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Kreis stellt Zuschüsse 2013 ein / Förderung für Jugendleiterlehrgänge nur noch in Lauenstein

Neue Finanzmodelle für das Naturfreundehaus

Lauenstein/Hameln (hen/ ni). Das Naturfreundehaus Lauenstein steht zurzeit vor einer ungewissen finanziellen Zukunft: Angesichts der desolaten Haushaltslage zieht sich der Landkreis Hameln-Pyrmont nach und nach aus der finanziellen Unterstützung zurück und will langfristig auch die Trägerschaft des Hauses, das vom Naturfreundeverein betrieben wird, abgeben. „Ab 2013 soll der Zuschuss gänzlich gestrichen werden und der Verein das Haus selbst übernehmen“, sagt Kreiskämmerer Carsten Vetter. Zurzeit laufen Gespräche, um die Jugendbegegnungsstätte finanziell auf sichere Füße zu stellen. Einer der Punkte wurde anlässlich der Aktualisierung des Jugendförderplans des Landkreises vom Kreistag auf den Weg gebracht: Um die Jugendbegegnungsstätte zu unterstützen, sollen Jugendleiterlehrgänge und andere Maßnahmen der Mitarbeiterbildung zukünftig nur noch vom Kreis gefördert werden, wenn sie in Lauenstein stattfinden. Eine Ausnahme bilden überregionale Fortbildungen für Leitungen und Mitarbeitende der Vereine und Verbände, die nicht im Landkreis Hameln-Pyrmont angeboten werden.

veröffentlicht am 11.01.2011 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 19:21 Uhr

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Im Jugendhilfeausschuss war zuvor darüber diskutiert worden, wie sinnvoll diese Maßnahme sei und ob sie überhaupt umgesetzt werden könne. Vetter hatte den Vorschlag der Verwaltung damit begründet, aus Sicht des Landkreises sei es „legitim zu sagen, wir lenken Aktivitäten in diesem Bereich, der mit vielen öffentlichen Mitteln unterstützt wird“. Die Politik fragte, ob die Kapazitäten in Lauenstein überhaupt ausreichen würden und die Lehrgänge im Naturfreundehaus für die Teilnehmer nicht teurer seien. Einwände von Vertretern der Jugendverbände lauteten, man gehe lieber in ein Selbstversorgerhaus, weil das billiger sei und die Lehrgangsteilnehmer obendrein mehr Miteinander einüben konnten, beispielsweise beim gemeinsamen Kochen und Abwaschen. Viele Lehrgänge würden in den Ferien stattfinden, fast alle am Wochenende; es könnte also sein, dass das Haus komplett überbucht wäre, so die Befürchtung. Michael Frey, evangelischer Jugenddienst, Hameln, gab im Ausschuss zu bedenken, dass der Kreis „nicht auf eine Jugendbildungsstätte im Landkreis monopolisieren dürfe“. Kreisjugendpfleger Claus Dieter Kauert hielt dagegen: Lauenstein sei zwar kein Selbstversorgerhaus, der neue Leiter gehe aber auf Wünsche ein und sei flexibel. Auch die Preise in Lauenstein hätten sich „positiv entwickelt“. Als Kompromiss wurde festgelegt, dass die neue Regelung gelten solle, aber zunächst nur für ein Jahr. Danach solle ein Fazit gezogen werden. Sollte Lauenstein tatsächlich an den Wochenenden überbucht sein, darf ein Ausweichquartier gewählt werden – und den Zuschuss gibt es trotzdem. Ausschussvorsitzende Ruth Leunig (SPD) gab noch den Hinweis, es sei jetzt am Naturfreundehaus, sich zu beweisen und als guter Tagungsort ins Gespräch zu bringen.

Heimleiter Michael Kämmerer verweist auf steigende Besucherzahlen – zuletzt waren es 15 000 im Jahr. Er begrüßt die neue Regelung, nach der die Jugendgruppen das Haus in Lauenstein wieder stärker nutzen sollen. „In den letzten zwei Jahren hatten wir so gut wie keine mehr hier; ich weiß nicht, warum, denn in den Jahren davor gab es sie regelmäßig“, sagt Kämmerer. Fakt sei, dass das Haus relativ gut gebucht sei, „es gibt aber Lücken“. Alle Anfragen werde er nicht abdecken können, es sei denn, es ist ein Montag oder Dienstag. Von April bis Oktober sei auch an den Wochentagen gut zu tun; „Problemmonate sind die Wintermonate“. Mit entsprechenden Werbemaßnahmen soll aber auch hier gegengesteuert werden: So bietet das Naturfreundehaus seit November 2010 und bis Februar 2011 für die Tage Montag bis Donnerstag „noch Termine zu Sonderpreisen“ an, wie auf der Homepage zu lesen ist. Im Gratispaket dabei: eine Hausrallye, eine Herbst-Winterwanderung und ein Pizza-Pommesabend (Mindestaufenthalt: zwei Nächte). Zum Wunsch nach einem Selbstversorgerangebot sagt Kämmerer, auch das sei machbar.

Bereits im Sommer hatte der Kreistag beschlossen, die seit über 30 Jahren geflossenen Zuschüsse zu kürzen. Jährlich 45 000 Euro Zuschuss zum Wirtschaftsplan waren es; in diesem Jahr sind es nur noch 30 000 Euro, 2012 nur 15 000 Euro und 2013 fallen die Zahlungen ganz weg. Auch zusätzliche Zahlungen für Investitionen werden von einst 8000 Euro auf 5000 beziehungsweise 3000 Euro gekürzt und dann ganz gestrichen.

Vetter weiß als Kämmerer um die Notwendigkeit der Haushaltskonsolidierung und verweist darauf, dass die Zahlungen freiwillige Leistungen sind. Aber Vetter ist auch Vorsitzender des Beirates und als solcher intensiv an der Suche nach Alternativen zur Sicherung einer soliden finanzielle Basis für das Haus beteiligt. Im Gespräch seien Energiesparmaßnahmen, um Kosten zu reduzieren; das dafür notwendige Geld könnte noch einmal der Landkreis in die Hand nehmen und danach aus der Trägerschaft aussteigen, um dem Verein ein gut aufgestelltes Haus zu übergeben – das Einverständnis der Politik vorausgesetzt. Vetter ist zuversichtlich, und „eng mit dem Landkreis zusammenarbeiten“ will auch der Verein der Naturfreunde, wie Bernd Golembek und Erich Weber vom Vorstand betonen. „Wir sind in Gesprächen und müssen im Verein darüber diskutieren“, sagt Weber. Wenn alle Möglichkeiten geprüft seien und die Finanzmodelle scheiterten, so Vetter, könnte man auch erneut an die Politik treten.

Das Naturfreundehaus in Lauenstein: Da der Landkreis die Zuschüsse künftig reduziert und 2013 ganz einstellt, sollen Jugendleiterlehrgänge vom Kreis im Gegenzug nur noch gefördert werden, wenn sie in dem Haus in Lauenstein stattfinden.Foto: gök



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