedersen –, steigt die Gefahr, dass sich Wasser staut und einen anderen Weg sucht. Foto: Wal

In Hemmendorf ist geplant, das Herumfließen des Wassers um die Mühle zu verbessern, oberhalb von Thüste ist auch eine Maßnahme im Rahmen des Naturschutzes geplant, die sich positiv auf den Hochwasserschutz auswirken wird.

Was die Landkreise, Gemeinden und der Unterhaltungsverband einmal im Jahr durchführen, sind Bachschauen. Dabei wird kontrolliert, ob das Wasser ungehindert abfließen kann. Torsten Röpke führt dazu aus, dass alles, was zu einem Aufstau führen können, entfernt und auch kleinere Ausgleichsflächen geschaffen werden.

Den großen Befreiungsschlag gegen Hochwasser hat indes Coppenbrügge getan: Der Flecken und das Land haben sich diesen 517 000 Euro kosten lassen. Dörpe, Harderode und Herkensen, früher nach starken Regenfällen Seenlandschaften, werden nur noch von oben nass. Selbst bei extremen Starkregenfällen besteht ein sicherer Hochwasserschutz, wie die Erfahrung aus dem vergangenen Jahr zeigt. Das Wasser wird am Ortsrand in Rückhaltebecken aufgefangen.



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