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Rot-Grün will Zukunft für Ith-Steinbruch nach schaumburger Vorbild

Naturparadies statt Deponie

veröffentlicht am 05.09.2016 um 15:14 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 10:10 Uhr

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Autor:

von Maike Lina Schaper
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Ein ehemaliger Steinbruch muss nicht unbedingt eine Wunde in der Landschaft sein, so wie es in der Bevölkerung allgemeinhin gesehen werde. Das war die Quintessenz des gemeinsamen Informations- und Diskussionsabends von Grünen und SPD. Vor voll besetzten Tischen im Okal-Café ging es den Politikern darum, zu betonen, wie wichtig ihnen die Zukunft des Steinbruchs zwischen Lauenstein und Bisperode ist. Und in Wahlkampfzeiten natürlich auch, dass nur ein Kreuzchen für Grün oder Rot auf Kreisebene die Nutzung als Bauschuttdeponie verhindern kann.

Zum Hintergrund: Die Tage des Ith-Steinbruchs im klassischen Sinn sind gezählt. Laut Vertrag muss das Gebiet nach dem Ende des Abbaus rekultiviert werden. Doch der Betreiber, die Hannoverschen Basaltwerke, hat bereits vor knapp zwei Jahren seinen Plan vorgestellt, dort eine Deponie für Bauschutt der Klasse eins, also für mäßig belastete mineralische Abfälle, einzurichten. Dieses Vorhaben kann aber nicht realisiert werden, wenn die Kreistagspolitiker den Steinbruch nicht aus dem Landschaftsschutzgebiet entlassen. Die Rot-Grüne Mehrheit habe dies bisher verhindert, betont die Grüne Abgeordnete und Lauensteinerin Britta Kellermann und mahnt: „Der Betreiber wartet darauf, dass sich die Mehrheitsverhältnisse im Kreistag ändern, um einen Antrag auf Teilentlassung aus dem Landschaftsschutzgebiet zu stellen. Wenn wir das aber ablehnen, wird es auch keine Deponie geben“. CDU und FDP hingegen hätten sich in der Vergangenheit stets für diese Deponie entschieden. Gruppensprecher Ulrich Watermann (SPD) erntete für seine Aussage Applaus, dass Gebiete, die bereits ausgebeutet wurden, nicht „ein zweites Mal ran“ müssen sollten und auch Lauensteins Ortsbürgermeister Erich Weber (ebenfalls SPD) machte für die Einwohner seines Ortes deutlich: „Die Lauensteiner wollen die Deponie hier nicht mit dem vielen Lastwagenverkehr!“

Rot/Grün schwebt vielmehr vor, aus dem Steinbruch ein Naturparadies zu machen. Das Vorbild dazu ist der ehemalige Steinbruch Liekwegen in Schaumburg. Der Abbaubetrieb endete dort vor zehn Jahren. Heute ist die Fläche Lebensraum für 1000 Exemplare der gefährdeten Gelbbauchunke, einem Froschlurch mit leuchtend gelbem Bauch und herzförmiger Pupille. Wegen der Gelbbauchunke – die 1999 in Schauburg fast ausgestorben war – kaufte der Landkreis das 22 Hektar große Areal. Eine Rekultivierung, also eine Verfüllung mit Erde und anschließende Aufforstung blieb hier aus. Der Nabu Kreisverband Schaumburg koordiniert die Pflegemaßnahmen, mit denen das Gelände offen gehalten wird. Dazu gehöre auch, ab und an mit schwerem Gerät durch das Gelände zu fahren, erklärt Nabu-Gastredner Bruno Scheel. Denn genau diese Pfützen, die durch Reifenspuren entstehen, bräuchten die Gelbbauchunken zur Vermehrung. Mit dem Beispiel aus Liekwegen macht Scheel deutlich, dass auch eine Verfüllung des Ith-Steinbruchs nicht sein müsste.

Der Sprecher der Hannoverschen Basaltwerke, Stefan Entrup, erklärte bereits bei der Vorstellung der Deponiepläne im November 2014, dass es gut 50 Jahre und mehr dauern könne, bis genügend Material zu Verfüllung des Steinbruchs herbeigeschafft wäre, denn die dafür benötigten 900 000 Kubikmeter würden nur in ganz geringen Mengen anfallen.

Gruppensprecher Watermann äußerte außerdem den Vorschlag, dass der Landkreis Hameln-Pyrmont den Steinbruch am Ith kaufen sollte. Denn das wäre der effektivste Schutz um eine Deponie zu verhindern – „auch wenn wir dafür das ein oder andere Kreisgeld in die Hand nehmen müssen“.

Im Steinbruch am Ith lebt bereits heute eine Population der ebenfalls gefährdeten Geburtshelferkröte, die groß genug ist, um den Bereich als besonderes Schutzgebiet (Flora-Fauna-Habitat) auszuweisen. Einen entsprechenden Antrag hat die Gruppe SPD/Grüne im März gestellt.



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