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Die ersten Landwirte im Bereich Salzhemmendorf wollen Biogasanlagen flexibler steuern

Neue Technik reagiert auf Strombedarf

SALZHEMMENDORF. Das Jahr 2006 hatte für die heimischen Landwirte schon mit Aufbruchstimmung zu tun. Im Flecken Salzhemmendorf entstanden zu jener Zeit gleich drei Biogasanlagen in Thüste, Oldendorf und Lauenstein. „Wenn am Anfang der Aufwand aber bekannt gewesen wäre, hätte einige vorher bestimmt der Mut zu so einem Schritt verloren“, meint Horst-Friedrich Hölling aus Hemmendorf. Der Landwirt betreibt seit Dezember 2006 zusammen mit anderen Landwirten eine Biogasanlage in Oldendorf.

veröffentlicht am 11.02.2018 um 16:02 Uhr

Vor der Inbetriebnahme gab es Proteste: Am Hof Spiegelberg startete Ende 2011 die Produktion umweltfreundlicher Energie. Foto: gök
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Christian Göke Reporter
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Nach viel politischer Überzeugungsarbeit zur Änderung der Bebauungspläne hatten sich die Landwirte ohne Vorkenntnisse in einen neuen Wirtschaftszweig gestürzt. Bei vielen Lehrgängen befassten sie sich schließlich mit Themen wie Störfallverordnung, Gewerbeaufsicht, Zertifizierung bei der Strombörse oder Dokumentation. „Am Ende war es aber der richtige Schritt, da die Betriebe von uns jetzt breiter aufgestellt sind. Früher haben wir Getreide, Zuckerrüben und Schweine verkauft – jetzt sind halt noch Strom und Wärme hinzugekommen. Die Einkommensstruktur ist deutlich stabiler und sicherer geworden“, zeigt sich Hölling zufrieden.

Die Oldendorfer Anlage ist die einzige Anlage im Flecken, die derzeit schon flexibel eingesetzt wird. Die entsprechende Technik dazu wurde dem Netzbetreiber zur Verfügung gestellt, der bei einer hohen Stromnachfrage die Motoren der Oldendorfer Anlage ferngesteuert hochfahren kann und so Belastungsspitzen abfängt. Dabei ist von den Betreibern eine Bandbreite der 1,2-MW-Anlage vorgegeben worden, in der der Netzbetreiber sich bewegen kann. Die Schwankungen der erneuerbaren Energien um Photovoltaik und Windkraftanlagen können so besser ausgeglichen werden.

Was in Oldendorf bereits umgesetzt wurde, ist in Lauenstein und Thüste schon in der Planung. Moritz Ehle von der Biogasanlage am Rittergut Hofspiegelberg etwa hat zusammen mit seinem Partner jetzt auch schon einen Bauantrag für die 2011 eingeweihte Anlage und die Motoren gestellt. Die Motorleistung soll so von 0,8 auf 3,2 MW temporär erhöht werden. „Wir könnten dann theoretisch am Tag sechs Stunden Volllast fahren und den Rest des Tages die Anlage auslassen. So können wir den Strom an der Strombörse besser vermarkten und auf Spitzen reagieren“, meint Ehle. Durch diese Flexibilisierung sind aber auch zusätzliche Behälter für Gasspeicherung sowie für Gärreste nötig.

Zurückhaltend zeigen sich die Betreiber der Anlage in Lauenstein mit Blick auf moderne Technik. Foto: gök
  • Zurückhaltend zeigen sich die Betreiber der Anlage in Lauenstein mit Blick auf moderne Technik. Foto: gök
Vorreiter: In Oldendorf setzen die Betreiber auf neue Technik, um dem Bedarf entsprechend Strom zu produzieren. Foto: gök
  • Vorreiter: In Oldendorf setzen die Betreiber auf neue Technik, um dem Bedarf entsprechend Strom zu produzieren. Foto: gök

Die Anlage am Hof Spiegelberg startete Ende 2011, nachdem es vorher Proteste gegeben hatte. Die Anwohner befürchteten vor allem Gestank, was aber derzeit überhaupt kein Thema mehr ist. „Ich habe mittlerweile zu vielen Kritikern von damals ein sehr gutes Verhältnis und versuche auch immer auf entsprechende Wünsche einzugehen“, so Ehle.

Ein gutes Verhältnis strebt auch Thorsten Block in Thüste zu seinen Nachbarn an. Der Landwirt aus der Nähe von Nienburg hat die Hofstelle von Karl-Heinz Lessat 2016 komplett erworben, was auch die dortige Biogasanlage beinhaltete. „Ich bin kein Großindustrieller und will mich schnell in den Ort einbringen. Wir beschäftigen uns auch mit den Ängsten und Nöten vor Ort und schätzen auch die Arbeit, die die Familie Lessat hier geleistet hat“, meint Block. Die 0,8-MW-Anlage in Thüste soll zukünftig ebenfalls flexibler arbeiten. Auch hier wurde ein Bauantrag gestellt, der die Motoren, eine Endlager- und Gashaubenvergrößerung beinhaltet.

Keine Änderungen sind dagegen auf der ersten Biogasanlage AgrarEnergie in Lauenstein geplant. Folkart Müller sieht dort zusammen mit den anderen Gesellschaftern derzeit bei einer Flexibilisierung noch nicht den gewünschten Ertrag. „Die große Euphorie von vor über zehn Jahren ist mittlerweile relativiert worden. Unter dem Thema erneuerbare Energien hat das Thema Biogasanlagen leider etwas gelitten, wobei die Einspeisevergütungen aber für uns planbar waren“, berichtet Müller. Während in Oldendorf die Biogasanlage mit Logona und dem Komplex rund um die Grundschule schon viele Gebäude mit Wärme versorgt, führt von Lauen-stein auch eine Leitung nach Salzhemmendorf. Dort werden die KGS-Gebäude inklusive Hallenbad und die Ith-Sole-Therme mit entsprechender Wärme versorgt, wodurch ein hoher Beitrag zur umweltfreundlichen Energieversorgung geleistet wird.

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