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Ehemaliger SPD-Gemeinderat Karl-Heinz Brandt kritisiert die Basaltwerke

Naturschutz-Versprechen gebrochen?

COPPENBRÜGGE. Der Steinbruch am Ith soll nach dem Willen der Hannoverschen Basaltwerke künftig zur Ablagerung von Bauschutt dienen. Dagegen regt sich heftiger Widerstand. Nun liegen der Dewezet Unterlagen aus den 1980er Jahren vor, die den Kritikern Rückenwind verschaffen könnten.

veröffentlicht am 07.06.2019 um 16:13 Uhr
aktualisiert am 07.06.2019 um 17:10 Uhr

Das derzeitige Erscheinungsbild des Steinbruchs habe mit den ursprünglichen Renaturierungsplänen nicht viel zu tun, meint Karl-Heinz Brandt. Foto: dana
Jens Spickermann

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Jens Spickermann Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
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Der Steinbruch am Ith soll nach dem Willen der Hannoverschen Basaltwerke künftig zur Ablagerung von Bauschutt dienen (wir berichteten). Dagegen regt sich Protest, unter anderem in Form einer Online-Petition, die stattdessen eine Eingliederung in das bestehende Flora-und Fauna-Habitat vorsieht.

Nun liegen der Dewezet Unterlagen aus den 1980er Jahren vor, die den Kritikern Rückenwind verschaffen könnten: Eine Selbstverpflichtung des Unternehmens aus dem Jahr 1981 besagt nämlich, dass der Steinbruch eigentlich umfassend renaturiert werden sollte.

Schon Anfang der 1980er Jahre hatte sich gegen den bevorstehenden Gesteinsabbau an dem Höhenzug Widerstand formiert. Mit der Erweiterung waren schließlich Zugeständnisse an den Naturschutz verbunden. Damals waren sogar Naturschutzgründe angeführt worden, die eine Erweiterung des Steinbruchs notwendig machen würden: „Erst damit wird es möglich, dass eine, den heutigen Vorstellungen entsprechende, Rekultivierung (...) realisiert werden kann.“

„Die Basaltwerke haben sich so gut wie nie an Auflagen gehalten.“ Karl-Heinz Brandt, Ehemaliger Gemeinderat

Von den damaligen Auflagen sei jedoch praktisch nichts eingehalten worden, meint Karl-Heinz Brandt, der von 1973 bis 2017 im Coppenbrügger Gemeinderat saß und viele Jahre SPD-Vorsitzender in der Gemeinde war.

Er beruft sich auf den „Abbau- und Landschaftspflegeplan Oolith-Werk Bisperode“, in dem es unter anderem heißt: „Die Terrassierung, insbesondere der der offenen Landschaft zugekehrten Südhanglagen, soll nach Abschlussdes Abbaus eine harmonische Anpassung an das Relief benachbarter Hangabschnitte ermöglichen.“

Es war vorgesehen, in der Abbruchwand zusätzliche „Bermen“ anzulegen, also Terrassen, auf denen Bäume angepflanzt werden sollten, die die Steilwand kaschieren. Das Gefälle zwischen den 30 Meter breiten Bermen sollte auf einen Neigungswinkel von 45 bis 50 Grad reduziert werden. Außerdem wird präzisiert: „Es ist darüber hinaus Sorge zu tragen, daß die Bermen mit einem schwachen, zum Hang geneigten Innengefälle versehen werden.“ Das sollte dem Erosionsschutz dienen.

Zudem sah der „Abbau- und Landschaftspflegeplan Oolith-Werk Bisperode“ damals vor, dass der Steinbruch nach dem Abschluss des Gesteinsabbaus unter Naturschutz gestellt wird. Der Anspruch war, „dass sich der nach einer z.T. notwendigen Initialphase aktiver Renaturierung von selbst wiederbelebende, ehemalige Steinbruch als ökologisch und wissenschaftlich wertvolles Gebiet zu einem begehrten Studienobjekt und Freilandlabor entwickeln wird.“

Zu einem ökologisch und wissenschaftlich wertvollen Naturschutzgebiet scheint die Aufschüttung von Bauschutt aber nicht recht zu passen. Auch von der ursprünglich vorgesehen Terrassierung sei nichts zu sehen, meint Brandt. Er sieht in der Vorgehensweise des Unternehmens und der Genehmigungsbehörde wiederkehrende Muster: „Die Basaltwerke haben sich so gut wie nie an Auflagen gehalten“, kritisiert Brandt.

Der Abbau sei immer mit Blick auf den Profit über den Umfang des Erlaubten hinaus ausgedehnt worden. Den Fußpunkt der Abbauarbeiten habe das Unternehmen immer näher an die Wand herangeschoben, sodass die Wand nun eine Neigung von 80 Grad habe. Eine Rekultivierung sei nie vorgenommen worden und das zuständige Gewerbeaufsichtsamt Hannover nicht eingeschritten. „Von waagerechten Flächen für Bäume ist bis auf wenige Reste nichts zu sehen.“ Die damals verfassten Regelungen sind nach der Einschätzung von Brandt aber bis heute rechtsgültig.

Nachdem er die Entwicklung des Steinbruchs jahrelang als Kommunalpolitiker begleitet hat, ist Brandt nun skeptisch, ob das Unternehmen künftige Auflagen zur Bauschuttablagerung einhalten würde. „Wenn ich die Vorgänge auf die Zukunft projiziere, komme ich zur Frage: was können wir von so einem Unternehmen erwarten“, sagt Brandt. Aus seiner Sicht haben sich die Hannoverschen Basaltwerke das Vertrauen verspielt.

Die Basaltwerke stellen den Sachverhalt allerdings anders dar als Brandt. Auf Dewezet-Nachfrage schreibt Geschäftsführer Stefan Entrup: „Durch die hohen Steinbruchwände und die Tiefe des Abbaus ist eine Renaturierung des Steinbruchs schwierig. Die bislang möglichen Maßnahmen wurden von uns umgesetzt. Dies sind insbesondere die Bepflanzungen der Bermenflächen, die auch deutlich im Tagebau zu sehen sind.

Der gültige Rekultivierungsplan für den Steinbruch sieht eine Teilverfüllung mit anschließender Aufforstung vor. Diese Arbeiten konnten bislang wegen der aktiven Abbautätigkeit noch nicht durchgeführt werden. Mit Blick auf die laufenden Planungen ist die Teilverfüllung, in Abstimmung mit den zuständigen Behörden, zunächst unterbrochen worden.“ Das Unternehmen habe sämtliche Auflagen stets erfüllt und dies sei auch kontrolliert worden. Der Steinbruch werde in regelmäßigen Abständen genau vermessen und das Ergebnis den Genehmigungsbehörden vorgelegt.


Eine Infoveranstaltung zur Zukunft des Steinbruchs findet am Dienstag, 18. Juni, um 19.30 Uhr im Kulturzentrum Brunotte in Coppenbrügge statt.



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