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Mit der Dämmerung kommt das Unbehagen: Wie sich Opfer fühlen / Bei jedem Dritten leidet die Seele

Nach dem Einbruch bleibt das mulmige Gefühl

Brünnighausen (ist). Nein, ängstlich sei sie nie gewesen, sagt Hanna Quast, überprüft aber seit vier Wochen tagtäglich immer häufiger, ob die Haustür auch wirklich abgeschlossen ist, und lässt gemeinsam mit ihrem Mann schon bei beginnender Dämmerung die Rollläden rund ums Haus herunter. Angst hätte schon in ihren Kindertagen als Tochter eines Weserschiffers, die ihre Ferien grundsätzlich und zwischen besonders nachts ständig knarrenden Balken verbrachte, nie eine Chance gehabt; später als Stewardess über den Wolken noch weniger und erst recht nicht während der vergangenen 34 Jahre in der Idylle ihres Hauses, das nur durch ein jetzt leuchtend gelb blühendes Rapsfeld vom Waldrand getrennt ist.

veröffentlicht am 21.05.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 10:41 Uhr

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„Aber jetzt ist es da“, sagt sie, „ein irgendwie beklemmendes Unbehagen in den eigenen vier Wänden; das so etwas wie Angst macht, weil es bei jedem, bis dahin ‚ganz normalen‘ Knacken der Holzbalken aufhorchen lässt“. Es komme vor, dass sie und ihr Mann abends Türen klappen hörten, die es im Haus gar nicht gebe; dass seitdem selbst der Hund vor dem Fernseher deutlich unruhiger schlafe.

Angefangen hatte es am Ostersamstag, als Hanna und Rudolf Quast zum Osterfeuer hinunter ins Dorf gingen, die Haustür wie immer abschlossen, aber vergaßen, die Rollläden zu schließen. „Als wir nachts nach Hause kamen, haben wir zunächst gar nicht realisiert, was passiert war. Aber dann war da manches, was sonderbar war…“, erinnert sie sich.

Erst versagte der Bewegungsmelder am Haus seinen Dienst; im Haus waren beide Wohnzimmertüren zum Flur entgegen der routinemäßigen Gewohnheit ver- und damit der bellende Hund eingeschlossen; schließlich fiel der Blick im Schlafzimmer auf die zur Seite gezogene Gardine vor dem leicht geöffneten, aufgebrochenen Fenster – dann kam die bittere Gewissheit beim Blick in die komplett ausgeräumte Schmuckkassette in der sorgsam verschlossenen Nachttischschublade: wertvoller Schmuck, Uhren und Bargeld waren verschwunden. Alle Schubladen durchwühlt, dabei aber sauber verschlossen ohne jegliche Verwüstung. „Wert der Beute etwa 6000 Euro“, schätzt Hanna Quast. „Das tut weh“, sagt sie, „es waren auch Erbstücke meiner Urgroßmutter darunter“.

Und dennoch sei nicht der materielle Verlust das Schlimmste, sondern dieses Gefühl, „dass irgendein ein unerwünschter Fremder in unserer Privatsphäre herumgewühlt hat. Gleich am nächsten Tag hatte ich das Bedürfnis, alles sauber zu machen und alles wegzuschrubben, was ich ja doch gar nicht sehen konnte, aber wusste, dass überall jemand angefasst und herumgewühlt hatte. Aber wir kommen damit klar. Werden weitere Bewegungsmelder installieren, einbruchsichere Fenster einbauen und die Rollläden nie mehr vergessen.“

Sie streichelt ihren Hund: „Was für ein Glück, dass Kira ‚nur‘ eingesperrt wurde!“ So gut wie Hanna und Rudolf Quast kommen nicht alle Einbruchsopfer mit ihrer Situation klar. Viele leiden langfristig unter seelischen Problemen, die auch körperlich krankmachen können. Aus Studien der Ruhruniversität in Bochum ist bekannt, dass jedes dritte Einbruchsopfer nach der Tat psychische und/oder physische Probleme der verschiedensten Art hat.

Nicht wenige Opfer entwickeln das Gefühl, in der eigenen Wohnung nicht mehr sicher zu sein – und müssen nicht nur wie die Quasts abends vor dem Schlafengehen öfter nachschauen, ob alle Türen versperrt sind. Bleibt ein Trost für das Weserbergland: Einbruchdiebstähle sind im Jahr 2011 nach Angaben der polizeilichen Kriminalstatistik bundesweit zwar um durchschnittlich acht Prozent gestiegen. Die Analysestelle der Polizeiinspektion Hameln-Pyrmont/Holzminden, so Pressesprecher Jörn Schedlitzki, registriere dagegen für das eigene Zuständigkeitsgebiet mit 233 Einbrüchen in Wohnhäuser und Wohnungen 10,38 Prozent weniger als im Vorjahr.

„Unsere guten Ergebnisse resultieren aus der Verknüpfung von professioneller Kriminalitätsbekämpfung und konzeptioneller Aufklärungsarbeit im Rahmen der polizeilichen Prävention,“ Umfassende Informationen zum vorbeugenden Schutz gegen Einbruch gibt es im Internet unter www.polizei-beratung.de. Unter Telefon 0515/933-108 kann mit dem Präventionsteam der Polizeiinspektion Hameln ein Termin zur kostenlosen Beratung zu Hause vereinbart werden. Opferhilfe unter anderem auch bei psychischen Traumata gibt es beim „Weißen Ring“ bundesweit unter Telefon 116006 oder www.weisser-ring.de.

Nach dem Einbruch in das Einfamilienhaus in Brünnighausen am Ostersamstag hat die Polizei nach Auskunft von Schedlitzki noch keine heiße Spur. Die Auswertung der am Tatort gesicherten Spuren sei allerdings auch noch nicht endgültig abgeschlossen, sodass es im Verlauf der weiteren Spurenauswertungen eventuell noch Ermittlungsansätze geben werde. Die Ermittlungen des Kriminal- und Ermittlungsdienstes der Polizei Bad Münder dauerten an, heißt es.



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