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Kirchengemeinde „Peter und Paul“ will Trägerschaft für Kindergarten nicht aus den Händen geben

Modell der Landeskirche stößt auf Ablehnung

Bisperode (ist). Wenn ein Löwe mit üppiger Mähne durch von kurzen Fingern mühselig, aber letztlich fest geknotetes duftiges Tüll von Tütü und Prinzessinnen im Bewegungsraum tobt, so sei das keinerlei Grund zur Sorge für „Peter und Paul“, beruhigt Anke Schnüll. Denn Tierisches und Kurioses aus dem Kostümfundus gehörten während der Faschingszeit unbedingt zu Spaß, guter Laune und harmonischem Miteinander der Bisperoder Kinderbetreuung dazu, so die Leiterin der Einrichtung. Das sei seit Gründung des Kindergartens 1994 rund ums Jahr und auch in der närrischen Zeit nie anders gewesen – habe Eltern von etlichen Geschwisterkindern in Folge über 17 Jahre ruhig schlafen und arbeiten lassen.

veröffentlicht am 21.02.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 16:41 Uhr

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Grundlage des Erfolgsrezeptes: alles in Kindergarten und Krippe ist nach Hausmacherart. Träger von „Peter und Paul“ war bislang und von Beginn an die Kirchengemeinde; das heißt, alle konzeptionellen und personellen Entscheidungen als Herzstück der Kinderbetreuung werden passgenau, handverlesen und vor Ort von Kindergartenleitung, -team und Kirchenvorstand in enger Abstimmung und Nähe zu Kindern und Eltern entschieden.

Doch jetzt gibt es seit einigen Monaten Sorgen um „Peter und Paul“ und den Löwen in und zwischen Lego-, Lese-, Vesper- oder Strandkorbecke. Und die sind nicht hausgemacht. Denn obwohl man vor Ort von Konzeption und Umsetzung der Kinderbetreuung und -förderung in Bisperode überzeugt ist und daher keinerlei Grund sieht, etwas zu ändern, scheint sich das für die Landeskirche aus der Entfernung anders darzustellen. „Es gibt Bestrebungen“, sagt Andreas Voß, Patron der Kirchengemeinde „Am Ith“ gegenüber der Dewezet, „die Kirchengemeinde zu einer Übergabe der Trägerschaft und damit der Verantwortung für Kindergarten und Krippe an einen übergreifenden Verbund des Kirchenkreises zu bewegen.“ Eine Überlegung, die auf wenig Gegenliebe im Bisperoder Kirchenvorstand und beim Peter-und-Paul-Erzieherinnenteam stößt, auch wenn bei Ablehnung der Kirchengemeinde die bisher erstatteten Kosten der gesetzlich vorgeschriebenen Fortbildung aufgebrummt werden. Denn das vorgeschlagene Trägerschaftsmodell lässt Kirchenvorstand und Kindergartenteam kaum mehr als die Verantwortung für Spendenverwendung, Genehmigung von Urlaubs- oder Fortbildungsanträgen – jegliche Personalentscheidung wird ferngesteuert.

„Warum etwas aufgeben, mit dem man mehr als nur zufrieden ist, die Nähe, die sich über Jahre bewährt hat?“ fragen Schnüll, Pastorin Martina Frost und Andreas Voß. Warum ein vertrautes und erfolgreiches Miteinander zerhacken, das hier noch gelebt werde, das längst zum Alleinstellungsmerkmal der Dörfer geworden sei und entsprechend gehütet werden sollte.

Das Trägerschaftsmodell der Landeskirche ist in deren Auftrag seit dem vergangenen Jahr von allen Kirchenämtern den betroffenen niedersächsischen Kirchenvorständen in Informationsveranstaltungen vorgestellt und anschließend diskutiert worden. Es wird im August gestartet; die Mehrheit der Kirchenvorstände in den Kirchenkreisen Hildesheimer Land-Alfeld und Hildesheim-Sarstedt habe sich für den Anschluss an den Verbund entschieden, teilt Superintendent Christian Castel mit.

„Aber wir respektieren auch die gegenteilige Entscheidung“, sagt Castel. Es gehe letztendlich um die Politik der Landeskirche in Hannover, die die Notwendigkeit sehe, Trägerschaften auch in der Kinderbetreuung weg von den einzelnen Gemeinden in größere Verbünde zu überführen. „Erstens aus rein kaufmännischen Überlegungen, die zur Reaktion auf die veränderte Marktsituation zwingen.“

Auch auf dem Markt der Kinderbetreuung tummelten sich immer mehr freie Anbieter, die mit Sparangeboten knappen Kommunen entgegenkämen. Zusätzlich die Gefahr für langjährig beschäftigte Mitarbeiterinnen, denen aufgrund von Gruppenkürzungen infolge der demografischen Entwicklung der Arbeitsplatzverlust drohe. „Die aber in einem großen Verbund an anderer Stelle eingesetzt werden könnten.“ Zweiter Grund sei die Übernahme der vom Gesetzgeber vorgeschriebenen pädagogischen Leitung und Fortbildung durch Fachkräfte auf Kirchenkreisebene.

Die finanziellen Zuweisungsmittel der Landeskirche könnten zukünftig nur den Kindergärten gewährt werden, die sich dem Trägerverbund anschließen. Der Kirchenvorstand von Peter und Paul hat sich vorerst, was nicht endgültig sein müsse, gegen das Modell entschieden. „Wir werden uns“, so Voß, „solange es geht, unsere persönliche Nähe und Verantwortung in der Kinderbetreuung etwas kosten lassen müssen.“

Persönliche Nähe und Verantwortung in der Kinderbetreuung werde sich der Kirchenvorstand von Peter und Paul auch weiterhin „etwas kosten lassen müssen“ – Kindergarten und Krippe sollen an einen übergreifenden Verbund des Kirchenkreises gehen.

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