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Archäologische Überreste oder Feenringe?

Mysteriöse Kreise auf Wiese entdeckt

HAUS HARDERODE. Rätselhafte Kreise zeichnen sich auf einer Wiese in der Nähe des Hauses Harderode ab. Verraten sie uralte Bauwerke im Boden oder handelt es sich um sogenannte Hexen- oder Feenringe. Davon geht Gutsbesitzer Hubertus von Blum aus.

veröffentlicht am 10.10.2018 um 14:44 Uhr
aktualisiert am 10.10.2018 um 18:40 Uhr

Rätselhafte Kreise zeichnen sich auf einer Wiese in der Nähe des Hauses Harderode ab. Foto: wfx
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Autor

Sabine Brakhan Reporterin
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Sie sind sattgrün und kreisrund, haben einen Durchmesser von mehreren Metern und werfen beim Entdecken erst einmal die Frage auf: Was ist das denn? Gleich hinter Haus Harderode, unterhalb des Lauensteiner Steinbruchs, sind auf einer Wiese am Waldrand ganz deutlich gleich mehrere große, sattgrüne Kreise in dem ansonsten grasgrünen Terrain zu erkennen. Zeichnen sich dort im Boden vielleicht Relikte längst vergangener Tage ab, wie beispielsweise die Fundamente von Ringöfen einer alten Ziegelei?

In der Archäologie werden immer wieder Luftbilder eingesetzt, um Veränderungen an der Oberfläche aufzuspüren, die Rückschlüsse auf Überreste von Zeugnissen alter Kulturlandschaften zulassen. Beobachtet werden dabei beispielsweise Vegetationsanomalien, welche sowohl über unterirdischen Mauerresten als auch über inzwischen verfüllten Gräben auftreten. Gut möglich also, dass sich rund um das jahrhundertealte Rittergut Haus Harderode noch das eine oder andere geschichtliche Geheimnis im Boden verbirgt.

Die wechselhafte Historie von Haus Harderode lässt sich bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen. 1542 war das Gut lüneburgisches Lehen der Herren von Schwicheldt, einer Adelsfamilie aus der Stadt Hildesheim. Im Laufe der Jahrhunderte erlebte das vorwiegend landwirtschaftlich genutzte Anwesen zahlreiche Besitzerwechsel. Denen von Schwicheldt folgten bis 1706 die Herren von Heimburg. Die wiederum verkauften das Anwesen an die Herren von Münchhausen, in deren Besitz sich Haus Harderode bis 1726 befand.

Man muss schon genau hinschauen, um die Pilze in den Kreisen zu entdecken. Foto: sbr
  • Man muss schon genau hinschauen, um die Pilze in den Kreisen zu entdecken. Foto: sbr
Hubertus von Blum ist sich sicher, dass Pilze für die kreisrunden Formationen verantwortlich sind. Foto: sbr
  • Hubertus von Blum ist sich sicher, dass Pilze für die kreisrunden Formationen verantwortlich sind. Foto: sbr

Denen von Münchhausen folgten bis 1853 die Herren von Nölting. Nach weiteren Besitzerwechseln in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ging das Anwesen 1899 an Rudolf von Blum über. Er stammte aus einer seit 1291 urkundlich erwähnten hannoverschen Patrizierfamilie und errichtete ein Jahr später das „Neuhaus“ auf dem als Vorwerk bezeichneten Gelände. Bis heute befindet sich das Rittergut Haus Harderode im Privatbesitz seiner Familie. Bei soviel Fluktuation könnte es gut möglich sein, dass im Laufe der Jahrhunderte ein altes Bauwerk unterhalb des Steinbruchs langsam verfiel und völlig in Vergessenheit geriet. Oder handelt es sich bei den geheimnisvollen Kreisen oberhalb von Haus Harderode womöglich gar um einen Ufo-Landeplatz, eine neue Area 51 abseits von Nevada (USA) mitten im Weserbergland? Wurden nicht am nächtlichen heimischen Himmel erst neulich unbekannte Flugobjekte gesichtet und gemeldet?

Neugierig geworden ist auch Hubertus von Blum, der heutige Besitzer von Haus Harderode. Seiner Frau ist eine ähnliche Grasformation im Park des Anwesens aufgefallen, wie er berichtet. Dass sich hinter dem Phänomen ein Bewuchsmerkmal archäologischer Herkunft verbirgt und die Beobachtung damit in den Zuständigkeitsbereich des Landesamtes für Bodendenkmäler fällt, kann Hubertus von Blum ausschließen. Die alte Ziegelei hatte ihren Standort weiter unterhalb der Wiese, auf der sich die Kreise abzeichnen. Und über die nun wirklich nicht ernst gemeinte Vermutung bezüglich eines Alien-Besuchs, der angesichts der Vielzahl von Kreisen eine Invasion gewesen sein müsste, kann auch er nur schmunzeln.

Ich bin der Meinung, dass es sich bei den Kreisen im Rasen und in der Wiese um sogenannte Hexen- oder Feenringe handelt, die auf Pilze

zurückgehen.

Hubertus von Blum, Haus Harderode

„Ich bin der Meinung, dass es sich bei den Kreisen im Rasen und in der Wiese um sogenannte Hexen- oder Feenringe handelt, die auf Pilze zurückgehen“, meint Hubertus von Blum. Hexenringe oder auch Feenringe sind kreisförmige Ansammlungen von Pilz-Fruchtkörpern, die dadurch entstehen, dass das Myzel eines Pilzes in alle Richtungen gleichzeitig wächst. Wenn der Nährstoff im Boden im Innern der kreisförmigen Pilzansammlung verbraucht ist, stirbt das Myzel dort ab und übrig bleibt die ringförmige Struktur, der sogenannte Feen- oder Hexenring.

Solche Kreise haben nicht selten einen Durchmesser von mehreren Metern, so auch bei Haus Harderode.

Und tatsächlich: Bei näherer Betrachtung wird deutlich, dass auch in den Harderoder Ringen vereinzelt Pilze wachsen. Über viele Generationen waren Ringe aus Pilzen als mystische Erscheinungen bekannt und galten sowohl als Zeichen des Glücks als auch als dunkles Omen. Erzählungen aus Frankreich und Skandinavien sowie Wales und Schottland berichten von Naturgeistern, die den Ring umtanzen und sogar von Elfenstädten unter den Ringen ist die Rede. Also vielleicht doch ein Fall für das Landesamt für Bodendenkmäler? Während die Waliser glauben, nahe diesen Kreisen wächst ihr Getreide gut und das Vieh gedeihe besser, hat Hubertus von Blum andere Erfahrungen gemacht. „Dieses Stück eignet sich nicht zum Getreideanbau, darum haben wir es bereits zum Teil wieder aufgeforstet“, berichtet er.

Andere Geschichten sehen in solchen Ringen Portale in andere Dimensionen. Ist in diese Richtung eigentlich je in Bezug auf die Rattenfängersage geforscht worden? Bis ins 19. Jahrhundert galt der Warnhinweis: Vorsicht Hexenwerk! Das Eintreten in einen solchen Kreis ist mit Gefahren verbunden! Allerdings: Einer Legende zufolge ist ein ungestraftes Eintreten in den Kreis während Vollmond möglich. Dann aber bitte nur mit rückwärts getragenem Hut, um die Geister zu verwirren und den Träger zu schützen. Ein Tipp: Der nächste Vollmond wird am Mittwoch, 24. Oktober, um 18.45 Uhr am Himmel stehen.



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