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Nach Abzug der Volksbank-Berater ruft Barbara Oerke zu einem Bürgertreffen auf

Mittel gegen den Verfall gesucht

BISPERODE/BESSINGEN. Sie hat einen „Brandbrief“ verfasst und Plakate geklebt. Barbara Oerke will die Bürger von Bisperode und Bessingen dazu aufrufen, sich nicht mit dem Verfall der Versorgungsstruktur vor Ort abzufinden und plant deswegen ein Bürgertreffen am 1. Februar.

veröffentlicht am 23.01.2018 um 15:54 Uhr
aktualisiert am 23.01.2018 um 16:40 Uhr

So wie hier am Dorfgemeinschaftshaus in Bessingen, haben Barbara Oerke und Rainer Olze an vielen Stellen Plakate aufgehängt, um auf ihr Bürgertreffen am 1. Februar aufmerksam zu machen. Foto: jsp
Jens Spickermann

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Die Nahversorger ziehen sich zurück, Ärzte fehlen und seit Jahresbeginn gibt es auch keine Kundenberater mehr in der Volksbank-Filiale (wir berichteten). Letzteres habe den Anstoß gegeben, endlich etwas zu tun, sagt Oerke. „Wir müssen jetzt aufstehen und dürfen nicht alles mit uns machen lassen“, regt sich die 81-Jährige auf. „Mit dem Wegfall der persönlichen Betreuung vor Ort in Bisperode [...] fühlt sich die ältere Generation ausgegrenzt und in der seelenlosen digitalen Welt alleingelassen“, heißt es in dem Brandbrief. In Rainer Olze, SPD-Fraktionsvorsitzender im Gemeinderat, hat Oerke nun einen Mitstreiter gefunden. „Bisperode befindet sich seit Jahren in einer gefühlten Abwärtsspirale“, sagt Olze. Der einzige Allgemeinmediziner in Bisperode behandele nur Privatpatienten und Selbstzahler, die Bäckerei Bohne sei der einzige Lebensmittelhändler im Ort und der Abzug der Volksbank-Kundenberater habe nun das Fass zum Überlaufen gebracht. Nun wollen sie gemeinsam mit möglichst vielen anderen Bürgern Lösungen finden, wie die Nahversorgung in Bisperode und Bessingen wieder aufgebaut werden kann. „Es ist naiv anzunehmen, dass wir hier einen Aldi oder Lidl bekommen können“, sagt Olze. „Wir brauchen für Bisperode ein angepasstes, spezialisiertes Angebot“.

Oerke fordert, die Volksbank müsse zumindest an einem Tag in der Woche den direkten Kontakt zu Kundenberatern vor Ort ermöglichen und auch wieder einen Briefkasten für schriftliche Überweisungen zur Verfügung stellen. Mit einem „Volksbank-Mobil“, das schon andere Dörfer regelmäßig abfahre, wäre sie auch zufrieden.

Weil sich die Digitalisierung nicht stoppen lässt und Online-Bestellungen praktisch und oft günstiger sind, hat Olze eine Idee, wie auch älteren Menschen das Einkaufen erleichtert werden könnte: In einer Art „Internet-Café“ könnten Senioren Unterstützung bei der Online-Bestellung von Produkten bekommen – und dazu vielleicht noch einen Sekt, damit die sozialen Kontakte nicht auf der Strecke bleiben. Für die Lebensmittelversorgung hat er auch schon einen Ansatz: „Wir wollen in Richtung regionale Versorgung gehen“, sagt Olze. Bei den benachbarten Landwirten könnten Bestellungen aufgegeben werden, die dann an einem zentralen Punkt gesammelt und verteilt werden. „Wir haben hier genug Erzeuger – nur ein Problem mit der Logistik“, sagt Olze. Dieser Plan sei auch eine Chance für die heimischen Landwirte.

Das geplante Bürgertreffen soll einen Auftakt für regelmäßige Gespräche im Abstand von jeweils ein bis zwei Monaten markieren. Seine Ideen sieht Olze nicht als bindend an, sondern die Bürger sollen sich gemeinsam Gedanken machen und Lösungen suchen – er selbst wird beim ersten Treffen die Moderation übernehmen. Nach einer Begrüßung durch Barbara Oerke und einen Impulsvortrag von Olze sollen die Diskussionsteilnehmer unter anderem aufschreiben, was sie für die Versorgungsstruktur vor Ort besonders wichtig finden.

Doch ist für die Probleme der Bürger in den Orten nicht eigentlich der Ortsrat zuständig? „Wenn wir Bürger uns nicht wehren, haben auch die Ortsvorsteher keine Chance“, sagt Olze, der seit einem Jahr selbst im Ortsrat aktiv ist. Die Bürgertreffen sollen nach seiner Vorstellung losgelöst von der Parteipolitik diskutieren, dennoch möchte er die Ortsräte in die Gespräche integrieren.

Die Volksbank entgegnet dem Protest von Barbara Oerke auf Nachfrage, man bedauere, dass es im Einzelfall zur Unmutsäußerung kommt und könne nachvollziehen, dass die Schließung der Agenturen für den einen oder anderen eine Veränderung bedeutet. Allerdings würden die Filialen im Wesentlichen nur noch für die Bargeldversorgung in Anspruch genommen. Man habe daher auf die Veränderung des Kundenverhaltens reagiert.

Das Bürgertreffen findet am Donnerstag, 1. Februar, im Herzoglichen Kammerkrug Bisperode statt. Alle Bürger aus Bisperode und Bessingen sind willkommen.



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