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Sonderführung im Hüttenstollen

„Nachtschicht“ unter Tage

OSTERWALD. Es ist dunkel und nasskalt. Das richtige Wetter für einen gemütlichen Samstagabend in der warmen Stube. Aber nicht jeden hält es zu Hause. Vor dem Mundloch, dem Eingang des Hüttenstollens, stehen – akkurat aufgereiht wie die sieben Zwerge – einige Leute und warten auf Einlass.

veröffentlicht am 14.04.2019 um 14:52 Uhr

Bei der „Nachtschicht“ erfahren die Besucher viel Wissenswertes über die Arbeit der Bergleute von Hans-Dieter Kreft. (2. v. re.). Foto: sto
Stolte Christiane

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Christiane Stolte Reporterin
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Der Verein zur Förderung des Bergmannswesens Osterwald hat zur „Nachtschicht“ aufgerufen. Wer keinen Helm trägt, nicht in eine dicke Jacke eingemummelt ist und kein festes Schuhwerk vorweisen kann, muss draußen bleiben und wird nach alter Bergmannstradition ausgeschlossen von der Schicht. Das kommt aber nicht vor. Alle Teilnehmer sind vorschriftsmäßig gekleidet und dürfen „einfahren“ in die faszinierende Welt unter Tage, in der bis 1953 Kohle abgebaut wurde.

Mika ist der jüngste „Bergmann“. „Ich bin gespannt, wie es drinnen aussieht“, sagt der Elfjährige. Seine Eltern prüfen, ob sein Helm richtig sitzt, und dann kann das Abenteuer beginnen. Hans-Dieter Kreft nimmt die Besucher mit auf eine Zeitreise, als in Osterwald noch Steinkohle gefördert worden war. „Vor und nach der Schicht wurde gebetet“, erklärt der Vorsitzende des Bergmannsvereins und spricht das Einfahrtsgebet.

Bei der „Nachtschicht“ wird den Besuchern die harte Arbeit der Bergleute vermittelt. Auch der ruppige Ton, der bei der Arbeit unter Tage geherrscht hat, gehört dazu. Kein Problem für die „Bergleute“. Widerspruchslos folgen sie den Anweisungen Krefts, beispielsweise nichts anzufassen und bei der Gruppe zu bleiben. Die Arbeit eines Bergmannes war nämlich Teamarbeit. Und ist es auch heute noch. Das weiß ein „Nachtschicht“-Besucher zu berichten, war er doch selbst als Bergmann in der oberschlesischen Stadt Beuthen (polnisch Bytom) tätig. „Die Arbeit eines Bergmanns ist schwer, wird aber durch eine gute Gemeinschaft um einiges leichter“, so der Bergmann.

Die Besucher werden mit einem Hauerschlag auf den Allerwertesten verabschiedet. Foto: sto

Vor der „Einfahrt“ in den Stollen können die Besucher im Multifunktionsgebäude des Besucherbergwerks über Tage in einem nachgebauten Streb selbst Hand anlegen und sich mit dem Gezähe (Werkzeug) im Abbau der Kohle üben – auf der Seite liegend, wie damals üblich. Ein Streb, so Kreft, sei ein langer, schmaler Abbauraum. Ebenso erfahren die Besucher, dass eine ausladende Schaufel in der Bergmannssprache als „Weiberarsch“ bezeichnet wird oder der Begriff „auf dem Kerbholz haben“ daher kommt, dass im Bergbau früher die Fördermenge mit einer Kennzeichnung auf einem Holz dokumentiert wurde. Auch von der „Heiligen Barabara“ berichtet Kreft. Die Schutzpatronin der Bergleute soll von ihrem Vater enthauptet worden sein, weil sie sich weigerte, ihren christlichen Glauben und ihre jungfräuliche Hingabe an Gott aufzugeben.

Am Ende der Nachtschicht werden die „Bergleute“ mit einem „Hauerschlag“ auf den Allerwertesten verabschiedet. „Das war ein sehr lebendiger Museumsbesuch, bei dem wir viel gelernt haben“, so Mandy Pfister aus Hameln. Mika ist beeindruckt von dem braunen Eisengestein, das nicht angefasst werden darf, weil die Farbe nicht mehr abgeht.



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